Krefeld: Aktion zu totem Winkel nach Todesfall

Nach Todesfall in Krefeld: Polizei kämpft gegen Unfälle mit totem Winkel

Polizei Krefeld klärt mit Video über toten Winkel auf

Auch wenn die Zahl der Unfälle mit Kindern im Straßenverkehr insgesamt zurückgeht, der tote Winkel führt immer wieder zu grauenhaften Zusammenstößen. Jetzt intensiviert die Polizei ihre Aufklärungskampagne.

Auch eineinhalb Jahrzehnte nach dem Start der Aufklärungskampagne über Gefahren im Verkehr bleibt der tote Winkel lebensgefährlich. Erst kurz vor Weihnachten starb eine Elfjährige, nachdem sie mit ihrem Fahrrad an der Kreuzung Seyffardtstraße/Gladbacher Straße von einem Lastwagen erfasst wurde. Drei weitere Unfälle hat es an dieser Stelle in den vergangenen drei Jahren gegeben. Der Fall der Elfjährigen war der schlimmste dieser Art, seit die Krefelder Polizei das Projekt 2002 ins Leben gerufen hat. Jetzt hat die Polizei mit neuer Ausrüstung wieder eine Kampagne gestartet.

Einmal in einen Lkw steigen und auf dem luftgefederten Sitz Platz nehmen - das können die Schüler des Gymnasiums Horkesgath seit dem vergangenen Mittwoch ausprobieren. Die Hände ans Lenkrad, ein Blick nach vorn, dann einer in den Spiegel, noch einmal über die Schulter gucken. Alles richtig gemacht. Eigentlich. Denn biegt der Lkw nun rechts ab, wird die Karosserie mit den Mitschülern kollidieren. Sie stehen im toten Winkel.

Foto: Thomas Lammertz

Was die Schüler des Krefelder Gymnasiums auf ihrem Schulhof in Horkesgath erleben, ist nur eine Simulation. Die Polizei Krefeld hat dort gemeinsam mit der Initiative "Fairkehr" für fünf Tage einen Lkw geparkt, ein Werbefahrzeug eigens für die Präventionsarbeit. Der Motor ist aus, die Menschen im toten Winkel sind nur Aufsteller aus Holz. Das Experiment soll zeigen, welche Gefahren im Straßenverkehr lauern. "Wir haben immer wieder Unfälle, in denen der tote Winkel eine Rolle spielt", sagt Daniel Uebber, Sprecher der Polizei Krefeld.

  • Unfallstatistik : Mehr Unfälle mit weniger Verletzten in Krefeld

Früher kam es zu ungewöhnlich vielen Unfällen mit Kindern im Straßenverkehr, ein Junge starb. Die Polizei ging in die Schulen, klärte auf und informierte die Kinder und Jugendlichen, wie man sich richtig schützt. "Die Resonanz, sowohl von Schülern, als auch von Lehrern, war in den Jahren durchweg positiv", sagt Helmut Bott von der Verkehrsunfallprävention. Seit 15 Jahren besuchen die Beamten nun schon weiterführende Schulen in und um Krefeld, um vor den Gefahren im Straßenverkehr zu warnen. "Grundschülern kann man die Gefahren meist noch nicht so deutlich machen", sagt Bott. Mit der Zeit habe man auch gemerkt, dass eine rein praktische Aktion draußen auf den Schulhöfen zuviel Eventcharakter habe, wie Bott es nennt. "Es braucht auch die Theorie, die Schüler müssen sich auch in den Klassenzimmern mit dem Thema auseinandersetzen", sagt Bott.

Im Vorfeld der Aktion haben die Beamten Unterrichtsmaterial am Gymnasium verteilt, das dort gerne angenommen wird, wie die stellvertretende Schulleiterin Carola Keßler bestätigt. "Unfallprävention findet bei uns oftmals in den Klassenleiterstunden statt, aber auch beispielsweise im Physikunterricht wird das Thema behandelt", sagt Keßler. Egal ob Fünftklässler oder Abiturienten - ein Bewusstsein für mehr Sicherheit lässt sich in allen Altersgruppen schaffen, sagt Keßler.

"Das mag auch daran liegen, dass wir das Thema spielerisch erarbeiten und mit zunehmendem Alter ernster angehen." Dann wird im Unterricht auch über die Fälle gesprochen wie den der Elfjährigen von der Gladbacher Straße. "Bisher spricht vieles dafür, dass das Mädchen im Dezember mit ihrem Rad auch im toten Winkel unterwegs war", sagt Bott. Details soll ein Gutachten klären, das derzeit ausgewertet wird. In Krefeld ist die Zahl der Kinderunfälle bislang stetig zurückgegangen. Ende 2016 waren es gerade mal 70 und damit deutlich weniger als 1999, als die Polizeistatistik 185 Fälle zählte. Die Aktion in Horkesgath endet heute. Die Arbeit der Polizei aber wird nicht ruhen. Die Beamten wollen pro Jahr jede Schule in Krefeld besuchen.

(atrie)