Beste Unterhaltung in Theater und Mediothek 900 Gäste feierten Theaterball im Stil der 1920-er Jahre

Krefeld · Am Samstag erlebten Theater und Mediothek den Glanz und Glamour der Goldenen Jahre. Nach Corona-Pause fand wieder ein großer Ball statt.

 Die Sinfoniker unter der Leitung von Sebastian Engel unterhielten 900 Besucher des Theaterballs.

Die Sinfoniker unter der Leitung von Sebastian Engel unterhielten 900 Besucher des Theaterballs.

Foto: Samla Fotoagentur/samla.de

Federschmuck an Kleidern und im Haar, schmale Stirnbänder in kunstvollen Hochsteckfrisuren, Boas, überlange Perlenketten, Handtaschen mit Pailletten, Perlen und Fransen besetzt, und bunt schillernde Kleider bei den Frauen, die Männer mit Knickerbocker Hosen, Westen und Schiebermützen oder auch mit Frack und Zylinder. Bunte Accessoires, Zigarettenspitzen, Pfauenaugen, Broschen und irgendwann die hohen Schuhe am Rand der Tanzfläche, glühende Gesichter und ausladende Bewegungen und Tanzschritte.

Am Samstagabend tauchten das Theater Krefeld und die Mediothek in den Glanz und Glamour der Goldenen Zwanziger Jahre. Nach einer Corona-Pause fand endlich wieder einmal der Theaterball statt. Nun also das Motto Goldene Zwanziger, genau ein Jahrhundert zurück ging damit die Reise in eine lebensfrohe, schrille, ausufernde Blütezeit der Kunst und Musik, in eine kurze, fünfjährige Phase mit einem Wirtschaftsaufschwung und der damit verbundenen gesellschaftlichen Euphorie. Vor allem in Berlin pulsierte dieser lebendige Nerv der Zeit, der Jazz und die ausgeflippte neue Art zu Tanzen erregten die Gemüter ebenso wie das aufflammende Selbstverständnis einer offen gelebten Homosexualität, ja, die Goldenen Zwanziger waren moderner, rasanter, voller Zuversicht, dass Freiheit für alle gilt, Frauen küssten Frauen und traten in Männerkleidung auf, Männer küssten Männer und trugen Kleider – das Leben war bunt und impulsiv.

Über 900 Menschen waren der Einladung zum Theaterball Krefeld gefolgt und so war der Große Saal des Theaters gefüllt, als die Niederrheinischen Sinfoniker unter der Leitung von Sebastian Engel mit der Ouvertüre aus der Operette „Ball im Savoy“ von Paul Abraham den Abend musikalisch eröffneten. Es folgten ein Auszug aus dem Ballett Mata Hari in der Choreografie von Robert North, in lichtes Weiß gekleidete luftige Eleganz, aber vor allem etliche bekannte Lieder aus der Operette, wie etwa das Tanzlied „Känguruh“, das sich über diese „neue Art“ zu tanzen erheiterte. Susanne Seefing trug dies in schöner Ironie mit dem Ballettensemble vor. Zwar tanzten die Männer in knapper Bekleidung, doch verzichtete Choreograf Ralph Frey insgesamt an diesem Abend auf die obszönen, leidenschaftlich ausufernden, farblich überschwänglichen Aspekte der kurzen Epoche der Ekstase – die rauschende Ballnacht im „Savoy“ blieb in einem überschaubaren Rahmen der gediegenen Theaterunterhaltung.

Kurze Verschnaufpause vom Tanz-Marathon.

Kurze Verschnaufpause vom Tanz-Marathon.

Foto: Samla Fotoagentur/samla.de

Markus Heinrich und Susanne Seefing sowie Gabriela Kuhn und Andrea Matthias Pagani „duellierten“ sich gesanglich in einigen Liebesliedern, die herrlich zwischen kitschig und bissig mäanderten und mit dem Lied endeten: „Es ist so schön, am Abend bummeln zu geh’n“. Und das war natürlich auch in diesem Jahr wieder die Aufgabe für die zahlreichen Gäste, vom Theatersaal in das Glasfoyer oder in die Mediothek zu schlendern und die vielen verschiedenen Veranstaltungen zu erkunden und genießen.

Der rote Teppich für die 900 Gäste des Theaterballs.

Der rote Teppich für die 900 Gäste des Theaterballs.

Foto: Samla Fotoagentur/samla.de

Im Großen Saal ging es nach der Operette weiter mit einer Einladung zu drei Walzern auf der Bühne, die umgehend Bewegung ins Publikum brachte – viele Paare nützten die Gelegenheit, einmal mit den Niederrheinischen Sinfonikern tanzen zu können und strömten auf die Bühne. Gewiss hätten alle verantwortlichen Tanzschulen ihre Freude gehabt an diesem tänzerischen Elan zu Walzern von Emmerich Kálmán, Oscar Straus und Franz Lehár.

Das Publikum wurde sehr gut unterhalten.

Das Publikum wurde sehr gut unterhalten.

Foto: Samla Fotoagentur/samla.de

Hier konnte anschließend mit dem Tanzorchester Michael Holz im Wechsel mit dem Happy Sunset Quartett weiter getanzt werden. In der Mediothek unterhielt das Café Vokal mit der stimmgewaltigen und auratischen Kerstin Brix und der Soulnight Band, die dann übernahm und mit dem DJ Mr. Smith weiterhin für ausgelassene Tanzstimmung sorgte.

Die Unterhaltungspallette war groß.

Die Unterhaltungspallette war groß.

Foto: Samla Fotoagentur/samla.de

Mit voranschreitendem Abend wurden die Tänze ausgelassener, verlorene Federn zierten die Tanzfläche, die Frauen trennten sich von ihren Handtaschen und Schuhen. Die Soulnight Band ist übrigens nur dem Namen nach neu, früher hieß sie Petrocelli, wie auch Café Vokal sind sie eigentlich schon eine feste Größe des Krefelder Theaterballs. Zweimal traten die Bands jeweils auf. Dazwischen flanierten die Gäste wie gewünscht zwischen Mediothek, Glasfoyer und Großem Saal, folgten dort der Tanzanimation mit der Tanzschule Kostorz oder erfrischten sich an den auf den Wegen liegenden verschiedenen Bars und Essensstationen.

Im Glasfoyer gab es einen besonderen Hörgenuss mit der lyrischen Sopranistin aus dem Opernstudio Niederrhein, Antonia Busse, und ihrer Jazz Kombo, die aus Mitgliedern der Niederrheinischen Sinfonikern besteht. Antonia Busse spricht und man weiß, dass ihre Stimme perfekt in das Klangbild passt, jedes Lied von Hildegard Knef bis Trude Herr ist eine fein abgestimmte und rundum überzeugende musikalische Kostbarkeit. Gegen 23.30 Uhr wurde es auffallend still in den Gängen, das Flanieren fand ein abruptes Ende, denn rund 700 Menschen waren in den Großen Saal gepilgert und folgten dort der Pudelpunk-Mitternachtsshow. Bei „Highway to Hell“ von AC/DC rockten viele im voll besetzten Saal sogar im Sitzen mit.

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