Krefeld: 7000 Wohnungen stehen leer

Krefeld : 7000 Wohnungen stehen leer

Sanieren ist wirtschaftlicher als neu bauen: Der Immobilienverband Haus & Grund fordert angesichts des Leerstandes ein Umdenken in der Wohnungsmarktentwicklung. Auch die Bevölkerungsentwicklung sei ungewiss.

Aus dem neuen Wohnungsmarkt-Report NRW der Immobiliengesellschaft LEG ergibt sich ein Bild, das nicht mit der Klage über Wohnungsnot in Krefeld übereinkommt, und die Strategie, möglichst viel neuen Wohnraum zu bauen, in Frage stellt. Demnach stehen in Krefeld rund 7000 Wohnungen leer. Das entspricht einer Leerstandquote von 5,7 Prozent. Dies ist einer der höchsten Werte in Nordrhein-Westfalen. Der Krefelder Immobilienbesitzerverband „Haus & Grund“ nimmt diese Zahlen zum Anlass, ein Umdenken in der Wohnungsbaupolitik zu fordern. „Anstatt Neubaugebiete für erhoffte Neubürger auf der grünen Wiese zu entwickeln, sollten alle Anstrengungen in die Sanierung des Bestandes gesteckt werden“, erklärt der Geschäftsführer von „Haus & Grund“, Michael Heß, auf Anfrage unserer Redaktion.

Aufgrund des LEG-Reports ergibt sich laut Heß ein ausgeglichener Wohnungsmarkt für Krefeld. Die durchschnittliche Angebotsmiete für Neuvermietungen betrug demnach 6,67 Euro /Quadratmeter. Dabei finden sich äußerst preiswerte Wohnungen für rund fünf Euro/ Quadratmeter ebenso wie hochwertige Neubauwohnungen für neun Euro pro Quadratmeter. Zum Vergleich: In München liegt die Durchschnittsmiete bei 10,73 Euro/ Quadratmeter, in Köln bei 10,71, Euro in Düsseldorf bei zehn Euro. Mönchengladbach liegt mit 6,37 Euro/ Quadratmeter knapp unter Krefelder Niveau. Im Rhein-Kreis-Neuss ist Wohnen mit 7,85 Euro/ Quadratmeter teurer als in Krefeld, im Kreis Viersen liegt der Durchschnitt mit 6,67 Euro gleichauf mit Krefeld.

Heß weist auf einen weiteren Punkt hin: Die LEG-Statistiker sagen für Krefeld einen Rückgang der Krefelder Bevölkerung bis 2040 um 2,4 Prozent voraus. Auch darin sieht Heß ein Indiz, dass es falsch ist, immer neuen Wohnraum zu schaffen – für Neubürger, die es möglicherweise gar nicht gibt.

So bekräftigt „Haus & Grund“ seine Forderung, private Immobilieneigentümer bei der Sanierung der Bestandsimmobilien stärker zu unterstützen. „So lange allerdings Politik und Verwaltung bis auf wenige Ausnahmen den Fokus auf die Entwicklung von Neubaugebieten richtet, ignorieren wir die faktische Entwicklung am Wohnungsmarkt in Krefeld“, argumentiert Heß.

Er räumt ein, dass die hohe Leerstandquote wohl auch auf den schlechten Zustand vieler Wohnungen zurückzuführen sei. Hauptproblemzone mit den meisten Wohnungsleerständen sei der Kern der Innenstadt. „Da gibt es eine schwer zu durchbrechende Abwärtsspirale aus hohem Anteil an Transferleistungsempfängern und einem unattraktiven Wohnumfeld. Dadurch bedingt sind niedrige Mieten, so dass die Eigentümer keine Rücklagen für Sanierungen bilden können“, analysiert Heß.

Hier müsse die Politik ansetzen. „Die Eigentümer anzusprechen und zu überzeugen, ist mühsam und langwierig“, sagt Heß. Dennoch sei dies der richtige Weg. Auch das neue „Junker & Kruse“-Gutachten zur Entwicklung der City spreche mehrfach davon, Eigentümer zu aktivieren. Für Heß ist dabei die Quartiersarbeit entscheidend. „Frau Causin von der Stadt und die Quartiersarchitekten sind im Moment die Einzigen. Sie leisten tolle Arbeit. Hier benötigen wir noch viel mehr Personaleinsatz.“

Er sieht auch Licht am Horizont. Der skizzierte Kreislauf aus niedrigen Mieten, schlechten Wohnungen und mangelnden Rücklagen würde an immer mehr Stellen aufgebrochen. Beispiele seien die Schwanenmarkt-Wohnungen, das Viertel rund um die alte Samtweberei und der Westwall, auf dem viel alte Bausubstanz hochwertig saniert und dann auch an gute Klientel vermietet werde, so Heß.

Grundsätzlich ist laut „Haus & Grund“ Sanieren kostengünstiger als neu zu bauen. Bei einer Kernsanierung könne man mit Kosten von rund 1.000 Euro pro Quadratmeter rechnen; ein Neubau liege bei 2.000 bis 3.000 Euro. „Das bedeutet, der Investor muss für einen Neubau eine wesentlich höhere Miete verlangen, damit sich das Invest rechnet. Sanierung ist daher auch für die Mieter günstiger.“