Krefeld: 57 Fundtiere aus Krefeld im Moerser Tierheim

Quartalsbilanz des Tierheims : Krefelder Hähne im Moerser Tierheim

57 Fundtiere aus Krefeld sind seit Anfang des Jahres im Moerser Tierheim untergebracht worden. Die Krefelder Tierschützer kümmert sich derweil um Übergabetiere, aber auch um Fundtiere aus Bochum und Berlin.

(bk) Seit Anfang des Jahres ist der Tierschutzverein Moers und Umgebung für die Krefelder Fundtiere zuständig. Mit Ende des ersten Quartals haben die Tierschützer nun eine erste positive Bilanz gezogen. Aus Krefeld wurden 57 Tiere angenommen, davon 16 Hunde, 19 Katzen und 22 Kleintiere wie Kaninchen, Nymphensittiche, Prachtrosella, Wellensittiche, Ratten, Tauben und Zierhähne. Zurück an ihre Besitzer gingen 15 Tiere. Rund die Hälfte der Fundtiere wurde ins Tierheim gebracht, was bestätigt, dass den Findern das Wohl der Tiere am Herzen liegt und ihnen der Weg nach Moers nicht zu weit ist. „Wir haben viel positives Feedback für den transparenten Umgang mit den Tieren erhalten“, sagt Birgit Mühlberger, stellvertretende Vorsitzende des Vereins.

„Es freut uns, dass bis auf einen alle Hunde an ihre Halter zurückgeführt werden konnten. Die Hunde waren entweder ordnungsgemäß gechipt und registriert, oder sie wurden von den Haltern gesucht. Fehlte nur die Registrierung in ein Haustierregister, haben einige Halter dies dann auch direkt bei uns im Tierheim nachgeholt“, berichtet Mühlberger. Sie bedauert, dass es unter den Kleintieren und Katzen kein Tier gab, das mittels Chip identifiziert werden konnte. Nur eine Handvoll wurde von ihren Haltern wieder abgeholt. Mühlberger: „Was aus Tierschutzsicht noch schwerer wiegt: Die Anzahl der kastrierten Kater und Katzen war leider verschwindend gering.“

Durchaus prominent wurde Kater Obelix. Er kam in einem sehr kritischen Zustand nach Moers, den er ohne sofortige tierärztliche Behandlung nicht überlebt hätte. Nach zwei Klinikaufenthalten und dauerhafter medikamentöser Einstellung wurde er in einer beliebten WDR-Tiersendung vorgestellt und dadurch nach Köln vermittelt. „Es gehört leider aber auch zu unserem Alltag, zu akzeptieren, dass die Hilfe für einige wenige Tiere zu spät kommt oder wir sie nur noch von weiterem Leiden erlösen lassen können. Das bisher traurigste Ereignis war ein im Karton ausgesetztes Kaninchen, dass zu uns gebracht wurde. Nahezu die gesamte Gesichtshälfte war ein einziger Eiterherd. Tierquälerei muss nicht laut und offensichtlich brutal sein, ein Tier kann man auch misshandeln, indem man wegsieht, sich nicht kümmert und sich dann aus der Verantwortung zieht“, sagt Mühlberger.

Von den nicht abgeholten Tieren konnten fast alle bereits in neue Hände vermittelt werden. Nur noch das Zwergkaninchen-Duo Lucky und Luke sowie die Zwerghähne Gustav und Günther suchen ein artgerechtes Zuhause. Die Namen stammen von den Mitarbeitern des Tierheims. „Bei uns bekommt jedes Tier, das wir beherbergen, einen Namen“, sagt Nicole Kreuzmann vom Tierheim. Die Zwerghähne sind ein ungewöhnlicher Fund; erstmals wurden Exemplare dieser Art aufgenommen. Es sind Antwerpener Zwerghähne, erläutert Kreuzmann. Sie vermutet, dass die beiden Hähne von einem privaten Züchter ausgesetzt wurden. Es kann passieren, dass es in einer Zuchtgruppe zu unguter Rivalität zwischen Hähnen kommt, weil es schlicht zu viele Hähne gibt. „Beide Hähne sind gestutzt“, sagt Kreuzmann; eine Flucht durch Fliegen ist also ausgeschlossen; gestutzte Hähne können allenfalls ein bisschen herumflattern.

Auch im Krefelder Tierheim haben sich die Mitarbeiter an die geänderte Situation gewöhnt. „Wir haben derzeit ein Drittel weniger Tierbelegung. Das gibt den Pflegern Zeit, noch intensiver mit den Tieren zu arbeiten“, sagt Sprecher Dietmar Beckmann. Auch Fundtiere hat das Tierschutzzentrum am Flünnertzdyk aufgenommen. Allerdings kamen sie aus Bochum und Berlin. Dort hatten die Tierschutzvereine zu wenig Platz und wandten sich deshalb an die Kollegen aus Krefeld. „Die Tiere kamen mit ihren Pflegern in angemeldeten Tiertransporten. Das ist zwar nicht ideal, aber kein Problem“, erklärt Beckmann. Bislang fanden so zwölf Tiere aus anderen Städten ihren Weg nach Krefeld. Weitere Tiere aus Berlin, vor allem Hunde und Katzen, sollen demnächst kommen.

Geändert habe sich das Verhalten der Tierbesitzer, weiß Beckmann. War früher das Tierheim die erste Anlaufstelle, wenn man sich von seinem Tier trennen musste, werden heute gesunde und vor allem junge Tiere im Internet angeboten, gern auch gegen Geld. Kranke oder alte Tiere, die Tierarztkosten verursachen, landen weiter im Tierheim. „Das ist ein generelles Problem, das uns aber auch betrifft“, sagt der erfahrene Tierschützer.

Kurz vor der Vollendung sind die neuen Gebäude für Vögel, Kleintiere, Futter und ähnliches. Beckmann: „Wir haben also auch ohne Fundtiere viel zu tun und freuen uns, dass unser Zentrum auch weiterhin gut besucht ist.“

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