Krefeld: 3D-Ausstellung im Haus der Seidenkultur

Ausstellung im Haus der Seidenkultur : Das alte Crefeld lebt in 3D auf

Im Haus der Seidenkultur sind ab dem kommenden Wochenende restaurierte Dioramen aus dem Jahr 1961 zu sehen. Sie zeigen Szenerien aus Krefeld aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

Das Haus der Seidenkultur zeigt ab Sonntag 14 Dioramen. Die Schaubilder wurden für die Adventsfenster des Kaufhofs 1961 mit viel Liebe zum Detail hergestellt und zeigen Szenen aus dem historischen Krefeld. Aus Pappe und Sperrholz, aus Stoffen und Farbe, aus Holz und transparentem Papier sind die Bilder gemacht. Die großen Kästen gehen mit ihrer Tiefe in die dritte Dimension hinein. Daher wird die Ausstellung auch so genannt: „Krefeld in 3 D – wie es früher einmal war“.

Die Gestalter dieser 14 Bühnenstücke haben sich auf Darstellungen des 19. Jahrhunderts bezogen. Linn und Uerdingen, damals noch unabhängige Städte, sind vertreten. Und Krefeld mit dem heutigen Rathaus, am Ende des 18. Jahrhunderts als Stadtschloss von Conrad von der Leyen erbaut. Es zeigt einen hölzernen Vorbau: „Das war ursprünglich so“, weiß Ausstellungskurator Achim Wahl, der viel zu den Szenen nachgeschaut hat: „Ich habe viel gelernt.“ Der Pians-Turm am Ende der Evertsstraße wird hier inszeniert und die Umgebung der Alten Kirche. Vom Ende des 19. Jahrhunderts stammt das Kaiser-Wilhelm-Museum, das hier auch seinen Platz findet.

Olaf Richter, Leiter des Stadtarchivs, hat drei Beispiele dafür mitgebracht, wie detailgenau die Gestalter damals gearbeitet haben: Zwei Stiche und eine Fotografie sind deutlich in den Dioramen wiederzuerkennen. Die Fotografie zeigt die damals noch vorhandene Bebauung auf dem Platz vor der Alten Kirche, wo sich heute eine gepflasterte Fläche befindet. Das Diorama macht die Szene lebendig: Auf einem Sims liegt eine Katze, die Menschen sehen recht zufrieden aus. Das entspricht der schäbigen Wirklichkeit auf dem Foto nicht. Den Gestaltern waren offensichtlich die  schönen Aspekte der Stadt wichtig: „Man sieht das gute alte idyllische Krefeld – das auch seine Schattenseiten hat“, sagt Richter. Er nimmt die nachgebildeten Ausschnitte aus der Vergangenheit zum Anlass, zur Eröffnung ein paar Geschichten zu den Szenen zu erzählen. „Die Dioramen machen Appetit auf die Stadtgeschichte und darauf, weiterzufragen.“

Die Idee zur Ausstellung kam bei der vorvorigen auf. Als es um das „Kronprinzenviertel“ ging, war eines der Dioramen zu sehen. Die Besucher kamen ins nostalgische Schwärmen, denn für viele sind sie Kindheitserinnerungen – für welches Kind war es in den 60-er Jahren nicht Teil des Advents, sich von diesen Ausstellungen in den großen Kaufhäusern verzaubern zu lassen? Das können sie noch immer. Allerdings besteht Restaurierungsbedarf: Manche Gesichter dieser Figuren haben dunkle Flecken bekommen. „Das liegt an dem Material“, sagt Achim Wahl. Er hütet die fast quadratischen, 1,53 x 1,58 Meter großen und mehr als 50 Kilo schweren Stücke im Keller der Robert-Jungk-Gesamtschule. Für den Transport hat er eigens einen Schlitten mit dem Namen Pharao gebaut und die Elektrik der Schaukästen geprüft: Sie sind alle mit mehreren Leuchtstoffröhren versehen, die das Dreidimensionale einmal mehr betonen. „Das ist alles noch intakt“, sagt er.

Restaurator Achim Wahl und Stadtarchiv-Leiter Olaf Richter präsentieren die 3D-Munstwerke. Foto: Christian van Doorn
Letzte Hand wird an den kleinen Kunstwerken angelegt. Foto: Christian van Doorn

Für die Zukunft wünscht sich das Haus der Seidenkultur einen engagierten Krefelder oder ein Unternehmen, dass die Dioramen übernehmen möchte und sich vorstellen kann, sie zu restaurieren und auf Dauer auszustellen.