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Krefeld: 2021 steigen Preise für Strom und Gas

Krefeld : 2021 steigen Preise für Strom und Gas

Die neue Steuer für Kohlendioxid (CO2) sorgt für steigende Preise der Stadtwerke Krefeld beim Gas, höhere Netzentgelte für einen drastischen Anstieg der Grundgebühr beim Strom um 32 Prozent. SWK-Vorstand Carsten Liedtke kritisiert den geringen Handlungsspielraum für die Energieversorger. Die Politik greife immer stärker in den Markt ein und reguliere die Preise.

Die Stadtwerke Krefeld müssen ihre Preise für Strom und Gas anpassen. Das teilte Vorstand Carsten Liedtke am Freitag in einer Videokonferenz mit. Preistreiber seien im  konkreten Fall die gestiegenen Netzentgelte und die neue CO2-Steuer. Die Preise für das Trinkwasser bleiben hingegen stabil und sind damit bereits das siebte Jahr in Folge konstant.

„Um die Stromnetze für die Integration der erneuerbaren Energien auszubauen, sind Investitionen der Netzbetreiber notwendig. In der Folge steigen die Netznutzungsentgelte“, sagte Liedtke.  Das führe im Ergebnis dazu, dass die SWK die Strompreise in der Grundversorgung anpassen müssen. Der Arbeitspreis werde aufgrund der leicht gesunkenen Steuern und Abgaben entsprechend von 30.53 Cent/kWh brutto gesenkt auf 30,27 Cent/kWh brutto. Der Grundpreis hingegen werde wegen der gestiegenen Netzentgelte um 35,70 Euro/Jahr brutto auf dann 147,27 Euro angehoben. Das ist ein Anstieg um 32 Prozent. Für einen durchschnittlichen Haushalt in der Grundversorgung mit einem Verbrauch von 1800 Kilowattstunden bedeutet dies eine monatliche Mehrbelastung von etwa 2,60 Euro.  

Die Grundversorgungs-Kunden erhalten mit dem Schreiben zur Preisanpassung die Möglichkeit, in ein SWK-Stromprodukt zu wechseln und einen 24-Monats-Vertrag mit Preisgarantie abzuschließen. Das ist günstiger als der neue Grundversorgungspreis. Diejenigen Kunden, die ein solches Produkt bereits beziehen – „meinKLASSIK“ oder „meinDIREKT“ - profitieren bis zum Auslaufen der Preisgarantie von den derzeit gültigen Preisen. Dies ist zu individuell unterschiedlichen Zeitpunkten der Fall.  

Neben Steuern und Abgaben seien auch die Netznutzungsentgelte ein großer Kostenblock auf der Stromrechnung. Diese stiegen seit Jahren kontinuierlich an. Das Entgelt für Stromtransport und Messung sei gesetzlich reguliert und werde von den Netzbetreibern erhoben. Es mache rund ein Viertel des Strompreises für Privathaushalte aus, berichtete Liedtke. Auch 2021 sei bei den Netzentgelten keine Entlastung in Sicht, denn die Anforderungen an den Netzausbau und die Integration erneuerbarer Energien seien unvermindert hoch, so der Vorstandssprecher.

Die Netzentgelte beim Gas bleiben in 2021 etwa auf dem Vorjahresniveau, lägen tendenziell sogar leicht darunter. Allerdings werde durch die Bundesregierung eine CO2-Abgabe eingeführt. Der Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid müsse in den nächsten Jahren deutlich sinken, um die gesetzten Ziele der Bundesregierung (Stichwort Klimapaket) bis 2030 zu erreichen. Die neue Abgabe solle bezwecken, dass die negativen Auswirkungen der Emissionen durch einen Preis abgegolten und verringert würden. Sie werde auf Benzin, Diesel, Heizöl und Gas je nach CO2-Ausstoß ab Januar 2021 erhoben. Der Preis für die Belastung für eine Tonne CO2 betrage 25 Euro und werde in den Folgejahren schrittweise steigen, erklärte Liedtke.  

Fossile Energieträger wie Öl und Gas, mit denen viel CO2 ausgestoßen werde, würden teurer. „Beim Erdgas entstehen Mehrkosten in Höhe von ca. 0,54 Cent/kWh brutto. Diese Kosten erhebt die SWK beim Verbraucher und reicht die neue Abgabe an den Staat weiter. Die leicht gesunkenen Netznutzungsentgelte werden von der SWK ebenfalls berücksichtigt und dieser Vorteil an den Kunden weitergegeben. Für einen typischen Haushalt in der Grundversorgung mit einem Jahresverbrauch von 19.000 kWh Erdgas bedeutet dies am Ende Mehrkosten von rund 8,20 Euro im Monat“, erläuterte der SWK-Vorstand. Auch diejenigen, die ein Gasprodukt mit fester Laufzeit von der SWK beziehen, bekommen in Kürze eine Preisanpassung. „Denn gestiegene Steuern und Abgaben sind von der Preisgarantie ausgenommen“, betonte Liedtke. 

„Steuern und Abgaben sind nicht nur dazu da, die Kassen der öffentlichen Hand zu füllen, sie sollen auch das Verhalten von Menschen in eine bestimmte politische Richtung lenken. Unter diesem Aspekt ist auch die neue CO2-Abgabe zu sehen. Damit soll bei Verbrauchern ein Anreiz geschaffen werden, klimaschonende Technologien zu verwenden und Heizenergie effizienter und umweltfreundlicher zu nutzen“, erklärte  Liedtke. Gas bleibe daher auch künftig die bessere Alternative, da die Belastung den Heizölpreis deutlich stärker betreffe aufgrund der höheren CO2-Emissionen.

Die Stadtwerke Krefeld stünden vollkommen hinter der Energiewende. Und die Tatsache, dass etwa 78 Prozent des konzernweit eingekauften Stroms aus erneuerbaren Energien stamme, zeige, dass auch die Kunden an einer umweltbewussten und nachhaltigen Energieversorgung interessiert seien. „Aber“, mahnt Carsten Liedtke, „bei den Kosten für den Ausbau der erneuerbaren Energien und den Ausbau der erforderlichen Netzinfrastruktur, ist dringend mehr Augenmaß erforderlich, um die Belastungen für die Bürger auf ein verträgliches Maß zu begrenzen.“ Schon jetzt bestünden knapp 80 Prozent des Strompreises aus Steuern und Abgaben sowie den regulierten Netznutzungsentgelten. Beim Gaspreis falle diese Quote mit 50 Prozent zwar geringer aus, doch die jetzt neu eingeführte CO2-Steuer dürfe nicht dazu führen, dass der Staat auch hier noch mehr regulatorisch eingreife, so Liedtke abschließend.