Krefeld: 1772 i-Dötzchen warten auf eine Zusage

Schulen in Krefeld: 1772 i-Dötzchen warten auf eine Zusage

Rund 47 Familien müssen mit einer Abweisung an der Wunsch-Grundschule rechnen. Am Dienstag tagt der Schulausschuss.

In der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung (BZV) Mitte zeigten sich die Bezirksvertreter aller Parteien entsetzt darüber, dass die Stadt bisher noch keine rechtliche Grundlage hat, Eltern von angehenden Erstklässlern darüber zu informieren, ob sie an ihrer Wunsch-Grundschule angenommen werden oder eben nicht. Bevor die entsprechenden Benachrichtigungen verschickt werden können, so die Auskunft des Schulamtes, müssen neuerdings alle neun Bezirksvertretungen über die vom Schulamt geplante Verteilung der Schüler auf die Grundschulen, deren Einzugsgebiet in dem Bezirk der Vertretung liegt, informiert werden. Im Behördendeutsch heißt das Papier, das befürwortet werden muss: "Festlegung des Aufnahmerahmens für die bezirksbezogenen städtischen Grundschulen zum Schuljahr 2018/ 19".

SPD-Bezirksvertreter Julian Seeger schilderte in der Sitzung eindrücklich, wie sehr diese Unsicherheit Familien belastet. "In der Einrichtung, in der ich arbeite, ist ein Kind, das wahrscheinlich nicht an seiner Wunsch-Grundschule angenommen wird. Trotzdem war es jetzt zum Eingangsparcours dieser Schule eingeladen und hat sich dort sehr wohl gefühlt. Wie soll ich diesem Kind sagen, dass es nicht zu dieser Schule gehen kann, sondern in eine andere Schule gehen muss, die es gar nicht kennt."

Verunsicherte Eltern rufen in Grundschulen an

CDU-Bezirksvertreterin Stefanie Neukirchner bestätigte aus, dass täglich verunsicherte Eltern in Grundschulen anrufen. Sie findet den Zeitpunkt für eine Benachrichtigung ebenfalls deutlich zu spät und würde sich wünschen, wenn dies wieder geändert würde. Dem stimmten die anwesenden Vertreterinnen des Schulamtes zu, die ebenfalls die aktuelle Situation als nicht optimal beschrieben.

Hintergrund der Debatte ist ein Vorfall in Hüls. Dort war vor einem Jahr gegen den Elternwunsch vom Schulamt entschieden worden, dass die Grundschule an der Burg trotz entsprechender Anmeldezahlen und vorhandenem Platz keine weitere Eingangsklasse eröffnen durfte. Sie musste die Schüler abweisen, die dann an der Astrid-Lindgren-Schule eingeschult wurden. Bezirksvorsteher Hans Butzen versuchte zu vermitteln. Ohne Erfolg. "Die Art und Weise, wie von Seiten des Schulamtes Druck auf die Leitung der Schule an der Burg ausgeübt wurde, war nicht zu tolerieren. Eine Mitsprache der Bezirksvertretung wurde rundweg abgelehnt. Daraufhin habe ich den Rechtsweg eingeschlagen und prüfen lassen, ob eine Beteiligung der Bezirksvertretungen bei der Festlegung der Zügigkeit von Schulen, die im Bezirk dieser Vertretung liegen, vorgesehen ist. Das Rechtsamt hat bestätigt, dass dem so ist. Deshalb werden nun die Bezirksvertretungen über die Verteilungen der Eingangsklassen informiert", schildert Butzen den Fall.

Er wehrt sich jedoch gegen die Behauptung, die späten Zu- oder Absagen seien eine Folge seines Handelns. "Die Verwaltung hätte meines Erachtens die Zahlen bereits in frühere BZV-Sitzungen einbringen können. Es gibt außerdem die Möglichkeit eines Dringlichkeitsbeschlusses, um Sachen voranzutreiben."

Familien aus Oppum besonders betroffen

Besonders betroffen sind Familien in Oppum. Für 13 Kinder, die an der Geschwister-Scholl-Schule angemeldet sind, wird sich der Schulwunsch nicht erfüllen: Mit 69 Anmeldungen ist die Aufnahmekapazität der Schule weit überschritten, das ist der größte Anmelde-Überhang aller Grundschulen im Stadtgebiet. Maximal 56 Erstklässler können aufgrund der räumlichen Gegebenheiten am Fungendonk eingeschult werden. Erst mit dem geplanten Neubau, der in den kommenden Jahren, wie berichtet, realisiert wird, wird sich die Lage entspannen. Die notwendigen Abweisungen werden nach gesetzlich festgelegten Kriterien erfolgen, zuallererst nach der Länge des Schulwegs. Auch die Frage, ob bereits Geschwisterkinder an der Schule unterrichtet werden, soll möglichst berücksichtigt werden, ist aber keine Garantie, an derselben Schule einen Platz zu erhalten. Freie Kapazitäten mit 18 Plätzen gibt es in Oppum noch an der Schönwasserschule.

Für Familien ist die Warterei kräftezehrend. Viele angehende Erstklässler freuen sich auf die neue Schule, haben bereits Schulgebäude und Mitschüler kennengelernt. In den Kindertagesstätten ist der Schulstart ebenfalls Dauerthema. Stolz präsentieren die Vorschulkinder ihre Ranzen und besprechen, mit welchem Freund sie in eine Klasse kommen wollen.

Mutter Ayse Hasanoglu hofft deswegen inständig, dass ihr Sohn auf seiner Wunsch-Grundschule angenommen wird. "Emir freut sich schon so sehr darauf, auch weil bereits sein Bruder dort ist und er viele Kinder und Lehrer kennt. Es wäre ganz schlimm, wenn eine Ablehnung käme. Für uns würde es erheblich mehr Aufwand bedeuten, die Kinder zu zwei Grundschulen bringen zu müssen, und mein Sohn wäre völlig demotiviert und würde sich wahrscheinlich verweigern."

Die Stadt Krefeld antwortete auf eine Anfrage unserer Zeitung zur zeitlichen Verzögerung: "Die Bezirksvertretungen sind bei der Bildung der Eingangsklassen bezirksbezogener Schulen anzuhören. Angesichts dieser rechtlichen Bewertung muss die Klassenbildung in den neun Bezirksvertretungen jeweils nach Zuständigkeit beraten werden, bevor der Schulausschuss die abschließende Entscheidung treffen darf. Die dadurch bedingte Verzögerung im Verfahren ist nicht vermeidbar, es sei denn, die Bezirksvertretungen verzichten selbst auf ihr Anhörungsrecht."

(RP)