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Krefeld: 130 Stadtkräfte ziehen ins alte Bankgebäude

Am Ostwall in Krefeld : 130 Stadtkräfte ziehen ins alte Bankgebäude

2011 ist die Commerzbank aus dem Gebäude am Ostwall ausgezogen. Seitdem wechselten häufig die Eigentümer der Immobilie. Nun haben Arbeiten am Objekt begonnen. Eine neue Nutzung ist gefunden. Die Stadt selbst will mit rund 130 Mitarbeitern aus der Verwaltung einziehen. Die Politik hat einem Mietvertrag für die Dauer von zehn Jahren zugestimmt.

Es gab Zeiten, da gehörte das frühere Bankgebäude am Ostwall 101-107 zu einem im schottischen Aberdeen verwalteten Immobilienfonds. Später kaufte es ein bayerisches Familienunternehmen und weniger als ein Jahr später ein Interessent aus Siegen. Jetzt scheint die Odyssee beendet. Die Stadt will mit den Beschäftigten des Fachbereichs Jugendhilfe und Beschäftigungsförderung dort einziehen. Der Mietvertrag soll für einen Zeitraum von zehn Jahren gelten. Eine Option für weitere fünf Jahre soll möglich sein.

Zuerst müssen die Räumlichkeiten für die Nutzung der Stadtverwaltung hergerichtet werden. Zum Mietumfang zählen 3800 Quadratmeter in drei Vollgeschossen sowie im Keller. Hinzu kommen 40 Stellplätze in der Tiefgarage sowie sechs weitere im Freien. Am alten Standort des Fachbereichs 51 aus dem Dezernat des Beigeordneten Markus Schön im Rathaus am Von-der-Leyen-Platz stünden keine Büros für zusätzliche Mitarbeiter mehr zur Verfügung, heißt es. „Die Verhandlungen zum Mietvertrag befinden sich kurz vor dem Abschluss“, erklärte Stadtsprecher Dirk Senger auf Anfrage unserer Redaktion.

De Krefelder Bauaufsicht liege seit einigen Monaten ein Bauantrag zur brandschutztechnischen Ertüchtigung und Neuaufteilung des Dachgeschosses vor. Das Beteiligungsverfahren sei noch nicht abgeschlossen. Die ausstehenden Stellungnahmen würden voraussichtlich kurzfristig eingehen, so dass auch die Baugenehmigung sehr zeitnah erteilt werden könne, informierte der Sprecher.

Im Moment zeugt ein Baugerüst von bevorstehenden Aktivitäten. „Bei den aktuell vor Ort durchgeführten Maßnahmen wird aktuell eruiert, ob diese genehmigungsfrei oder -pflichtig sind. Sollten bislang auch genehmigungspflichtige Arbeiten durchgeführt worden sein, werden diese so lange untersagt, bis die abschließende Baugenehmigung vorliegt“, kommentierte der Stadtsprecher den aktuellen Stand.

Wenige hundert Meter Luftlinie entfernt will die Stadt ebenfalls ein neues Verwaltungsquartier einrichten. Im C-&-A-Komplex war vorübergehend die Sparkasse Krefeld untergebracht. Nachdem der Neubau am Forum Krefeld auf der gegenüberliegenden Straßenseite fertiggestellt war, sind die Mitarbeiter dort in ihre neuen Räume ausgezogen. Nunmehr freut sich die Erwe Immobilien AG darüber, dass die Stadt Krefeld Mitarbeiter der Unteren Denkmalbehörde sowie des Fachbereichs Sport und Sportförderung dort unterbringen will. Dazu ist geplant, 3400 Quadratmeter Nutzfläche für einen Zeitraum von zehn Jahren zu mieten. Auch dort soll eine Option über eine Verlängerung um fünf Jahre vereinbart sein.

Über die Mietkonditionen ist nichts bekannt. Eine Kaltmiete von sieben Euro pro Quadratmeter unterstellt, summieren sich die Mieten auf mehr als 600.000 Euro jährlich und mehr als sechs Millionen Euro zuzüglich Nebenkosten über die Vertragslaufzeit betrachtet.

Das geplante Vorhaben der Stadtverwaltung mit den beabsichtigten Vertragslaufzeiten mache eines mehr als deutlich, erklärte Joachim C. Heitmann auf Anfrage unserer Redaktion. Der Traum vom zentralen Verwaltungsneubau auf dem Theaterplatz, den einige in Politik und Verwaltung hegten, sei nicht mehr als ein bunter Luftballon. Der Abriss des Seidenweberhauses, eine Planung und Neubebauung sei in absehbarer Zeit nicht zu erwarten. Außerdem sei sehr fraglich, wie sich die finanzielle Situation der Stadt Krefeld entwickele und ob sich die Kommune einen zentralen Verwaltungsneubau in der Innenstadt überhaupt zu leisten vermöge, gibt der FDP-Fraktionsvorsitzende zu bedenken. Nach seiner Einschätzung werde der nächste Stadtrat in der gesamten Legislaturperiode diesbezüglich zu keinem Ergebnis kommen.

Dabei dürfe man nicht vergessen, dass das nicht mehr genutzte denkmalgeschützte Stadthaus am Konrad-Adenauer-Platz weiterhin Kosten für den Unterhalt verursache, sagte Heitmann. Ein Käufer sei nach seinem Eindruck nicht in Sicht. Die Verpflichtung der Stadt zum Erhalt des von Stararchitekt Egon Eiermann gebauten Denkmals hingegen bleibe bestehen.

Zurück zum Ostwall: Das Bank- und Bürohaus am Ostwall befindet sich planungsrechtlich in einem Kerngebiet. Das heißt, dort sind Spielhallen und ähnliche Nutzungen verboten. Das Gleiche gilt für Nachtbars und Lokale mit Striptease und Filmvorführungen, Sex-Kinos und Videokabinen. „In den Kerngebieten sind oberhalb des Erdgeschosses Wohnungen allgemein zulässig“, berichtete Stadtsprecher Dirk Senger seinerzeit.

Für weite Innenstadtbereiche gilt die bauliche Umgebung als Maßstab für die Zulässigkeit eines Vorhabens. Die zum Teil sehr alten Bebauungspläne erfüllen nicht mehr die erforderlichen Mindestfestsetzungen des Baugesetzbuches in der aktuell gültigen Fassung, dürfen also nicht mehr hinzugezogen werden.