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Krefeld: 100 Kinder bei Verkehrsunfällen verletzt

Initiative „Krefelder Fairkehr“ : 100 Kinder bei Verkehrsunfällen verletzt

Bei der Ursachenforschung geht die Stadt neue Wege. Um die Verkehrsunfälle sowie Wege der Kinder besser zu analysieren, wird ein gemeinsames Forschungsprojekt mit der Bergischen Universität Wuppertal ins Leben gerufen.

100 Kinder sind im vergangenen Jahr bei Unfällen auf Krefelds Straßen verletzt worden –  84 leicht, 16 schwer. 2018 lag die Zahl noch bei 73. „Das ist das ein schockierendes Ergebnis“, erklärt Michael Hülsmann, Radverkehrsbeauftragter der Stadt Krefeld und Geschäftsführer des Arbeitskreises Verkehrssicherheit für Kinder. Seit Jahren setzt sich die Initiative „Krefelder Fairkehr“ von Stadt, Polizei und Verkehrswacht für die Verbesserung der Verkehrssicherheit für Kinder ein. Jetzt legten die Vertreter die Verkehrsunfallbilanz für 2019 vor. Bestürzt über die Entwicklung zeigt sich die neue Leiterin der Polizeidirektion Verkehr, Verena Fischer: „Besorgniserregend ist, dass zahlreiche Kinder selbst im vierten Schuljahr gar nicht die motorischen Fähigkeiten haben, sicher auf einem Fahrrad zu fahren“, so die Expertin. „Die Mädchen und Jungen sind so damit beschäftigt, die Balance auf dem Fahrrad zu halten, dass sie sich nicht gleichzeitig auch auf den Verkehr konzentrieren können. Spätestens bei der Radfahrprüfung werden diese Defizite sichtbar.“ Übrigens: Die Stadtverwaltung sieht sich mit Blick auf den teilweise desolaten Zustand der Krefelder Straßen nicht in der Verantwortung. „Ein Zusammenhang zwischen steigenden Unfallzahlen bei Kindern und der Qualität des städtischen Straßen- und Fahrradnetzes gibt es nicht“, versichert Hans Hamestuk vom Fachbereich Stadt- und Verkehrsplanung.

Klassische Brennpunkte, an denen Kinderunfälle verstärkt auftreten, gibt es nach Aussage von Hülsmann in Krefeld nicht. „Allerdings zeigt die Statistik, dass in Bockum, Traar oder Gellep-Stratum keine Unfälle mit verletzten Kindern zu verzeichnen sind. Dagegen ist klar erkennbar, dass die Hauptschwerpunkte im südlichen Innenstadtbereich und in Fischeln liegen.“

Bei der Ursachenforschung geht die Stadt ab sofort neue Wege. Um die Verkehrsunfälle sowie Wege der Kinder besser zu analysieren, wird ein  gemeinsames Forschungsprojekt mit der Bergischen Universität Wuppertal ins Leben gerufen. Es soll unter anderem die Freizeitmobilität von Kindern in der Stadt untersucht werden. Durch Befragungen an Schulen möchte die Verwaltung herausfinden, wie Kinder in der Freizeit zu ihren Zielen gelangen: Werden die Wege noch eigenständig – zu Fuß oder mit dem Rad – zurückgelegt? Werden Kinder heutzutage überwiegend gebracht und wieder abgeholt? Welche Aktivitäten haben Kinder in ihrer Freizeit? Werden der öffentliche Straßenraum, Wege oder Plätze noch zum Spielen genutzt? Sind Kinder noch körperlich aktiv und mobil oder grenzen PC und Smartphone die zurückgelegten Wege deutlich ein?

Verena Fischer, Leiterin der Polizeidirektion Verkehr, und Michael Hülsmann, Geschäftsführer des Arbeitskreises Verkehrssicherheit für Kinder Foto: Joachim Nießen/Joachim Niessen

Von den 100 verletzten Kindern nahmen nach Auskunft der Statistiker 68 aktiv (auf der Straße) sowie 32 passiv (zum Beispiel als Mitfahrer im Auto) am Verkehr teil. Schon länger sind Elterntaxis der Polizei ein Dorn im Auge. Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa aus dem Jahr 2018 (erstellt im Auftrag von Cosmos Direkt) wird inzwischen jedes fünfte Kind zwischen sechs und neun Jahren zur Schule gefahren. Lediglich zehn Prozent der Kinder würden demnach mit dem Fahrrad fahren und nur 17 Prozent den Bus nehmen.

Auch beim Fußweg gelten besondere Vorsichtsmaßnahmen. Kinder sind klein, mit sechs Jahren zwischen 1,10 und 1,28 Meter groß. „Sie können nicht über parkende Autos hinwegsehen“, warnt Verena Fischer. „Umgekehrt können andere Verkehrsteilnehmer Kinder zum Beispiel auf dem Gehweg oft nicht sehen, sondern erst, wenn sie zwischen parkenden Autos auf die Fahrbahn treten.“

In den dunklen Wintermonaten steigt die Gefahr im Straßenverkehr weiter. Im Januar (9) und Februar (11), aber auch im November (8) liegt die Zahl der verletzten Kinder über dem Durchschnitt. „Es ist wichtig, dass Kinder schon von Weitem gesehen werden“, betont Joachim Wichmann, Mitglied der Verkehrswacht Krefeld. Den besten Schutz bietet retroreflektierende Kleidung. Sie wirft einfallendes Licht weithin sichtbar zurück und wird auf eine Entfernung von 130 bis 160 Metern gesehen.