Krefeld: Krawattenpflicht für Lehrer

Krefeld: Krawattenpflicht für Lehrer

Vor Beginn des Dritten Punischen Krieges soll Senator Cato am Schluss jeder Senatssitzung die Zerstörung Karthagos gefordert haben. Unabhängig vom Thema der Sitzung sagte er dann seine berühmten Worte: Ceterum censeo Carthaginem esse delendam; im Übrigen bin ich dafür, dass Karthago zu zerstören ist. Ein schönes Debatten-Muster, dem wir ausnahmsweise zu folgen gedenken. Reden wir also zunächst und vor allem über die politische Top-Nachricht Krefelds: Kämmerer Manfred Abrahams geht nach Düsseldorf.

Der Wechsel trifft die Stadt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Abrahams kennt den Rat, kennt die Akteure, weiß, was mit wem machbar ist. Umgekehrt kennen auch die Ratsmitglieder ihn, wissen, wo sie ihm folgen und – allen Unkenrufen zum Trotz in der Politik ein Faktor – trauen können. Das wären alles in allem nicht die schlechtesten Voraussetzungen, um den brutalen Sparkurs einzuschlagen, den der Rat einschlagen muss – eine Aufgabe, um die die Kommunalpolitiker nicht zu beneiden sind, denn: Viel schöner als das Streichen von Geld ist das Verteilen von Geld (im übrigen könnte das glatt eine römische Senatsweisheit sein). Abrahams Nachfolger muss alles auf einmal leisten: den Sparkurs vertreten; die unterirdischen Fronten und Verbindungslinien im Rat kennen lernen; den Bauch seiner Verwaltung erkunden; für Vertrauen werben, ohne sich den Schneid abkaufen zu lassen; überhaupt: Krefeld verstehen. Der Neue hat keine Zeit zum Einleben; er fängt im kalten Wasser bei Windstärke acht an. Man muss ihm Fortune wünschen; auch für Krefeld.

Im übrigens sollte man darüber nachdenken, die Krawattenpflicht für Lehrer einzuführen. Sieht einfach würdiger aus. Familiarität in der Schule ist ja schön und gut; ein Schuss äußerliche Förmlichkeit mag aber mit zu einer Kultur des Respekts beitragen, deren Schwinden gerade Lehrer nicht selten beklagen.

(RP)