Unterstützung auch von der Formel 1: Kraftschub aus Krefeld für E-Kart-Rennfahrer

Unterstützung auch von der Formel 1 : Kraftschub aus Krefeld für E-Kart-Rennfahrer

Premiere ist am kommenden Wochenende auf der Rennstrecke im bayerischen Ampfing. Dort findet der Auftakt zur ersten Deutschen Elektrokart Meisterschaft statt. Mit am Start ist der Niederrheiner Alexander Siegers und als Sponsor des vielversprechenden Talents das Krefelder Unternehmen MicroCirtec. Der Betrieb produziert passenderweise Träger für elektronische Bauteile - bleibt also der Elektronikbranche treu.

Das Aufsehen in der Rennsportszene ist groß. Selbst Formel-1-Stars wie Filipe Massa (Ferrari und Williams) unterstützen die erste Deutsche Elektro-Kart-Meisterschaft (DEKM). Doch aller Anfang ist auch schwer. Die geplante Premiere in Wackersdorf fiel ins Wasser, wurde abgesagt, weil einige Bauteile in den flotten Flitzern nicht reibungslos funktionierten.

Alexander Siegers trainiert zu Hause am Renn-Simulator. Foto: Knappe

In Krefeld bei MicroCirtec bleiben die Verantwortlichen gelassen. Sie sind zwar Branchenspezialisten für Trägerplatten elektronischer Bauteile, in Wackersdorf allerdings auf ihre Rolle als offizieller Sponsor für den erst 17-jährigen Alexander Siegers beschränkt. In diesem Monat haben der Nachwuchspilot aus Niederkrüchten und die Firma an der Oberdießemer Straße ihre Partnerschaft vertraglich vereinbart. Siegers ist eines von insgesamt 18 jungen Talenten, die sich für die erste Deutsche Elektro-Kart-Meisterschaft qualifizieren konnten. Im E-Kart ist er nicht weniger rasant unterwegs als im Benziner: Das Elektromobil beschleunigt von 0 auf 100 Kilometer in der Stunde (km/h) in 3,5 Sekunden und schafft eine Spitzengeschwindigkeit von 130 km/h.

Die MicroCirtec GmbH ist Hersteller von Leiterplatten, die in der Elektronikindustrie und der Automobilindustrie eingesetzt werden. Das Kundenspektrum des Unternehmens ist breit gefächert und in den unterschiedlichsten Branchen der Elektronikindustrie vertreten. Deren Produkte sind in gewaltigen Windrädern renommierter Windkraftanlagenbetreiber ebenso zu finden, wie in Kraftfahrzeugen, LED-Leuchten oder Radios. Vielfältige Leiterplatten werden mit insgesamt 75 Beschäftigten in eigener Produktion hergestellt. Sie werden erfolgreich in der Industrie- und Medizinelektronik, Telekommunikation, Unterhaltungselektronik, Bahntechnik, Luft- und Raumfahrt sowie Automobiltechnik eingesetzt.

Daher liegt es für das Unternehmen nahe, den talentierten Kartfahrer Siegers bei der bedeutsamen Rennserie zu fördern: Der weltweit ersten komplett elektrisch betriebenen Kart-Meisterschaft, die damit zu einer bahnbrechenden Alternative in der Zukunft des Motorsports werden kann.

Diese umweltfreundliche Rennserie zeichnet sich durch batteriebetriebene Antriebe aus, die elektrisch aufgeladen werden und daher keinerlei schädliche Emissionen ausstoßen. Bei Testfahrten stellte Siegers sich erstaunlich schnell auf die ungewohnte Fahrweise des Karts ein und fand sich ebenso schnell mit dem neuen Elektroantrieb zurecht. Bereits nach wenigen Runden fuhr Siegers Bestzeiten und kann mit diesen Ergebnissen dem ersten offiziellen Rennen positiv entgegensehen. "Wir freuen uns auf eine elektrisierende Rennsaison mit Alexander Siegers", erklärte Firmenchef und Geschäftsführer Andreas Brüggen, Sohn der Firmengründer Manfred und Hildegard Völker.

Siegers ist ein aufstrebender Kart-Rennfahrer. Der 17-Jährige steht kurz vor der größten Herausforderung seiner noch jungen Karriere: In wenigen Tagen geht er in Ampfing an den Start. "Das ist die weltweit erste Meisterschaft auf elektronisch betriebenen Karts", sagt der Elftklässler der Gesamtschule Brüggen. Ferner stehen erst einmal drei weitere Rennen in Kerpen, Oschersleben und im belgischen Genk an. Über Ersatz für Wackersdorf wird noch nachgedacht.

Siegers liebt nicht nur den Adrenalinschub mit Tempo, Überholmanövern und atemberaubenden Finishs. "Ich mag alles, was mit Technik und Motoren zusammenhängt", sagt der Blondschopf. In der heimischen Garage hat er eine Werkstatt, in der er auch gerne mal sein Motorrad SWM-125 in Einzelteile zerlegt. "Ich bin der Einzige in der Familie, der so motorvernarrt ist", sagt der Schüler, dessen Eltern und Großeltern eher musisch veranlagt sind. Sein vier Jahre älterer Bruder studiert in Bonn Ernährungswissenschaft. "Ich möchte auch studieren, bin aber hin und her gerissen, ob ich eher in der Schrauberszene oder im Bankwesen zu Hause sein will."

Doch zunächst steht die Saison an, auf die sich der 1,88 Meter große Jugendliche riesig freut. Seine Größe - ungewöhnlich für einen Rennfahrer - ist für ihn kein Hindernis: "Ich habe lange Beine und kann das Gewicht im Kart perfekt verteilen."

Sein Talent entdeckte er spät. Als er in die siebte Klasse zur Gesamtschule wechselte, lernte er dort die Rennfahrerin Lisa-Marie Mohr kennen. Sie zeigte ihm die Bahn in Kerpen, wo Siegers seinen Mentor und heutigen Trainer Thorsten Glitzenhirn traf. Bereits beim ersten Rennen 2015 - es regnete in Strömen - wurde sein Talent deutlich. "Ich landete auf Anhieb im Mittelfeld", erinnert er sich an die Anfänge im Team von RTG Kartsport. Kontinuierlich fuhr er sich an die Spitze der deutschen Kartfahrer, so dass die Qualifikation für die DEKM eine logische Konsequenz ist.

Den Wechsel aufs Elektro-Kart findet er spannend. "Dieser umweltfreundlichen Technik - siehe Tesla - gehört die Zukunft." Allerdings erfordert der Elektroantrieb eine völlig andere Herangehensweise als der Benziner. Es gibt nur einen Gang und eine Art Automatik-Getriebe. "Es ist meine Stärke, dass ich mich schnell auf neue Begebenheiten einstelle", ist Siegers zuversichtlich. Der 17-Jährige weiß sehr wohl, dass alle großen Rennfahrer von Nico Rosberg bis Sebastian Vettel im Kart ihre ersten Runden gedreht haben. Aber er ist nicht so vermessen zu glauben, dass der Formel-1-Zirkus das allein Seligmachende ist. "Hauptsache Rennen fahren und mit Motoren umgehen. Die Formel E interessiert mich auch", sagt er.

(sti)
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