Kolumne KR wie Krefeld Wir sind schon seltsame Tierfreunde

Krefeld · Das Tierheim schlägt Alarm, weil es immer mehr Haustiere aufnehmen muss – die Rede ist auch von Katzen, die nur noch verängstigt und aggressiv auf Menschen reagieren. Etwas stimmt nicht im Verhältnis von Mensch und Haustier.

 Jens Voss

Jens Voss

Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

In unserem Interview mit dem Leiter des Krefelder Tierheims ist Bestürzendes zur Sprache gekommen. Da war etwa von einer Katzenschwemme die Rede und von Katzen, die Menschen nicht mehr an sich rankommen lassen – und zwar bestimmt nicht, weil sie gute Erfahrungen mit unserer Spezies gemacht haben. Der Befund ist traurig: Auf der einen Seite gibt es eine Art von Verkitschung der Tierwelt mit einem extrem hohen Maß an Sentimentalität; siehe die Disney-Welt oder unser Sprachgebrauch: Unsereiner hat in seiner Ausbildung gelernt, dass Tiere verenden und Menschen sterben. Heute sterben auch Tiere, der Begriff hat sich eingebürgert und spiegelt wider, wie viel Haustiere Menschen bedeuten können. Dagegen ist ja auch nichts einzuwenden. Problematisch ist, wenn der Gefühlsüberschwang nicht gepaart ist mit Verantwortung und Wissen über die Lebewesen, die man sich ins Haus geholt hat. Dann offenbart sich oft die hässliche Seite von Sentimentalität: Sie verpufft, übrig bleibt Kälte gegenüber dem Tier.