Kolumne KR wie Krefeld: Hoffnung für Haus Ritte

Kolumne KR wie Krefeld : Hoffnung für Haus Ritte

Regelungen über Autostellplätze bedrohen ein Lokal, das vor allem von Radfahrern lebt. Wir laden ein zu einer Audienz bei St. Bürokratius. Die gute Nachricht ist: Es gibt noch Hoffnung für Haus Ritte.

Noch ist Haus Ritte nicht verloren. Dies ergab eine Nachfrage bei der Stadt. Oberbürgermeister Frank Meyer will die Verwaltung erneut prüfen lassen, ob es nicht doch einen Weg gibt, den Betrieb weiter zu ermöglichen.

Generell ist die Stadtverwaltung in diesem Fall der falsche Adressat für Beschimpfungen von St. Bürokratius. Die Regelungen dazu sind Landessache und stehen nach Auskunft der Stadt in der Bauordnung NRW. Traurig bleibt’s, zumal die Regelungen, je mehr man sich damit beschäftigt, wenig einleuchtend sind. Eine Leserin hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass in Krefeld-Benrad ein Heim mit 80 Pflegeplätzen entsteht. Dieser stattliche Betrieb, der von Besuchern wie Mitarbeitern sicher überwiegend mit dem Auto angesteuert wird, muss sage und schreibe elf Stellplätze für Pkw vorhalten (die Stadt hat dies bestätigt). Der Traarer Gastroniemiebetrieb, der ironischerweise auf Radfahrer abhebt, muss 22 Stellplätze vorweisen. Wie passt das zusammen?

Auch die Regelung der Ablöse pro Stellplatz ist bei näherer Betrachtung sinnfrei, sieht man davon ab, dass Gebühren für den, der sie erheben darf, erhebend sind. Mit Verlaub: Gäbe es ein echtes Verkehrsproblem, wäre es nicht gelöst, wenn jemand ein Scheckbuch zieht. Beispiel Tokio: Dort, so kann man lesen, darf man nur dann ein Auto kaufen, wenn man einen Stellplatz vorweisen kann – von Ablöse-Regelungen ist nichts bekannt. Aus gutem Grund: Das Auto bleibt ja da und muss irgendwo stehen. Im Umkehrschluss heißt das: Die Ablöse-Regelung räumt indirekt ein, dass Verkehrsprobleme entweder dem Gesetzgeber egal oder nicht existent sind – denn andernfalls würde sich niemand mit einem Scheck zufrieden geben.

So wirft der Fall Ritte ein Schlaglicht auf Deutschland 2019: Es gibt ein Baurecht, das zu kompliziert, zu lebensfern und in Teilen sinnfrei ist. Ein Radfahr-Ausflugslokal mit Autostellplatz-Vorgaben zu belasten, ist Schwachsinn. So steht ein kleines Unternehmen und ein Stück Lebensqualität für Krefeld auf der Kippe. Wir würden jetzt gern etwas Tröstendes sagen. Allein, uns fällt nix ein.

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