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Klimaschutzplan: SWK will die Bahn nach Krefeld-Hüls ausbauen

Klimaschutzplan : SWK will Bahnstrecke nach Hüls ausbauen

„Natürlich wäre die Weiterführung mindestens bis zum Ortskern sinnvoll“, sagt Geschäftsführer Guido Stilling.

Im Klimaschutzplan der Bundesregierung ist vorgesehen, dass die Emissionen aus dem Sektor Verkehr bis 2030 auf 98 bis 95 Tonnen Millionen CO2 im Jahr sinken – rund 40 Prozent weniger als im Jahr 1990. Kernpunkte unter anderem sind der Wechsel auf alternative Antriebe und der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. „Wir haben als SWK mobil in diesem Punkt bereits einiges auf den Weg gebracht“, sagt Geschäftsführer Guido Stilling. Fast 40 Millionen Menschen befördert das Krefelder Verkehrsunternehmen im Jahr.

„Eine klare Grenze haben wir weder bei der Zahl der Personenbeförderung, noch bei der Taktung von Bussen und Bahnen erreicht“, versichert Stilling. Ein Ausbau des Bus- und Bahnnetzes sowie ein dichterer Linienverkehr seien möglich. „So paradox es klingt: Wir müssen den öffentlichen Personennahverkehr stärker individualisieren“, erklärt Stilling. „Das heißt unter anderem, dass die Kunden ohne einen Fahrplan im Kopf zur Haltestelle gehen können, weil sie wissen, dass zumindest in der Innenstadt nach weniger als zehn Minuten ein Wagen oder eine Bahn kommt.“

 Guido Stilling, Geschäftsführer von SWK mobil
Guido Stilling, Geschäftsführer von SWK mobil Foto: Joachim Niessen

Schnell, gezielt und zuverlässig – so will sich die Verkehrssparte der SWK präsentieren. Fakt ist aber auch: Eine dichtere Taktung sowie ein Ausbau des Streckennetzes bei der Bahn kosten Geld. 43 Kilometer lang ist das Gleisnetz der Stadtwerke derzeit. „Auch hier könnten und würden wir erweitern“, sagt Stilling und blickt dabei nach Hüls. Dort endet die Bahn an der Stadtteilgrenze. „Natürlich wäre die Weiterführung mindestens bis zum Ortskern sinnvoll und für die Kunden bequemer. Mit einem möglichen Ausbau müsste sich die Politik beschäftigen“, so der Verkehrsexperte. Nach Aussage der SWK wäre für eine solche Lösung eine doppelte Gleisführung über die Krefelder Straße erstrebenswert. Die Baukosten für die fehlenden zwei Kilometer inklusive möglichem Verknüpfungspunkt am Hülser Bahnhof: vermutlich rund 20 Millionen Euro.

Für den Fahrbetrieb auf ihren vier Straßenbahnlinien in Krefeld halten die SWK derzeit 31 moderne Niederflurfahrzeuge sowie – für Stoßzeiten – sieben ältere Bahnen vor. Würde in Richtung Hüls ausgebaut, müsste auch in den Fuhrpark investiert werden. „Bei einer langen Linie und einer zusätzlichen Verdichtung der Taktung müssten durchaus sechs bis acht Fahrzeuge zusätzlich angeschafft werden“, so Stilling. Der Stückpreis pro Bahn: mehr als 2,5 Millionen Euro.

Um die Kunden schneller ans Ziel zu bekommen, denken die SWK auch über ein höheres Tempo auf bestehenden Bus- und Bahnstrecken nach, die parallel auch vom Individualverkehr genutzt werden. „Für unsere Fahrer wäre es zum Beispiel ein großer Zeitvorteil, wenn im Rahmen des Mobilitätskonzepts auf Straßen wie der St.-Anton-Straße das Linksabbiegen untersagt würde“, erklärt der SWK-mobil-Chef. Immer wieder blockieren Abbieger, die den Gegenverkehr durchlassen müssen, die linke Fahrspur, auf der auch die Bahn fährt.

Über Möglichkeiten einer Beschleunigung des ÖPNV auf dem Ostwall haben die SWK ebenfalls nachgedacht. „Wenn dort die linke Fahrspur ausschließlich für Busse und Bahnen schraffiert würde, wäre das Durchkommen für unserer Fahrer leichter, die Zeiten würden sich verkürzen.“

Grünes Licht für den öffentlichen Nahverkehr würde darüber hinaus eine strukturierte Umsetzung des innerstädtischen Parkraumkonzepts bringen. Angepasste Parkgebühren und eine sinnvolle Bewirtschaftung der kostenfreien Parkflächen im Umfeld der Innenstadt wären flankierende Maßnahmen. Stilling: „Dort wird vermutlich Parkraum ganztägig von Mitarbeitern genutzt, die in der Innenstadt arbeiten. Von diesen muss mit Sicherheit nicht jeder mit dem eigenen Pkw in die City fahren. Den Mitarbeitern können wir rabattierte Firmentickets anbieten, die zudem noch steuerbegünstigt sind.“ Ein weiterer Pluspunkt: Zusätzlich können mit den Tickets in den Abendstunden oder an Wochenenden teilweise mehrere Personen unterwegs sein. „Das Interesse der Inhaber und Geschäftsleute, das Modell ihren Mitarbeitern anzubieten, ist derzeit gering.“