Klangrarität auf zwei Klavieren beim Frühjahrskonzert der Bayer Symphoniker in Krefeld

Bayer symphoniker : Hochgenuss mit zwei Klavieren

Zwei Musiker, die im Spiel wie eineiige Zwillinge klangen, brachten beim Frühjahrskonzert der Bayer Symphoniker eine Rarität: Felix Mendelssohn Bartholdys Konzert für zwei Klaviere.

„Junge Pianisten stellen sich vor“ hieß es beim Frühjahrs-Sinfoniekonzert der Bayer-Symphoniker im Seidenweberhaus. Hinter dem Titel verbargen sich aber nicht etwa fortgeschrittene Klavierschüler – mit dem knapp 30-jährigen Japaner Tomoki Kitamura und dem fast gleichaltrigen, aus Russland stammenden Dmitry Ablogin hatte das Orchester zwei Künstler gewonnen, die jeweils nach Studien in ihrer Heimat und im Ausland bereits über umfangreiche Konzerterfahrung verfügen und wichtige Preise ihr Eigen nennen.

Dieses Rüstzeug war auch vonnöten für die besondere Aufgabe, die ihnen an diesem Abend gestellt war: Auf dem Programm stand das vermutlich wegen seiner außerordentlichen Schwierigkeiten äußerst selten zu hörende Konzert für zwei Klaviere und Orchester As-Dur MWV 06, das der 15-jährige Felix Mendelssohn Bartholdy im Jahre 1824 für eines der legendären Hauskonzerte im Berliner Haus seiner Eltern geschrieben hat. Solisten der Uraufführung waren er selbst und seine nicht minder begnadete Schwester Fanny.

Die Bayer-Symphoniker – wie für das Werk vorgeschrieben in kleinerer Besetzung angetreten – und ihr umsichtig leitender Dirigent Thomas Schlerka bereiteten in der Orchestereinleitung einen überwiegend sanften, Mendelssohn-gemäßen Klangteppich, den die Solisten bereitwillig aufgriffen und mit filigraner, souveräner Instrumentenbehandlung, die selbst im Forte nie grob geriet, nahtlos fortführten.

Dass beide Pianisten auch am Hammerflügel und durch intensive Beschäftigung mit Alter Musik geschult sind, kam ihrem makellosen, in jeder Weise hochkarätigen Spiel in jeder Phase des Konzerts zugute. Ihr Interpretationsansatz glich dem eineiiger Zwillinge – fast meinte man, nur ein Instrument zu hören, so minutiös aufeinander abgestimmt gelangen selbst winzige Details.

Tadellos war auch, wie bei solch hochkarätigen Musikern auch nicht anders zu erwarten, das Zusammengehen mit dem hoch motivierten Orchester. Das Publikum feierte das Duo nach seinem Auftritt so lautstark wie ausdauernd und freute sich über eine bestens gelungene Zugabe: Es waren Variationen, denen jeweils ein Mozart-Thema zugrunde lag. Schade, dass Thomas Schlerka das Podium verließ und nicht im Saal zuhörte.

In kompletter Besetzung trat das Orchester nach der Pause auf. Die Noten der klanggesättigten 8. Sinfonie G-Dur op.88 von Antonin Dvorak – im Jahre 1889 in nur knapp drei Monaten komponiert – lagen auf den Pulten.

Fehlte im ersten Satz in den Streichern noch ein wenig der gewohnte Glanz, so war der über ein Laienorchester-Niveau weit erhabene Klangkörper der Bayer Symphoniker vom an zweiter Stelle stehenden, mit vielen Bläsersoli gespickten „Adagio“ an wieder ganz in seinem Element. Grazie und Lebensfreude verströmte der dritte, tänzerische Satz, und beim abschließenden „Allegro ma non troppo“ führte Thomas Schlerka mit vollem Einsatz seine bestens vorbereiteten Musiker zu jubelnden Höhenflügen.

Die gefielen dem Publikum so sehr, dass der zweite Teil des Schlusssatzes noch einmal – diesmal sogar mit noch mehr Verve – wiederholt wurde.

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