Kirchen in Krefeld ringen mit Mitgliederschwund

Lage der Kirchen : Kirchen ringen mit Mitgliederschwund

Die Zahl der Mitglieder sinkt: Die Kirchen reagieren mit Struktur- und Reformüberlegungen. Wie erhält man diakonischen Werke, und wie überzeugt man Menschen? Die Katholiken führen besonders scharfe Reformdebatten.

Die Krefelder Kirchengemeinden haben auch im vergangenen Jahr weiterhin kontinuierlich Mitglieder verloren. Der evangelische Kirchenkreis Krefeld-Viersen zählt momentan zum ersten Mal weniger als 100.000 Gemeindeglieder, bei der katholischen Kirche in Krefeld lagen keine aktuellen Zahlen zum Vergleich vor. Aber die Statistik aus 2017 und 2018 lässt auch hier einen Abwärtstrend erkennen. 1,8 Prozent der Krefelder Katholiken sind entweder ausgetreten, verzogen oder verstorben. Besonders in der katholischen Kirche gibt es an der Basis erheblichen Reformdruck – viele Forderungen wie der Ruf nach mehr Demokratie oder einer Öffnung des Priesteramtes für Frauen sind in der evangelischen Kirche erfüllt. Die Zahlen zeigen allerdings, dass die evangelischen Kirche keineswegs einen Zulauf von Gläubigen verzeichnet. Teils verlieren die Evangelischen sogar mehr als die Katholiken.

 Dass die evangelische Kirche in Krefeld auf einen Schlag rund 3500 Mitglieder verloren hat, liegt jedoch nicht daran, dass es unverhältnismäßig viele Kirchenaustritte gegeben hat. „Die Gemeinde Straelen-Wachtendonk wechselte zum 1. Januar 2020 in den Kirchenkreis Kleve“, erklärt Superintendentin Barbara Schwahn. Der Wechsel mache Sinn: Die Gemeinde gehört kommunal zum Kreis Kleve, ein Zusammenwachsen mit den anderen Gemeinden aus Krefeld-Viersen verhindert die trennende Autobahn A40.

Auch wenn so ein rasantes Minus erklärt werden kann, ruht sich der Kirchenkreis Krefeld-Viersen nicht aus. „Wir müssen kleiner werden und uns zukunftsfähig aufstellen“, sagt Schwahn. Es ginge darum, Fusionen und Kooperationen zu prüfen und Regionen zu bilden, um auch in Zukunft mit Herzblut alle religiösen und gesellschaftlichen Leistungen anbieten zu können. „Wir müssen überlegen, wie wir gerne Kirche sind und wo unser Herz schlägt. Und genau da können wir auch gut sein und unser Feuer an andere Menschen weitergeben.“ Das könnten modernere Gottesdienstformen sein, eine moderne Liturgie oder vielleicht auch Kirchenmusik.

Aber auch der Gebäudebestand müsse dringend überprüft und deutlich reduziert werden. „Es macht doch viel mehr Sinn, ein schickes Gemeindehaus zu haben, als drei oder vier, in denen sich die Gemeindeglieder nicht wohlfühlen“, sagt Schwahn. Außerdem werde man prüfen, wie man Gemeinden noch besser bei der Trägerschaft von Kindertagesstätten unterstützen könne.

Die Zahlen aus der Region spiegeln sich auch im Bundestrend wider. So ist die Anzahl der Mitglieder der evangelischen Kirche in Deutschland in den Jahren von 2003 bis 2018 von 25,8 Millionen auf 21,14 Millionen Mitglieder gesunken. Der Sinkflug hält an: Im Jahr 2018 ging die Zahl der Protestanten um etwa 395.000 zurück, die Zahl der Katholiken um knapp 309.000.

Wie mehrfach berichtet, gibt es im Bistum Aachen und auch in Krefeld den Ruf nach Reformen innerhalb der katholischen Kirche. Festzuhalten bleibt aber, dass die evangelische Kirche insgesamt nicht von ihrem reformerischen Vorsprung profitiert: Die synodal-demokratische Verfassung, die Gleichstellung von Mann und Frau im Pfarramt, die starke  Stellung der „Laien“ (die es nach evangelischem Verständnis so nicht gibt)  – nichts davon bewirkt, dass die Bindung an die je eigene Kirche ungleich stärker ist  als im katholischen Bereich. Im Jahr 2017 haben die 20 protestantischen Landeskirchen sogar mehr Mitglieder (390.000) verloren als die 27 katholischen Bistümer (270.000), bilanziert die Zeitung „Die Welt“.

„Heute bei dir“: Bischof Dieser setzt auf Dialog. Foto: Bistum Aachen/Andreas Steindl

Beide Kirchen sehen aber auch positive Entwicklungen: Taufen und Eintritte blieben 2017 stabil. Rund 205.000 Menschen wurden 2017 in der evangelischen Kirche getauft oder aufgenommen, etwa so viele wie im Vorjahr. In der katholischen Kirche sank die Zahl der Taufen leicht auf 170.000, die der Eintritte und Wiederaufnahmen stieg leicht auf insgesamt rund 9000.