Kind mit Angelman-Syndrom soll durch Assistenzhund lernen und Hilfe erhalten.

Assistenzhund für Angelman-Kind : Hund soll „kleinem Engel“ Josie helfen

Josefine Zibner ist am Angelman-Syndrom, einem Gendefekt, erkrankt. Sie wird nie ein selbstständiges Leben führen können. Nun hofft die Familie, dass ein Assistenzhund hilft. Dieser kostet Geld, weshalb sie nun Spenden sammelt.

Auf den ersten Blick ist Josefine „Josie“ Zibner eine ganz normale Dreijährige. Auf den zweiten Blick fällt auf: Josie spricht nicht, sie läuft nicht normal und ist sehr sprunghaft. Nie bleibt sie mehr als zehn Sekunden bei der Sache. Josie hat das Angelman-Syndrom, einen Gendefekt, der nach dem Entdecker Harry Angelman benannt ist. Dabei ist der Name aber durchaus passend, denn Angelman-Kinder lächeln fast unentwegt. Sie bleiben geistig auf dem Stand eines Kleinkindes und lernen nie wirklich zu sprechen. „Wenn wir Glück haben, lernt sie ein Dutzend Worte und wenigstens ein paar Dinge des täglichen Lebens“, sagt Mutter Jennifer. Der Haken: „Was sie bis zum fünften Lebensjahr nicht lernt, das wird sie nicht mehr lernen.“

Darum entschloss sich der Verein Filiz-Rolliedogs, mit Josie ausnahmsweise schon eine Dreijährige in das Programm aufzunehmen. „Normal bilden wir erst Hunde für Sechsjährige aus. Bei Josie haben wir aber die Hoffnung, dass der Hund ihr dabei hilft, dass sie einige Dinge lernt, die sie sonst niemals lernen würde. Die Zeit drängt darum etwas“, sagt Filiz Erfurt. Die Hundetrainerin aus Essen ist selbst auf den Rollstuhl angewiesen und bildet die Assistenzhunde aus. Der Haken: Mutter Jennifer kann nicht mehr arbeiten, denn Josie braucht rund um die Uhr Betreuung. Sie hat kein Schmerzempfinden und schläft maximal eine Stunde am Stück. Darum musste die Unternehmensberaterin ihren Beruf aufgeben, um das Kind zu pflegen. Die Ausbildung der Hunde aber kostet Geld. Der Züchter verlangt 1500 Euro, für die Ausbildung werden nochmals 15.500 Euro fällig. 4500 Euro bringt die Familie auf, für den Rest werden Spenden gesammelt.

„Wir haben im August angefangen und rund 6.000 Euro zusammen. Aber es fehlt noch einiges“, sagt Zibner. Die 37-Jährige hofft, dass bald das Geld zusammenkommt, denn erst dann wird der Hund ausgesucht und gemeinsam mit der Familie ausgebildet. „Wir nehmen einen Welpen, der dann hier aufwächst und gleich mit Josie zusammen lernt. Die Familie wird in einem mit ausgebildet“, erklärt die Hundetrainerin. Der Clou: Die Hunde können weit mehr, als ein Freund zu sein und im Alltag zu helfen.

„Josie hat eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, an Epilepsie zu erkranken. Die Hunde können einen Anfall bis zu einer Stunde vorher erkennen. Und sie erkennen auch die Heftigkeit und zeigen sie an. Setzt sich der Hund auf die linke Seite, bekommt er Josie selbst aus dem Anfall. Setzt er sich nach rechts, braucht er Hilfe, und wenn es ganz schlimm ist, kann er sogar eigenständig ärztliche Hilfe anfordern“, erzählt Filiz Erfurt. Dazu holt der Hund ein spezielles Mobiltelefon und ruft über Schnellwahl den Notarzt. „Er hört dann nicht auf zu bellen, und die Menschen am Notruf wissen, dass das unmittelbare Gefahr bedeutet. Dann wird das Handy geortet und ein Notarzt geschickt“, erläutert die Trainerin. Sie kennt sich aus, denn sie selbst sitzt nicht nur im Rollstuhl, sondern leidet an einer schweren Form der Epilepsie. Ihre drei Hunde Jamari, Candas und Angus retteten sie auf diese Art und Weise bereits mehrfach.

Josie soll mit ihrem Hund zu einer Einheit werden. Das Tier wird sie vor sich selbst beschützen, wenn sie beispielsweise auf eine Straße laufen will, es wird ihm beim Ausziehen helfen und lernen, sie zu verstehen. „Angelman-Kinder lächeln immer. Ob es ihnen gut geht, oder nicht. Es ist kaum möglich, zu erkennen, wie es ihnen wirklich geht. Aber Hunde können das wahrnehmen und dann sozusagen Dolmetscher sein“, äußert die Mutter ihre Hoffnung, und Hundetrainerin Filiz, die gern beim Vornamen genannt werden möchte, stimmt zu. Möglichst bald soll Josie ihren Freund bekommen, denn auch dies soll der Hund sein. Dafür hoffen die Zibners auf Hilfe in Form von Spenden, damit Josie so viel Hilfe wie möglich bekommen kann.

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