KFC Uerdingen: Wie geht es weiter mit der Grotenburg in Krefeld?

Wie geht es weiter mit der Grotenburg? : Ponomarevs seltsames Spiel

KFC-Präsident Mikhail Ponomarev hat der Krefelder Politik mit einem Ausstieg in Uerdingen gedroht. Wieso tut er das? Und was ist wirklich der Stand der Dinge? Eine Analyse.

KFC-Präsident Mikhail Ponomarev hat Politik und Verwaltung in Krefeld mit Kritik an der Stadt und der Forderung aufgeschreckt, die Stadt möge sich an den Kosten für die Miete anderer Stadien beteiligen, falls die Grotenburg nicht bis zum Beginn der Spielzeit 2020/ 2021 drittligatauglich sein sollte. Noch gravierender an seinem Auftritt vor einigen hundert Fans im Saal Gietz in Fischeln aber war seine Mitteilung, dass die Gründung einer GmbH als Betreibergesellschaft für die Grotenburg für ihn keine Priorität mehr habe. Unterm Strich hat Ponomarev versucht, Stadt und Rat unter Druck zu setzen, er hat Entscheidungen eingefordert, die längst gefallen sind, und er hat, gewollt oder nicht, hinter sein Engagement in Krefeld ein Fragezeichen gesetzt.

Wer will was? Versuch einer Sichtung der Dinge, bei der auch Ponomarev sich Fragen gefallen lassen muss.

Die Drittligatauglichkeit

Der Rat hat seine Schuldigkeit getan. Er hat am 26. November 2018 mit großer Mehrheit beschlossen, rund elf Millionen in die Sanierung der Grotenburg zu stecken und das Stadion drittligatauglich zu machen. Hier gibt es für Ponomarev nichts zu fordern. Die Zusage, dieses Geld in das Stadion zu stecken, gilt und wurde gestern von den Fraktionen, die das befürworten (SPD, CDU, Grüne), bekräftigt.

Die Stadion-GmbH

Hier steckt die eigentliche Krise. Auf Wunsch des KFC (!) haben nach dem Ratsbeschluss im November Gespräche über die Gründung einer Stadion-GmbH begonnen, um den Ausbau der Grotenburg auch für die zweite und erste Liga optimal managen zu können. Eine GmbH kann schneller handeln, eine GmbH ist nicht an das Vergaberecht gebunden, eine GmbH hätte eine faire Lastenverteilung der Kosten zwischen Stadt und KFC aushandeln können.

Wichtig: Die GmbH-Gründung war auch für Herstellung der Drittligatauglichkeit bedeutsam. Die Sanierung sollte mit Blick auf den Ausbau zur Drittligatauglichkeit vorgenommen werden. Beispiel Tribüne: Man kann eine Tribüne so ertüchtigen, dass man sie sicher benutzen kann; man kann sie aber auch so ausbauen, dass man gegebenenfalls ein Dach draufsetzen kann. Hier liegt ganz offensichtlich der Grund, warum die Stadt noch nicht mit voller Kraft an der Ertüchtigung der Grotenburg gearbeitet hat, und so ist es auch in der Politik verstanden worden. Ponomarev hat noch Ende Januar stets von guten Gesprächen mit der Stadt gesprochen, zuletzt in einem RP-Interview.

Jetzt die Kehrtwende. Die GmbH-Gründung, die doch das Instrument zum großen Ausbau der Grotenburg über die Drittligatauglichkeit hinaus sein sollte, ist ihm plötzlich nicht mehr wichtig; die Politik wurde in der vergangenen Woche von der Nachricht verblüfft und überrascht, dass die Gespräche geplatzt sind.

So stellt sich an dieser Stelle in Wahrheit nicht die Frage, ob Rat und Verwaltung zu ihren Zusagen zum KFC stehen, sondern wie Ponomarev zu Krefeld steht. Hat er noch einen langfristigen, einen ehrgeizigen Plan? Ohne GmbH gibt vieles keinen Sinn. Und: Ponomarev selbst war es, der die rasche Ertüchtigung der Grotenburg verhindert hat, indem er monatelang Gespräche mit der Stadt führte, immer wieder zu Protokoll gab, alles sei auf gutem Weg – und jetzt einen Rückzieher macht. Warum? Das weiß nur er selbst.

Mietkostenzuschuss

Seine Forderung, die Stadt möge sich an den Mietkosten für die Nutzung anderer Stadien beteiligen (der KFC spielt diese Saison in Duisburg, nächste Saison in Düsseldorf), ist vor diesem Hintergrund nicht nur rechtlich schwierig; eine Stadt kann nicht einfach direkt einem Profi-Verein Geld überweisen. Selbst indirektem Sponsoring durch Töchter der Stadt (Sparkasse, SWK) sind rechtliche Grenzen gesetzt. Genauso schwer wiegt der Einwand, dass Ponomarev selbst mit seiner Kehrtwende die Verzögerung der Sanierung verursacht hat. Sollen Stadt und Steuerzahler für seinen Zickzackkurs bluten?

So ist das Bild keineswegs so zuzuspitzen, wie es Ponomarev in Fischeln versucht hat: Nicht die Stadt, nicht der Rat – er muss sich erklären. Sein Verhalten wirft Rätsel auf.

Wie es weitergeht

Die Stadt muss jetzt versuchen, die beschlossene Sanierung für elf Millionen Euro schnell umzusetzen – ohne GmbH-Gründung. Erste Vorbereitungen, auch im Stadion selbst, sind dazu im Gange. Oberbürgermeister Frank Meyer ist sichtlich bestrebt, die Wellen nicht hochschlagen zu lassen. Die Erklärung der Stadt ist betont sachlich und zurückgenommen. Da heißt es: „Der KFC Uerdingen hat in der vergangenen Woche erklärt, dass er den Spielbetrieb in der 3. Liga für die Saison 2019/20 in Angriff nehmen wird. Die Stadtverwaltung Krefeld begrüßt diese Entscheidung und freut sich mit dem KFC und seinen Fans, dass das Projekt Profifußball trotz einiger Rückschläge in jüngster Zeit konsequent weiterverfolgt wird.“ Ponomarev habe die Stadt am 9. Mai informiert, dass „aufgrund veränderter Rahmenbedingungen die Gründung einer Stadiongesellschaft nicht länger gewünscht“ sei und die Stadt die Sanierung der Grotenburg nun doch wie ursprünglich geplant umsetzen solle. Welche Rahmenbedingungen das sind, geht aus der Erklärung nicht hervor. Man darf vermuten: Niemand weiß das außer Ponomarev selbst.

Sicher, er musste in jüngster Zeit schwere Anfeindungen einstecken; die „Bild“ fährt gegen ihn eine regelrechte Kampagne, beleidigt ihn als „Troll“, der weg muss. Aber die „Bild“ ist die „Bild“, nicht Krefeld. In Krefeld ist er fair behandelt worden, die KFC-Fans stehen zu ihm, die Mannschaft kämpft sich langsam aus dem Tief, der Rat hat das Seine beschlossen, die Stadt hat intensiv mit ihm verhandelt.

Bleibt also die eine entscheidende Frage: Herr Ponomarev, was haben Sie vor?

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