Kayserzinn – Krefelds Beitrag zum Jugendstil

Fernsehsendung Bares für Rares : Kayserzinn – Krefelds Beitrag zum Jugendstil

Exponate des Hoflieferanten des Zaren könnten von der Qualität her mit Kayserzinn aus Krefeld nicht konkurrieren, sagt eine Expertin. Die Krefelder Metallfirma spielte in einer Liga mit WMF und hatte schon Ende des 19. Jahrhunderts Künstler engagiert, um ihre Entwürfe auszuarbeiten.

Die Rivalität von Düsseldorf und Köln ist legendär. Dass die Domstädter auch gerne mit Krefeld konkurrieren, ist weniger bekannt. Immer dann, wenn es um Jugendstil und Kayserzinn geht, beanspruchen die Kölner die weltweiten Meriten für die Qualität der Produkte aus Krefelder Herstellung gerne für sich. Die bis zu 800 Beschäftigten in der in Oppum an der Violstraße ansässigen Metallwarenmanufaktur lieferten seinerzeit Tischgeschirr, Vasen und Kerzenleuchter, Pokale und Kannen aus dem „Silber des kleinen Mannes“ – einer neuen Speziallegierung unter dem Markennamen Kayserzinn.

Die Leitung des Krefelder Betriebs hatte um die Jahrhundertwende Johann Peter Kayser. Sein 1911 verstorbener Bruder Engelbert Kayser bring die Kölner Note ins Spiel. Er hatte dort schon 1864 ein Geschäft für Luxusgüter eröffnet und schwang sich schnell zum kreativen Kopf des Unternehmens auf. Er gewann Bildhauer und Künstler, die sich um die Entwürfe, die Reliefs und die Ornamentik für die ganze Produktpalette kümmerten. Mit Krefelder Exponaten sorgte Kayserzinn auf den Weltausstellungen 1900 in der französischen Hauptstadt Paris und 1904 im amerikanischen St. Louis für Furore. Den Triumph perfekt machte die Auszeichnung der Manufaktur mit einer Goldmedaille 1902 bei der Kunstgewerbeausstellung in Turin. Auf der Gehaltsliste standen Künstler wie Karl Berghof, Johann Christian Kröner, Hugo Leven, Hermann Fauser und Karl Geyer.

Heutzutage – rund 100 Jahre nach der Einstellung der Produktion – erfährt die Marke Kayserzinn immer noch mediale Aufmerksamkeit. In der erfolgreichen ZDF-Fernsehserie „Bares für Rares“ legt Gastgeber und Moderator Horst Lichter regelmäßig Mitbringsel seiner Gäste seinen Experten zur Begutachtung vor. Und natürlich glänzt der dauerdutzende Horst Lichter gerne mit seinem gesunden Halbwissen. Auch in Sachen Zinn. Aber da hatte der frühere Fernsehkoch und Restaurant-Inhaber Lichter die Rechnung ohne seine aparte Fachfrau Dr. Heide Rezepa-Zabel gemacht.

Kayserzinn war das „Silber des kleinen Mannes“. Foto: Norbert Stirken

Kayserzinn, das sei allererste Güte und auf einem Niveau mit Herstellern wie die Württembergische Metallwarenfabrik (WMF) und der Rheinischen Broncegießerei Ferdinand Hubert Schmitz aus Cöln-Ehrenfeld mit der Marke Orivit. Lichter hatte ein Zinn-Exponat  aus dem Haus Ferdinand van Hauten etwas zu sehr gelobt. Der Moderator schwärmte vom Königlichen Hoflieferanten, der auch den russischen Zaren versorgte, ehe er von seiner Expertin charmant in seine Schranken verwiesen wurde. Die Qualität von Kayerzinn habe der Hersteller aus Bonn nie erreichen können.

Die Entwürfe für Kayserzinn wurden von Künstlern gestaltet. Foto: Norbert Stirken

In den vergangenen Wochen kamen unter anderem eine dekorative Fisch-Vorlegeplatte, ein eleganter Münzzinnkrug und eine prächtige Bodenvase der Marke Kayserzinn auf die Expertentische. Die Vase aus versilbertem Zinn war mit reliefartigen Mädchen und Gingko-Blättern verziert und stammte aus der Zeit um 1900. Den Entwurf lieferte der Designer Hugo Leven.

In der Zeit um 1895/1896 entstand der Münzzinnkrug mit barock geschweiftem Henkel und einem Deckel mit Daumendrücker. Das Gefäß in hoher konischer Form ist auch als „Schnabelstitze“ bekannt. Es ist mit aufgesetzten Abgüssen nicht echter Münzen verziert.

Die um 1900 entstandenen Fisch-Vorlegeplatte war mit schönen Jugendstilmotiven wie Seerosen, Libellen, Karpfen und kleinen Wellen sowie Rohrkolben versehen.

Aufgezeichnet wird die Sendung übrigens meist in den Balloni-Hallen in Köln. Das freut die Kölner und wohl auch Petra Hesse, Direktorin des Museums für angewandte Kunst in der Domstadt. Sie sagte 2011 zum 100. Todestags von Engelbert Kayser: „Da Kayserzinn in Krefeld produziert wurde, verbindet heute kaum einer mehr diese Kunstwerke mit Köln. Dabei war es ein Kölner Kaufmann, der überhaupt die Idee hatte.“

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