Kommentar Kathstedes rätselhaftes Schweigen

Krefeld · Gregor Kathstede hat zurzeit keinen guten Lauf - er ist gejagt von Ereignissen, in denen er erst schweigt und dann gezwungen ist, Erklärungen nachzureichen. Und als er gestern zum Fall Adnan C. mehrfach persönlich angesprochen, angegriffen, auch: unmäßig als Rassist verunglimpft wurde, da schwieg er auch. Warum dies gesammelte Schweigen?

Die Unterstützer von Adnan C. schreiben dem Oberbürgermeister die Macht zu, die Abschiebung zu verhindern. Warum ergreift Kathstede dazu nicht einmal das Wort? Warum macht er nicht seine Position, seine Gefühlslage, seine Zwänge, seine Argumente kenntlich? Sein Schweigen wirkt eben nicht souverän, sondern irgendetwas zwischen verbohrt, hilflos und arrogant. Kathstedes große politische Schwäche tritt so noch einmal zutage: Er ist kein Kommunikator; er lässt sich in der Situation, in der es darauf ankäme, nicht auf das ganz normale Gespräch ein. So wirkt er unnahbar, und diese Art, sich zu verweigern, erhitzt das Klima der Auseinandersetzung noch mehr. So war es auch bei den beiden anderen Absagen der vergangenen Tage: bei der Gedenkveranstaltung zum Kriegsende, die die Stadt wegen der Teilnahme der DKP hat ausfallen lassen, und bei der Weigerung, eine Delegation aus der syrisch-kurdischen Stadt Kobane zu empfangen. Selbst wenn Kathstedes Gründe nachvollziehbar sind, wirkt seine wortkarge Schroffheit befremdlich. Im Fall Kobane hätte der Ärger über die "Linke", die ihn vor vollendete Tatsachen stellen wollte, nicht dazu führen dürfen, den Syrern eine Geste des Respekts zu verweigern. Das ist auf die Stadt zurückgefallen.

Der Unmut darüber schadet womöglich auch der CDU und dem wahlkämpfenden OB-Kandidaten Peter Vermeulen - Kathstede steht noch auch für seine Partei. Der OB hat einmal gesagt, er werde sein Amt bis zum letzten Tag mit ganzer Kraft ausüben. Er sollte dieses Amt auch mit seiner Person ausfüllen. Und sich auf das einlassen, was Menschen tun, wenn es hakt: reden. vo

(RP)
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