Krefeld: Kathstede: Verwaltung soll weniger arbeiten

Krefeld : Kathstede: Verwaltung soll weniger arbeiten

Krefelds Oberbürgermeister Gregor Kathstede fordert in einem Brief alle Angestellten der Stadtverwaltung auf, die Arbeitszeit zu reduzieren. Durch Einsparungen bei den Gehältern sollen bis 2014 rund 27 Millionen Euro einspart werden.

Der städtische Haushalt weist für 2010 ein Minus von 73 Millionen Euro auf. Mehrere Modelle schlägt Kathstede seinem Personal vor. 86-Prozent-Regelung: Mitarbeiter können ihre Jahresarbeitszeit um 14 Prozent reduzieren und zu allen Ferienzeiten Urlaub nehmen. 4-Tage-Woche: Ein Tag frei pro Woche, die Jahresarbeitszeit wird um 20 Prozent reduziert. Elternzeit Kathstede appelliert an die Väter, in Elternzeit oder Pflegezeit zu gehen, auch mehr als zwei Monate. Er empfiehlt dem männlichen Personal, "eine längere Form der Auszeit in Form der Elternzeit zu nehmen und somit Ihren Partnerinnen die Möglichkeit zur beruflichen Betätigung zu geben".

SPD-Ratsherr Hans Butzen kritisiert: "Wenn dieses Angebot wirklich nachgefragt werden sollte, ist die Funktionsfähigkeit ganzer Bereiche in der Stadtverwaltung in Gefahr." Nach dem massiven Arbeitsplatzabbau in den vergangenen Jahren gingen manche Ämter in Krefeld längst auf dem Zahnfleisch. Eine enorme Belastung der verbleibenden Mitarbeiter in Vollzeit wäre die Folge, sagt Hans Butzen.

OB Kathstede schreibt aber in den Brief an seine Belegschaft auch, dass diese Arbeitsreduzierung nur dann Sinn mache, wenn die Arbeiten anderweitig personell oder organisatorisch aufgefangen werden können. Alle Anträge auf Arbeitszeitreduzierung sollen beim Fachbereich "Verwaltungssteuerung" gestellt werden.

Ein großes Problem ist in der Krefelder Verwaltung laut Kathstede auch der hohe Resturlaubsstand. Die Verwaltung ist mittlerweile rechtlich verpflichtet, für diese Resturlaube Rücklagen im Haushalt zu bilden; dies belastet den städtischen Haushalt immer weiter. Deshalb soll jetzt die Verwaltung zwischen Weihnachten und Silvester erstmals komplett Betriebsferien machen, Mitarbeiter sollen in ihrer Jahresurlaubsplanung vier Tage Urlaub einplanen oder Gleitzeitguthaben abbauen — nur ein Notdienst ist vorgesehen. Dadurch sollen Energiekosten gespart werden. Der Personalrat wurde um Zustimmung gebeten. Außerdem hat Kathstede angewiesen, Resturlaubstage und Überstunden nicht in das Folgejahr zu übertragen.

(RP/jul)