Katholiken in Krefeld und im Bistum Aachen fordern vehement Reformen

Katholische Kirche : Katholiken fordern vehement Reformen

Der Diözesanrat des Bistums Aachen hat ein Reformpapier verabschiedet, das Bischof Dieser unter Druck setzt. Die Ungeduld an der Basis ist groß, im Diözesanrat gibt es eine „Fraktion der Zornigen“; die Krefelder sind eher Vermittler.

Die Katholiken in Krefeld wie in der ganzen Diözese fordern eine „Kirchenreform jetzt!“ So ist ein Reformpapier überschrieben, das der Diözesanrat im Bistum, dem höchsten Gremium der katholischen Laien im Bistum Aachen, nach kontroverser Diskussion verabschiedet hat. „Die erste Version war gespickt mit persönlichen Vorwürfen gegen unseren Bischof Dieser. Das konnten wir als Krefelder Katholiken nicht mittragen“, erklärte Hans-Joachim Hofer, Vorsitzender des Krefelder Katholikenrates. Auch das neue, nun verabschiedete Papier fordert massive Veränderungen in der Kirche: mehr Demokratie, die Gleichstellung der Frau und die Abkehr von einer Sexualmoral, die Homosexualität verteufelt und getragen ist von Verboten und Vorbehalten. Zugleich lädt der Diözesanrat zu einer großen Diskussionsveranstaltung in Mönchengladbach ein. „Wir wollen“, sagte Hofer, „die Diskussion nach außen tragen.“

Das Papier setzt Bischof Dieser unter Druck. Der Diözesanrat, heißt es etwa, erwarte „vom Bischof schlüssige Standpunkte zu den drängenden Fragen der katholischen Christinnen und Christen“. Bischof Dieser hat seit seinem Amtsantritt den „Heute bei dir“-Prozess in Gang gesetzt und mit vielen Besuchen in den Gemeinden getragen. Ab Februar soll der zweite Teil mit Zielformulierungen eingeleitet werden. Das Reformpapier versteht sich als Wegweisung. Die ersten Diskussionen zwischen Bischof und Diözesanrat waren offenbar turbulent. „Wir haben uns angeschrien“, berichtete etwa Dieter Spoo, Vorstandsmitglied des Diözesanrates. Spoo war Jahrzehnte Pastoralreferent in Aachen und hat unter anderem am Aufbau einer Citykirche mitgearbeitet hat. Spoo gehört im Diözesanrat zu denen, die für einen härteren Kurs gegenüber dem Bischof plädiert haben. „Ich komme von der zornigen Fraktion“, sagte er; „die Fragen, die heute auf dem Tisch liegen, sind schon seit 50 Jahren auf dem Tisch. Ich sage es mal provokant: Die Klerikerkaste schwebt in ihrer Blase und kommt nicht da raus.“

Das zwei Din-A-4-Seiten umfassende Papier listet Reformen unter drei Überschriften auf: „Reform der Machtstrukturen“, „Reform des Priestertums“ und Reform der Sexualmoral“. Gefordert wird „eine grundlegende Änderung des Verständnisses von Macht und deren Verteilung in der Kirche“; die Kirche müsse sich auf demokratische Regeln nach dem Prinzip der Gewaltenteilung verständigen.

Beim Priestertum müsse „die exklusive Bindung des Amtes an das männliche Geschlecht“ aufgehoben und der Pflichtzölibat abgeschafft werden. Eine neue Sexualmoral müsse einen „offenen Umgang mit Sexualität“ und „lebendige, tragfähige Beziehungen“ ermöglichen; Homosexualität und „alle Formen der biologischen und psychischen Geschlechtlichkeit, die eine angstfreie und gleichberechtigte Lebensweise im kirchlichen Kontext“ möglich machten, müssten anerkannt werden.

Der Diözesanrat sieht die Kirche in einer „Existenzkrise“. Ziel der Reformen sei es, die Fähigkeit zu bewahren, „als Christinnen und Christen in Zukunft die Sorgen und Nöte der Menschen wahr- und ernstzunehmen“. Für Spoo geht es darum, dass das Christentum überhaupt sichtbar bleibt: „Wir wollen den Bischöfen sagen: Eure Politik treibt die Leute aus der Kirche. Wir müssen eine andere Kirche aufbauen, um als christliches Gewissen wahrnehmbar zu sein. Wir brauchen eine neue Sprache, um Christentum verständlich zu machen.“

Die Krefelder Delegierten Hans-Joachim Hofer und Stefan Kronsbein plädieren für einen gemäßigten Dialogprozess mit dem Bischof. Gleichwohl betonte Kronsbein, dass für ihn die Forderungen aus dem Papier nicht verhandelbar sind. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass Mann und Frau nicht gleichberechtigt sind“, sagte er mit Verweis auf das deutsche Grundgesetz. Der Überbau aus Kirchenämtern habe als Gerüst seine Aufgabe, „aber man darf nicht so tun, als sei das Gerüst wichtiger als die Menschen. Ein Bischof braucht uns, nicht wir zwingend den Bischof“, sagte Kronsbein weiter.

Hofer erklärte, man gehe bewusst kurz nach Weihnachten an die Öffentlichkeit; die Botschaft von der Geburt Jesu habe „in erster Linie nicht mit Macht zu tun, sondern mit den Menschen und dem Bedürfnis, in Liebe untereinander und Respekt zu leben und Gegensätze zu überwinden“. Er betonte die Dialogwilligkeit gegenüber dem Bischof und den Wunsch, gemeinsam zu Veränderungen zu kommen.