Karneval in Krefeld : Rosenmontagszug friedlich wie selten

So schön war der Rosenmontagszug in Krefeld

Mit einstündiger Verspätung aufgrund der Wetterlage zog der diesjährige Rosenmontagsumzug durch Krefeld. Die Entscheidung erwies sich als goldrichtig, denn pünktlich zur neuen Startzeit klarte es zunehmend auf.

Friedlich und vor allem trocken haben etwa 90.000 Bürger und rund 1900 Teilnehmer den Rosenmontagszug in Krefeld gefeiert. Dabei hatten viele Jecken beim morgendlichen Blick aus dem Fenster Schlimmes befürchtet, denn Sturm und Regen peitschten noch am späten Vormittag durch ganz Krefeld. Erst um neun Uhr morgens entschieden die Verantwortlichen dann abschließend: Der Zug findet mit einstündiger Verspätung um 13.11 Uhr statt, anstatt wie ursprünglich geplant um 12.11 Uhr. Einzig die Pferdegruppen wurden, ähnlich wie bei den meisten anderen großen Umzügen in NRW, herausgenommen.

„Das alles waren komplett richtige Entscheidungen. Es war ein sehr schöner Zug. Ich selbst habe über einen ständigen Kontakt zum Düsseldorfer Flughafen jederzeit die besten Informationen über die Wetterlage gehabt und wusste schon Sonntagnachmittag recht zuverlässig: Es wird alles vorbei ziehen. Darum war ich recht ruhig. Der Flughafen hatte schon gestern alle Warnungen für den heutigen Nachmittag zurückgenommen“, sagte Zugleiter Albert Höntges nach der Zugauflösung am Montagnachmittag.

Der Regen des vorangegangenen Wochenendes und Vormittags zeigte sich auch am Straßenrand. Zu Beginn waren die Reihen der Zuschauer noch recht dürftig gefüllt. Das aber änderte sich immer mehr, je später es wurde, und die Reihen am Straßenrand füllten sich mit besser werdendem Wetter zusehends. Am Ende des Zugweges rund um Sternstraße und Friedrichsplatz standen die Jecken dann dicht gedrängt am Straßenrand und feierten ein ausgelassenes Fest. „Am Anfang war spürbar, dass viele Menschen der Witterung noch nicht so ganz trauen wollten. Aber über die Zeit wurde es immer besser und voller. Es war eine sehr gute Stimmung im Zug und unter den Zuschauern. Auch das Sicherheitskonzept hat erneut sehr gut gegriffen. Ich danke meinem ganzen Team für die hervorragende Arbeit“, zog Höntges Bilanz und meinte damit auch die gut 60 ehrenamtlichen Helfer, die die Rettungskräfte unterstützten.

Der positiven Einschätzung der Organisatoren schloss sich auch Karin Kretzer, Sprecherin der Polizei Krefeld, an. „Es war ruhig wie selten. Wir haben nur zwei Personen in Gewahrsam. Ein Jugendlicher hat einen Platzverweis missachtet und wird von den Eltern abgeholt. Ein 39 Jahre alter Hülser wird beschuldigt, einen älteren anderen Mann mit einem Faustschlag niedergestreckt und nachgetreten zu haben. Davon abgesehen hatten wir nur einige Platzverweise an Jugendliche auszusprechen. Es war aus polizeilicher Sicht ein sehr schöner und friedlicher Rosenmontag. Das Sicherheitskonzept, das bereits aus dem Vorjahr bewährt war, hat sich erneut voll ausgezahlt“, sagte sie.

Als sich das Krefelder Königspaar zum Abschluss des ‚närrischen Lindwurms’ am Sprödentalplatz auf den rund sieben Kilometer langen Weg machte, da hatte die Spitze mit dem Wagen des Comitee Krefelder Karneval und dem Wagen des Krefelder Oberbürgermeisters Frank Meyer mit seinem Venloer Amtskollegen Antoin Scholten bereits knapp ein Drittel des Weges hinter sich gebracht. Insgesamt 40 Gruppen, darunter auch die Kinderprinzen der Stadt Krefeld, aus Stahldorf und Verberg, zogen durch Krefeld. Dabei zeigte sich am Verberger Paar Til I. und Annika I., dass im Karneval die Verhältnisse verändert sind. Schließlich wussten sie mit Marc Blondin einen der Krefelder Landtagsabgeordneten als einen ihrer Radengel.

Eine Jury wählte die Eulen-Kostüme der KG Dronger on Drüver mit ihrem Motto „Wenn es Schnapsdrosseln gibt, dann gibt es auch Biereulen“ zur besten Mottogruppe. Auf den Plätzen landeten ‚Die 80-10-10er’, mit „De Welt is voller Jecken on wer send meddendren“, die als Globen und Flaggen verkleidet zogen, sowie ‚Die jungen Wilden’ mit ihren Kostümen als orange Kraken.

Für viel Aufmerksamkeit unter den Zugbesuchern sorgte auch die Abstand größte Fußgruppe des Rosenmontagsumzugs 2019, die Schülergruppe ‚AKKU’. Die lange Reihe der Jugendlichen von Aktion Mobifant, Marienschule, Buchenschule und Gesamtschule Uerdingen hatte seit dem Herbst Karneval als Unterrichtsfach gehabt. Auf diese Art betreiben sie nicht nur aktiv als Teilnehmer Brauchtumspflege, sondern lernen auch viel über die Hintergründe des Karnevals. Wie allen anderen Gruppierungen war ihnen die Freude am ausgelassenen Treiben anzumerken, und ihre lange Reihe schien kaum ein Ende zu nehmen. Insgesamt waren alle, von Organisatoren und Zugteilnehmern über Sicherheitskräfte bis Zuschauer, hochzufrieden mit dem Rosenmontagszug. So groß das Zittern im Vorfeld gewesen war, so groß war am Ende Freude und Erleichterung. Vor allem, wie diszipliniert die Narren gefeiert haben, erfreute alle Verantwortlichen.

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