Karneval 2018 in Krefeld - 60.000 Besucher beim Karnevalszug in Uerdingen

Tulpensonntagszug in Krefeld: 60.000 Jecken beim Zug in Uerdingen

Karneval in Uerdingen - das lockt auch die Besucher aus Duisburg, Moers und Meerbusch in die Rheinstadt. 60.000 große und kleine, kostümierte und nicht kostümierte Besucher verfolgten den Umzug trotz des ungastlichen Wetters.

Mit traurig herabhängendem Kostümtusse. Einer dieser plötzlichen mit Hagel vermischten Regenschauern trieb die auf den Zug wartenden Uerdinger Narren in die Hauseingänge. Wohl dem, der bei seinem Bierstand ein Dach eingeplant hatte. Die Uerdinger sind ein feierfreudiger Teil der Krefelder. Mit allem möglichen regenabweisenden Plastikmaterial trotzen sie den nasskalten Wetterunbilden und sind bester Stimmung. Dennoch zeigen manche junge Frauen Bein, eine freundliche Geste, die sie vermutlich von den winterharten Britinnen abgeschaut hatten.

Eine große Dogge in einem blau-roten Superman-Kostüm sucht leicht irritiert zwischen den auf der Straße Feiernden nach etwas, das sie nicht findet. Vielleicht hätte Herrchen ihr vorher ein wenig den Sinn der fünften Jahreszeit erklären sollen. Kostüme aus wärmendem Pelz sind der Hit. Unter die vielen Pelztiere haben sich dennoch viele Drachen, Pinocchios, Frösche, Totengräber, Mönche, Erdbeeren, Marsianer, Prinzessinnen, Polizisten, Clowns, Harlekine gemischt. Überhaupt scheint die Freude am Straßenkarneval im fantasievollen Kostüm wieder zu wachsen.

Autofahrer, die zufällig Uerdingen queren wollten, werden weniger Spaß empfunden haben. Große 40-Tonner Lkw sperrten die Zufahrten zu dem Zugwege des Tulpensonntagszuges ab. Fantasie war bei denen gefragt, die ihr Fahrzeug aus dieser Sperrzone bewegen wollten, denn die Sperren blieben nach Zugende noch eine Zeit lang stehen.

Die zum Schutz des Zuges reichlich aufgebotene Polizei war für manche Jugendliche immer ein Anlass für irgendwelche Zurufe, die die Polizisten gelassen ironisch konterten. Je jünger die Zugbesucher, desto distanzloser das Verhältnis zum Alkohol. Auf dem nasskalten Boden an der Traarer Straße hatte sich ein erschöpfter älterer Narr niedergelassen, um ein alkoholbedingtes Nickerchen zu machen. Eigentlich schade, wenn der Zug so verpasst wird. Dafür genießen die Familien mit ihren Kindern das Warten auf den Zug. Die Kinder tollen kostümiert umher, manche der Älteren wagen ein Tänzchen auf dem nassen Asphalt.

Mittlerweile ist das Spalier der am Straßenrand Wartenden dichter geworden. Die Straßenmusik an den privaten Bierständen wechselt auf "Jetzt geht´s los!" Nach den beiden Brezelverkäufern, denen eine nahe Pizzeria mit ihren Pizzastücken zuvorgekommen war, näherte sich dann der Zug mit der großen bunten Fußgruppe der Vorstadtbande", von deren Wagen wie auch von den anderen Zugwagen das süße Wurfmaterial gezielt an den Erwachsenen vorbei den Kindern zugeworfen wurde.

Der Folgewagen war der einzige mit einem Uerdingen betreffenden Slogan: "Bravo, Oeding, dat wor jood, Rhine-Side gegen Ladentod." Ansonsten jede Menge Buntes, aber unkritisch vorgeführt. Es folgten die Große Krefelder Tanzgarde 1878, der Wagen des Rumelner Dorfadels, das Krefelder Fanfarenkorps und dahinter der Rock'n'Roll Club Number One, der eine auffällige Klatschpantomime einstudiert hatte. Ganz in den Wilden Westen hatte sich die KG Eulenturm versetzt, gefolgt von einem in Reklame kostümierten Wagen des Lokalblattes "Hallo Uerdingen".

Auf die "Zusammengewürfelten Narren" folgte der Wagen von Kinderprinz Manuel II, der mit seinen unermüdlichen "Helau!" - Rufen für ein wenig Schwung unter den am Straßenrand Frierenden sorgte. Eine gute Idee war die "Rollende Chefarztsprechstunde" des Malteser Krankenhauses und der KG Op de Höh, der man angesichts der politischen Diskussion eine schärfere Pointierung gewünscht hätte. Aufsehen erregte wieder die laut böllernde Kanone der Uerdinger Bürgerwehr, der dann in sicherem Abstand der Prunkwagen mit Prinz Reimund II und Prinzessin Klaudia I folgte und den Schluss des Umzuges bildete.

Insgesamt schien der Uerdinger Zug etwas kürzer zu sein als der des Vorjahres. Auch zogen weniger Fußgruppen mit. Vielleicht ein Effekt der ausufernden Sicherheitsbürokratie, die von jedem Teilnehmer mittlerweile einen Beitrag fordert und dem Brauchtum immer stärker zusetzt.

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(oes)