Altweiber 2014 in Krefeld: Rathäuser in Narrenhand

Krefeld : Rathäuser sind offiziell in Narrenhand

Erster Höhepunkt im Straßenkarneval: Die Rathäuser in Krefeld, Bockum und Uerdingen wurden von Narren gestürmt.

Irgendwann blieb Gregor Kathstede keine Wahl mehr. "Ich glaube, das nimmt hier Ausmaße an, die ich nicht mehr abwehren kann." Auf dem voll besetzten Rathausbalkon vermochte sich der Oberbürgermeister nach rund 20 Minuten des zähen Ringens nicht mehr verteidigen und musste den Rathausschlüssel in die Hände der "Krieewelsche Wiewerr" übergeben.

Die Frauentruppe hatte sich schon morgens früh auf der Mühlenstraße im Atelier von Künstlerin und Ex-Prinzessin Gabriele Leigraf getroffen, um einen wahren Karnevalsmarathon bis zum Rathaus zurückzulegen: vom "Närrischen Niederrhein" in der Brauerei Königshof über die Josefschule, die Sparkasse am Ostwall und die Zentrale der SWK bis hin zum Seidenweberhaus.

Von dort aus marschierten die "alten Weiber" zum Rathaus, wo sie ab 16 Uhr mit Kathstede um die Vorherrschaft in der Seidenstadt gerungen haben. Im kämpferischen Gespräch mit Prinz Michael I. (Zecha) und dem OB unterstellten die Frauen, dass es Zeit sei, die Macht zu übernehmen, weil Männer zu viel redeten. "Das hat man doch bei der Edathy-Affäre gesehen, das waren auch alles Männer, die da gequatscht haben."

Die Frauen wollten als neue "Machthaber" erst einmal ihr Putzkommando über den Theaterplatz schicken. Vom Rathausplatz aus verfolgten rund 100 verkleidete Krefelder das Wortgefecht auf dem Balkon. Im Rathaus ging die Party, die in den Stunden vorher langsam angelaufen war, nach der Erstürmung erst richtig los. Dort, wo sonst Bürger und Beamte durchs Eingangsportal schreiten, nahmen die Jecken das Tanzbein in die Hand.

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Am Rande der Tanzfläche hatten sich CDU-Chef Marc Blondin im Clownskostüm mit seinem Fraktionsvorsitzenden Philibert Reuters und dessen Vize Britta Oellers niedergelassen. Seinen schwarzen Umhang mit bunten Punkten wusste Blondin als politische Botschaft zu deuten. "Die Grundfarbe ist schwarz, die farbigen Tupfer kommen nur obendrauf — und meine rote Perücke sitzt auch nicht so richtig." Bürgermeister Frank Meyer hatte ein Mönchskostüm angelegt, aber keine asketischen Pläne: "Mal sehen, wo es später noch hingeht", überlegte er, "in den letzten Jahren haben mich die Fraktionskollegen immer in den Jazzkeller gezerrt."

Mit Liebe zum Detail ist Beate Wölfges mit 15 Freunden und Bekannten gekommen. Den Rock zu ihrem Marienkäfer-Outfit hat die 50-Jährige von einer Schneiderin anfertigen lassen. "Eigentlich wollten noch einige Freundinnen im gleichen Kostüm hier aufschlagen. Die haben aber gekniffen. Jetzt werde ich umso mehr feiern", sagte Wölfges und schritt zur Tanzfläche.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Krefeld: So jeck war der Rathaussturm 2014

(anch)
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