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Karneval in Krefeld: Sitzungen in Hüls, Fischeln und im Stadtwaldhaus

Karneval in Krefeld : Feiern mit Schlagermafia und Trina

Der Hülser Karneval hat einen neuen Star: eine leibhaftige Trina. Daniela I. Kühn führt das weibliche Regiment im Breetlook-Land. Am Sonntag wurde sie proklamiert. Auch in anderen Sälen, in Fischeln und im Stadtwaldhaus, wurde am Wochenende ausgiebig Karneval gefeiert.

DIE ROSA JECKEN setzen auf Toleranz und Vielfalt im Karneval:

„Nur durch uns ist die Welt so bunt und so schön“, heißt es im Lied „Rosa Jecken überall“, das Tina Tonelli alias Torsten Staude, Präsident der KG Rosa Jecken 2001, am Samstagabend im ausverkauften Saal des Stadtwaldhauses voller Überzeugung sang. Unter dem Motto „Jeck unterm Regenbogen“ hatten die Rosa Jecken zu ihrer 19. Kostümsitzungs-Party geladen. Rund 400 fantasievoll kostümierte Narren und Närrinnen waren gekommen, um ein famoses Programm mit stimmungsvoller Musik und grandiosen Tanzeinlagen zu genießen. Dabei wurde das Regenbogen-Motto von so manchem Jeck in die Kostümierung integriert und zwar in Form von bunten Hüten, Perücken oder Shirts.

Die KG Rosa Jecken steht für Akzeptanz und Toleranz, ungeachtet der sexuellen Ausrichtung oder Herkunft. Kontakte zwischen homo- und heterosexuellen Menschen sollen gefördert, Vorurteile abgebaut werden. Deshalb freute sich der Elferrat ganz besonders darüber, das erste schwule Prinzenpaar des Rheinlands – Axel I. und Niersius Thorsten I. – aus dem benachbarten Mönchengladbach  bei ihrer Kostümsitzung begrüßen zu dürfen. Und selbstverständlich schaute außerdem das Krefelder Prinzenpaar Dirk I. und Marita I., das ebenfalls auf Toleranz und Vielfalt im Karneval setzt, vorbei.

Die „Schlagermafia“ brachte den Saal mit Hits wie „Ein bisschen Spaß muss sein“, „Du kannst nicht immer 17 sein“ und „Atemlos“ zum Kochen. Ansonsten hatten die beiden auch Songs der Neuen Deutschen Welle im Gepäck sowie englische Gassenhauer und „Country Roads“.  Die beiden bestens aufgelegten Sänger informierten die Zuschauer, dass sie sonst meist als „Rausschmeißer“ am Ende von Veranstaltungen engagiert werden, es aber auch toll sei, wie hier, relativ vorne im Programm aufzutreten. Das sympathische Duo bekam den Sessions-Orden und tosenden Beifall. Tolle Hebefiguren und  super Tanzeinlagen zeigte die Tanzgarde Krefeld Stahldorf. Echt kölsche Musik präsentierte die Band „Hätzblatt“. Da durfte, neben eigenen Songs, natürlich „Nur ne Kölsche Jung“ nicht fehlen. Zudem versicherten die Vollblutmusiker, dass keiner von ihnen „Ein Mann für eine Nacht“ sei.

Niveauvolle Travestiekunst brachte „Miss Chantal“ auf die Bühne. Die hochgewachsene Blondine setzte auf exklusive Kostüme, sprühenden Wortwitz und gesangliche Vielfalt, die von Popsongs über Evergreens bis hin zu Musicalhits reichte. Ebenfalls mit dabei: die Mundartband „Kröetsch“, die Parodisten-Gruppe „Die 3 Colonias“ sowie die Stimmungsmacher „De 5 Fleje“.

Gesammelt wurde während der Sitzung für den Krefelder Zoo. „Dazu haben wir uns wegen der schrecklichen Ereignisse in der Silvesternacht spontan entschlossen“, erklärte einer der beiden Vorsitzenden der Rosa Jecken, René Sellmer.

DIE FIDELE STRÖPP feiern im Burghof Fischeln: Sträfling neben Hexe, Biene Maja, diverse Minnie Mäuse, Clowns und Uncle Sam – die Kostüm-Vielfalt im Fischelner  Burghof war schier endlos: Am Samstagabend feierte die Karnevalsgesellschaft Fidele Ströpp mit Fischelnern und Königshofern ihre Große Närrische Sitzung. Der zweite Vorsitzende der Gesellschaft, Lothar Hanke, begrüßte das Publikum im ausverkauften Saal und erinnerte zu Beginn kurz daran, dass Freud‘ und Leid manchmal nah beieinander liegen: Er bat die Besucher um kurzes Gedenken an zwei langjährige Vorstandsmitglieder, die im vergangenen Jahr verstorben waren.

Danach überwog im Saal die Freude, und die Sitzung begann mit dem Einzug des Thronrates und dem Vereinslied unter dem prägenden Refrain: „Es lebe hoch die Narretei!“ Wie bei den „Ströpp“ üblich, gestalteten die Mitglieder viele Programmpunkte mit eigenen Mitwirkenden – die Kleinsten machten den Anfang: Präsident Oliver Troost präsentierte mit sichtlichem Stolz die „Tanzflöhe“ – die kleine und die große Garde der Gesellschaft. Die Kinder und Jugendlichen zeigten erst ihre Sessionstänze und im späteren Verlauf des Abends die Show-Tänze – sie überzeugten mit viel Konzentration und Einsatz.

Es folgte die Ansprache von Felix Dietsch, der sich in diesem Jahr für ein Jackett im Leo-Print entschieden hatte und inhaltlich auf seinen nicht-närrischen Beruf als Lehrer zurückgriff. Grundsätzlich seien Schule und Karneval ja gar nicht so verschieden, meinte er: „Ich stehe vor seltsam gekleideten Menschen und erzähle was…“ Auch verschiedene Schüler-Typen entdeckte er im Saal: „Hinten sitzen die Lautesten, hier vorne die Streber und da ist die Süße, die auf ihr Handy guckt…“ Eine Gruppe von Panzerknackern setzte er mit den „Comic Nerds“ gleich. Danach ging es in der Lehrer-Theorie pädagogisch weiter mit der Aktivierung des Wissens: Das Publikum musste Karnevalslieder als Lückentext ergänzen und überraschte den „Lehrer“ mit nicht endenwollender Sangesfreude – gegen die half nur die Geste des „Schweigefuchses“ – eindeutig/ zweideutig umfunktioniert in das „Schweige-Einhorn“.

Mit dem Uerdinger und dem Krefelder Prinzenpaar besuchten hochrangige Karnevalisten den Saal – wobei Klaus II. und Silvia I. (Uerdingen) sich in ihrer „Heimat“ – sie wohnen in Fischeln – sichtlich wohlfühlten.

Gar nicht „pantoffelhaft“ sondern viel mehr lebendig und dynamisch präsentierte sich die Tanzgruppe der Ströpppantöffelchen: Die fantasievoll kostümierten Garde-Herren schufen musikalisch-tänzerische Brücken von „Leev Marie“ über die „Piraten“ bis zum „Kölschen Jung“ Lukas Podolski.

Das Publikum verbrachte mit den verschiedensten Programmpunkten fast fünf vergnügliche Stunden im Burghof. Nach Ende des offiziellen Programms wurde mit Party-Musik der „Dorfmöpse“ weiter gefeiert.

DIE KKG NETTE STÖLLE JONGES feierte eine Premiere. Erstmals ist die Hülser Trina, das Marktweib, das seit jeher das Symbol des Karnevals im Stadtteil ist, nicht nur als solches ein Teil der Session, sondern eine Person. Daniela I. Kühn wurde am Sonntagnachmittag vor einem mit rund 250 Hölsche Jecke gut gefüllten großen Saal der Gaststätte Goldener Hirsch proklamiert.

„Mit der Trina haben wir jetzt eine Symbolfigur ins Leben gerufen, die den Hülser Karneval weit über die Ortsgrenzen hinaus wunderbar repräsentieren wird“, rief der erste Präsident des Vereins, Ralf Gitzelmann zur Proklamation in den Saal, und die neu proklamierte Trina übernahm das Regiment. „Ich bin so aufgeregt“, eröffnete sie und die vielen Besucher verziehen ihr in der Folge auch den einen oder anderen Versprecher und jubelten der neuen Trina zu.

Die wartete auch mit einiger Eigenleistung auf, denn sie verteilte nicht nur einen selbst gestalteten Trina-Orden an das Präsidium des Vereins und einige andere Wegbegleiter inklusive ihren Mann Timo Kühn, sie sang auch ein selbst gedichtetes Lied gemeinsam mit den Karnevalisten. Nach der Melodie von Harry Belafontes „Banana Boat Song“ dichtete sie „Trina komm, lot ma danzo jonn“.

Die neue Trina ist Mutter zweier Kinder und Urhülserin. „Überdies ist sie für uns ein Symbol der Ökumene, denn sie ist Mitglied des Komitees Karnevalszug Hüls. Sie verbindet also den gesamten Karneval in unserem Ort“, erzählte der zweite Präsident der Nette Stölle Jonges, Klaus Block. Die Trina soll fortan neben dem Prinzenpaar eine zentrale Figur im Ort sein und natürlich auch beim Hülser Zug, der in diesem Jahr wieder stattfinden wird, mit dabei sein. „Die Trina wird, wie traditionell in der vergangenen Zeit, auf einem Oldtimer dabei sein“, verriet Gitzelmann. Und natürlich soll Daniela I. auch beim Sturm auf das Rathaus der Stadt Krefeld am Altweibertag mit dabei sein. „Sie wird dann unsere Trinas anführen und unseren Ort sicher würdig vertreten. Zeit hat sie an dem Donnerstag, denn bei uns ist der Dienstag der Tag, an dem wir Altweiber feiern“, erzählte Block grinsend.

Die Hülser Trina wird als Frau mit Kopftuch und Körbchen dargestellt und wedelt mit einem Porree, dem sogenannten Breetlok. Damit verweist sie auf die Legende, dass Marktfrauen mit eben diesem Gemüse beim Einmarsch der Franzosen für glitschige Straßen gesorgt und Pferde zu Fall gebracht haben sollen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So wurde am Wochenende Karneval in Krefeld gefeiert