Unsere Bundestagskandidaten Karl-Heinz Renner - Asket in der Politik

Krefeld · Der frühere Gymnasiallehrer und Grünen-Bundestagskandidat erobert seinen Wahlkreis mit Fotoapparat und Fahrrad.

Besonders wohl fühlt sich Karl-Heinz Renner, wenn er auf seinem Fahrrad den Niederrhein erkundet. Im Idealfall hat der Gymnasiallehrer im Ruhestand seine Fotokamera im Gepäck. Fotografieren ist für den 63-jährigen Krefelder Ratsherrn der Grünen, der nun erstmals für den Bundestag kandidiert, eine Liebeserklärung an die Welt. Renner denkt erst und redet dann. Und wenn er was sagt, dann hat er was zu sagen. Seit vielen Jahren kümmert sich der introvertierte Naturfreund um kommunalpolitische Belange. Die Politik der Grünen hat ihm von Beginn an zugesagt. "Von 80 Prozent des Programm bin ich überzeugt", sagt er. Dennoch ist er der Partei erst 2009 offiziell beigetreten.

Soziales und Gesundheit sind die Felder, die den Vater von vier erwachsenen Söhnen aus seiner Patchworkfamilie besonders interessieren. "Wir Grünen sind im Thema Soziales gut aufgestellt", meint der Kandidat für den Krefelder Süden, Meerbusch, Kaarst, Korschenbroich und Jüchen. Menschen sollten von ihrem Verdienst auch leben können, fordert er. Prekäre Jobs, die vom Staat bezuschusst würden, gehörten abgeschafft. Er sei vorbehaltlos für die Einführung des Mindestlohns. Das sei aber nur eine Krücke, bis die Tarifpartner zu vernünftigen Einigungen kämen.

Renner empfiehlt den Arbeitnehmern, sich wieder stärker in Gewerkschaften zu engagieren. 90 Prozent der Unternehmerschaft seien organisiert, bei den Beschäftigten seien es nur 35 Prozent. Gleichwohl verteidigt er die von Rot-Grün auf den Weg gebrachten Hartz-Reformen. "Sie waren damals der richtige Weg, um die Schwarzarbeit zu bekämpfen", sagt Renner. Dann jedoch habe es eine Fehlentwicklung gegeben – die Zahl der Vollzeitjobs habe sich verringert. "Wir haben aus den Fehlern gelernt", sagt der in Bremen geborene und im Ruhrgebiet aufgewachsene Kandidat. Die Hartz-IV-Bezüge sollten heraufgesetzt und das Motto Fördern statt Überfordern heißen.

Renners Leben ist ein politisches Gesamtkunstwerk und hat stets eine politische Note. Im Beruf kümmerte er sich um die Bildung Heranwachsender, in der Familie setzte er starke Akzente, und in der Politik sorgt er sich ums Gemeinwohl. Er verurteilt die "reine Farbenlehre" – das heißt, er erkennt auch das Engagement der Kollegen aus den anderen politischen Lagern an. Renner ist ein Asket: Er trinkt zum Beispiel keinen Alkohol und ist Vegetarier – seit 25 Jahren. Neuerdings isst er einmal die Woche Fisch, dann aber Zuchtfisch und keinen Wildfang. Nachhaltigkeit hat für Renner eine große Bedeutung. Viele Wünsche stellt er unter diesem Aspekt erst einmal auf den Prüfstand. Für die Bewertung liest er mit großer Ausdauer spezielle Sachbücher fürs Hintergrundwissen.

Meist aber sitzt er fest im Sattel seines Touring-Fahrrads und tritt rund um Münster und rund um Krefeld kräftig in die Pedalen. Auf die Frage, ob er nicht lieber in Deutschlands fahrradfreundlichster Stadt – in Münster – leben möchte, kommt die Antwort postwendend: "Nein, Krefeld ist viel schöner."

(RP)
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