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Kaiser-Wilhelm-Museum Krefeld zeigt Sammlung von Adolf von Beckerath

Kaiser-Wilhelm-Museum Krefeld : Eine kostbare Auslese

Es ist der erste Wechsel in der Reihe „Sammlung in Bewegung“. Seit Juni präsentiert das Kaiser-Wilhelm-Museum in 15 Räumen Kunst und Kunsthandwerk aus seinem Bestand. Zur Sammlung gehören mehr als 20.000 Werke, die bis ins späte Mittelalter zurückreichen.

Vier beeindruckende Darstellungen der Gottesmutter Maria mit ihrem Sohne werden jetzt im Kaiser-Wilhelm-Museum ausgestellt. Unter dem Titel „Kostbare Auslese“ sind sie der erste Wechsel in der „Sammlung in Bewegung“. Seit Juni präsentiert das Kaiser-Wilhelm-Museum in 15 thematischen Räumen Kunst und Kunsthandwerk aus seinem Bestand. „Wir wollen in jedem Raum eine andere Geschichte erzählen“, sagt Museumsleiterin Katia Baudin, „hier wirft unsere wissenschaftliche Volontärin Waleria Dorogova einen frischen Blick auch auf die Museumsgeschichte.“

 Nanni di Bartolo, ( genannt II Rosso,  1419 - 1437), Madonna mit Kind, 1420.
Nanni di Bartolo, ( genannt II Rosso,  1419 - 1437), Madonna mit Kind, 1420. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Die Madonnen stammen alle aus der Sammlung des Adolf von Beckerath (1834-1915), der in Krefeld geboren wurde und in Berlin lebte. Er hat dem 1897 am Karlsplatz begründeten Museum ein Vorkaufsrecht für herausragende skulpturale und kunsthandwerkliche Arbeiten des 15. und 16. Jahrhunderts eingeräumt. „Adolf von Beckerath hat sich als Mäzen seiner Heimatstadt verstanden“, sagte Kuratorin Waleria Dorogova, die sich ausführlich mit der Ankaufsgeschichte befasst hat. Der Briefwechsel des Gründungsdirektors Friedrich Deneken mit Adolf von Beckerath, dem Mitglied einer bedeutenden Familie in Krefelds textiler Geschichte, ist erhalten; Ausschnitte aus den Dokumenten sind in einer Vitrine in dem umgestalteten Raum zu sehen.

 Dieses historische Foto zeigt die Art, wie Kunst im Kaiser-Wilhelm-Museum kurz nach der Eröffnung im Jahr 1899 präsentiert wurde.
Dieses historische Foto zeigt die Art, wie Kunst im Kaiser-Wilhelm-Museum kurz nach der Eröffnung im Jahr 1899 präsentiert wurde. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)
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Der Museumsverein konnte einen Teil der Beckerathschen Sammlung erwerben und zeigte sie damals im „Renaissance-Zimmer“, von dem Fotos zu sehen sind. Über der Vitrine hängen drei Albuminabzüge, die Adolf von Beckerath bei einer seiner Reisen in Rom aufgenommen hat und die sein starkes Interesse an dieser italienischen Kunst zeigen.

 Nach Donatello, Madonna mit Kind, 1450. Donatello (eigentlich Donato di Niccolò di Betto Bardi; um 1386 in Florenz; gestorben 1466 in Florenz) war also schon zu Lebzeiten so bekannt, dass er kopiert wurde. Auffällig ist die innige Art, wie Maria den Kopf des Säuglings mit den Fingern stützt, so wie man es bei Säuglingen tun soll.
Nach Donatello, Madonna mit Kind, 1450. Donatello (eigentlich Donato di Niccolò di Betto Bardi; um 1386 in Florenz; gestorben 1466 in Florenz) war also schon zu Lebzeiten so bekannt, dass er kopiert wurde. Auffällig ist die innige Art, wie Maria den Kopf des Säuglings mit den Fingern stützt, so wie man es bei Säuglingen tun soll. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Die Erwerbungen zeigte das Kaiser-Wilhelm-Museum in den Jahren 1916 und 1929: „Die Ankaufsgeschichte zeigt, wie groß die Ambitionen des jungen KWM waren und wie groß auch die Unterstützung durch die Bürgerschaft“, sagt Waleria Dorogova. Für die Meisterwerke der Renaissance, die etwa 30 Plastiken, zahlreiche Majoliken und auch Bronzen umfasste, wurde damals 100.000 Mark ausgegeben.

 Nachbildung der Pieta von  Michelangelo (1475-1564), frühes 17. Jahrhundert, Bronze, vergoldet.
Nachbildung der Pieta von  Michelangelo (1475-1564), frühes 17. Jahrhundert, Bronze, vergoldet. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Vier Madonnen kann der Besucher in Augenschein nehmen: Sie wurden in einem Zeitraum von 130 Jahren geschaffen. Glänzend steht eine vergoldete Bronze auf einem Sockel, die der um 1500 entstandenen vatikanischen Pietà von Michelangelo nachgebildet ist.

An der Stirnwand des Raumes hängen drei skulpturale Madonnen mit dem Kinde, die sowohl in der Auffassung wie in ihere Materialität eine Entwicklung zeigen. Aus dem frühen 15. Jahrhundert stammt eine fast lebensgroße Figur in rotem Gewand und blauem Himmelsmantel. Das aufgeschlagene Buch in ihrer Hand beginnt mit dem Lobgesang Mariens: „Meine Seele preist den Herrn.“ Sie wurde von Nanni de Bartolo (gen. Il Rosso) aus Terracotta gefertigt.

Bei der zweiten Madonna handelt es sich um eine Stuckarbeit, bei der sich der Knabe voller Vertrauen an seine Mutter mit dem Heiligenschein schmiegt. Die dritte Darstellung wurde aus Pappmaché gefertigt und bezieht sich in ihrer Auffassung auf das klassische antike Ideal, dem man in der Hochrenaissance nacheiferte. Maria trägt ein römisch anmutendes Gewand; die Vergoldung bezeugt Reichtum. Allen Madonnen ist eines gemeinsam: „Im Blick der Mutter ist die Voraussicht auf die Passion“, sagt Waleria Dorogova.

Zur Zeit ihres Ankaufs erfüllten diese Kunstwerke eine Sehnsucht nach Kunst, die nicht auf kurzem Wege zugänglich war. Sie bedeuteten einen großen Gewinn für die Museumsbesucher, denn sie öffneten den Blick. Und das tun die auserlesenen Kostbarkeiten auch heute.