Kabarettpreisverleihung im Stadtwaldhaus „Eure Biergläser sind in Bayern Schnapsgläser – Krefelder Krähe geht an Puppe „Wolpert“

Krefeld · Erstmals ist der Kabarettpreis Krefelder Krähe an eine Puppe gegangen – genauer: an Joe Heinrich und seinen Wolpert. Der Abend mit den drei Preisträgerin wurde fulminant gefeiert, die Laudatio auf den Sieger sprach der Nestor der Krefelder Kabarettszene und Gründer der Krähen, Jochen Butz.

Erstmals ging die Krefelder Krähe an eine Puppe respektive ihren Puppenspieler Joe Heinrich (2.v.l.), im Bild mit Laudator Jochen Butz (2.v.r.), Stefan Erlenwein von den Krefelder Krähe (r.) und dem aktuellen Leiter Peter Gronsfeld.

Erstmals ging die Krefelder Krähe an eine Puppe respektive ihren Puppenspieler Joe Heinrich (2.v.l.), im Bild mit Laudator Jochen Butz (2.v.r.), Stefan Erlenwein von den Krefelder Krähe (r.) und dem aktuellen Leiter Peter Gronsfeld.

Foto: Mark Mocnik

Am 8. und 9. März dieses Jahres traten insgesamt sechs Solo-Künstler und ein Trio zu einem Wettbewerb im Saal des Stadtwaldhauses an. Ihr Ziel: der Gewinn des renommierten und begehrten Kabarettpreises „Krefelder Krähe“. Dieser wird immer im Wechsel an einen prominenten Kabarettisten und an einen Nachwuchs-Kabarettisten vergeben. Diesmal wurde letzterer vom Publikum, dem Krähen-Ensemble sowie einer Fach-Jury ermittelt.

Am Samstagabend stand nun die festliche Preisverleihung auf dem Programm. Über den dritten Platz freute sich Niko Nagl aus Klosterneuburg (Österreich), den zweiten Rang belegte das Trio „Frau Rotkohl“ aus Berlin. Und die „Krefelder Krähe“ ging an Joe Heinrich und seine Puppe „Der Wolpert“ aus Landsberg am Lech. Bevor es Preise und Urkunden gab, erfreuten die äußerst talentierten Nachwuchs-Kabarettisten das zahlreich erschienene Publikum erneut mit tollen Performances, die sich, so schreibt es das Krähen-Regelwerk vor, deutlich von den Wettbewerbs-Auftritten im letzten Monat unterschieden.

Den Auftakt machte Niko Nagl, der auf charmant verpackten, zynischen Humor setzte. Die Gesellschaft sei gespalten, im Kleinen und im Großen, meinte der junge Mann. Für viele stellten sich prekäre Fragen: „Apfelstrudel mit oder ohne Rosinen? Pizza Hawaii oder Selbstachtung?“ Und da ist noch die Sache mit dem Feindbild, denn das müsse auf jeden Fall her, denn: „Schuld sind immer die anderen!“ Gut sei auch, Ärger von sich selber abzuwenden. Man könne zum Beispiel auf seine Haustür schreiben, dass hier kein Platz für Fahrraddiebe und Einbrecher sei. Wenn ein Krimineller das lese, breche er nämlich beim Nachbarn ein. Überhaupt würden viele, vor allem Behörden, gern mit Schildern, auf das Offensichtliche hinweisen – „Achtung, Gehwegschäden!“ –, aber nichts gegen solche Probleme unternehmen. Den bissig-amüsanten Auftritt von Niko Nagl quittierte das Publikum mit herzlichem Beifall. Zudem erhielt Niko Nagl für den dritten Platz eine Urkunde sowie ein Preisgeld in Höhe von 1000 Euro.

Reichlich Antritts-Applaus bekam das zweitplatzierte Trio „Frau Rotkohl“. Die eröffneten ihre Performance mit den Worten: „Hallo, wir schreiben Lieder und das Problem ist: Wir singen sie auch!“ Zuerst gab es ein Liebeslied, das eigentlich von der Heimatstadt des Trios, also Berlin, handelt, aber auf „Krefeld“ umgedichtet wurde. Ein Lied, das „Limericks“ zum Thema hatte, informierte unter anderem über einen Mobber aus Gera, der nicht gestoppt wurde, denn: „Er war leider der Lehrer.“ Sehr gut aufgenommen wurde auch der Song über „Helikopter-Eltern“. So ein Verhalten habe ja im Prinzip keinen schädlichen Einfluss auf die Kinder, die müssten schließlich nie selbst zur Schule gehen oder gar selbstständig werden. Dumm nur, wenn der eigene Vater noch in der Uni hinter einem sitzt und mitschreibt: „Vor allem, wenn der Filius der Professor ist, der vorne spricht!“ Da hilft es eigentlich nur noch, sich einen eigenen Bunker im Garten zu bauen und sich vor der Welt zu verstecken. Donnernder Applaus und Zugabe-Rufe für „Frau Rotkohl“! Das Trio gab daraufhin noch mal ein Lied zum Besten, das schon bei ihrem Auftritt im März sehr gut ankam. In dem wird einer der drei, nämlich Jon, von den anderen beiden auf kreative Weise durch den Kakao gezogen, um nicht zu sagen, gemobbt. Verdientermaßen gab es anschließend eine Urkunde sowie ein Preisgeld in Höhe von 2000 Euro.

Nach einer Pause war es dann soweit: Der Erstplatzierte Joe Heinrich und sein „Wolpert“ enterten die Bühne. Und das mit viel Stil und Drama. Zunächst zeigte sich der Puppenspieler am Saaleingang und verkündete, dass er erst mal die Lage checken müsse. Er bat einen Herrn, den Mittelgang freizumachen: „Wenn das geht, vom Bauch her, meine ich.“ Als dann alles frei war, trugen zwei Männer vom Krähen-Ensemble den Wolpert in einer Sänfte in Richtung Bühne. An seinem Bestimmungsort angekommen, stellte Heinrich für den Star des Abends eine kleine Bühne auf und verschwand selbst hinter dieser. Und dann zeigte sich der Wolpert endlich, der nach eigener Überzeugung Clooney George ähnlich sieht.

Doch der Beifall war ihm nicht frenetisch genug, deshalb verschwand er kurz, kam erneut hervor– und empfand den nun aufbrandenden Jubel als durchaus angemessen. Der Wolpert ließ seine Fans wissen, dass er sich mit Bekloppten auskenne: „Ich komme schließlich aus Bayern!“ Schnell verlangte er das Preisgeld. Mit der Kohle wolle er abhauen und auf Kreuzfahrt gehen. „Aber gut, vorher kriegt ihr noch eine Show“, ließ sich der kleine Geselle überreden. Aufgefallen war ihm in Krefeld, das, wie er glaubt, irgendwo im Norden Richtung Island liegt, dass die Biergläser hier so groß wie die Schnapsgläser in Bayern seien. Danach lässt er ein paar Gastpuppen auftreten, darunter Udo Lindenberg, Donald Trump, Recep Erdogan und Olaf Scholz.

Und schließlich gab es das vom Wolpert begehrte Preisgeld in Höhe von 3000 Euro und die formschöne Skulptur „Krefelder Krähe“ vom Atelier Ettl. Die Laudatio auf den Preisträger 2024 hielt der Krähen-Gründer Jochen Butz. Zum ersten Mal werde ein Puppenspieler geehrt, erklärte Butz. Joe Heinrich besteche durch eine geistreiche und witzige Performance. Sein Wolpert sei ein skurriles und charmantes Wesen, das einen ätzenden Blick auf die Welt wirft. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

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