Aktion in Krefeld KAB ruft auf zu Protest-Postkarten an den Bundeskanzler

Krefeld · Am 1. Mai fällt der Startschuss der Aktion „Meine Stimme gegen prekäre Arbeit“ der Krefelder KAB. Interessierte können Protest-Postkarten direkt an den Bundeskanzler schicken. Die Karte schuf ein Krefelder Künstler.

 Uwe Schummer und Guenter Weber von der KAB Krefeld stellen die Postkartenaktion gegen prekäre Arbeit vor.

Uwe Schummer und Guenter Weber von der KAB Krefeld stellen die Postkartenaktion gegen prekäre Arbeit vor.

Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Der 1. Mai 2023 ist der Startschuss der Aktion „Meine Stimme gegen prekäre Arbeit“ der Katholische-Arbeitnehmer-Bewegung-Gruppe (KAB) der Diözese Aachen. Die KAB hat schon seit 2021 einen Schwerpunkt auf die Themen prekäre Arbeit und Kehrseiten des Kapitalismus gelegt, der sich auch in ihrem neuen Leitantrag „WERTvoll arbeiten – menschenwürdig statt prekär“ widerspiegelt. Nun wollen Uwe Schummer (Vorsitzender) und Günter Weber (Bezirkssekretär) das Ganze - pünktlich zum Tag der Arbeit – in die nächste Phase führen und fordern nichts Geringeres als die weltweite Abschaffung prekärer Arbeit. „Arbeit muss wertvoll sein und muss auch so behandelt werden“, konstatiert Schummer.

Für die Protestaktion mit dem Namen „Meine Stimme gegen prekäre Arbeit“, werden Bürger dazu aufgerufen, eigens dafür designte Postkarten direkt ins Bundeskanzleramt zu schicken. Der KAB verlangt damit von der Ampelkoalition, die Versprechen des Koalitionsvertrags einzulösen: „Wir wollen prekäre Arbeit komplett abgeschafft haben“, fordert Schummer, der seit 2003 stellvertretender Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Viersen ist. Dazu sollen am 1. Mai die Leute aktiviert werden.

Das Projekt, das ursprünglich lokal angedacht war, hat inzwischen bundesweite Kreise gezogen: Vier verschiedene Diözesanverbände, unter anderem in Bayern, haben bereits mehrere Tausend Karten bestellt und werden sie an Interessierte abgeben. In Krefeld selbst, werden die Postkarten von der KAB frankiert. Zu diesem Zwecke sollen Interessierte die unterschriebenen Karten in einen eigens dafür aufgestellten Briefkasten einwerfen. Von dort aus werden sie in Sammelumschlägen auf den Weg nach Berlin geschickt. „So werden die in Berlin immer dran erinnert, dass da Druck ist“, erklärt Schummer. Ob das auch zu konkreten Änderungen führen würde, stehe natürlich auf einem anderen Blatt. Im Koalitionspapier wäre aber ganz klar festgehalten, dass prekäre Arbeit abgeschafft werden soll. Aber auch auf lokaler Ebene will die KAB-Gruppe am Ball bleiben: Noch diese Wochen sollen Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Krefeld eine Postkarte erhalten, um sie für das Thema zu sensibilisieren. Insgesamt sollen bald 8000 KAB-Postkarten zirkulieren. Die Aktion läuft das ganze Jahr 2023 über und soll den Druck auf das Bundeskanzleramt konstant aufrechterhalten.

 Postkartenaktion der KAB der Diözese Aachen gegen prekäre Arbeit: Die Postkarte (Ausschnitt) wurde vom Krefelder Künstler Klaus Polenz gestaltet.

Postkartenaktion der KAB der Diözese Aachen gegen prekäre Arbeit: Die Postkarte (Ausschnitt) wurde vom Krefelder Künstler Klaus Polenz gestaltet.

Foto: Repro: Jens Voss; Grafik: Klaus Polenz/Repro: Jens Voss, Grafik: Klaus Polenz

Seit den 1990ern ist laut KAB eine Erosion der Tarifbindungen in Deutschland zu beobachten. Inzwischen liegt sie nur bei 44 Prozent. „Wir brauchen 80 Prozent Tarifbindung“, fordert Schummer. „Tarifbindung muss die Normalität sein, nicht die Ausnahme.“ Zu den Forderungen des KAB gehört außerdem, dass Werkverträge im Kernbereich der Unternehmen verboten werden sollen. Nur so könnten die miserablen Arbeitsbedingungen von Arbeitsmigranten aus osteuropäischen Ländern, die gezielt von Subunternehmern nach Deutschland gelockt würden, oder auch von alleinerziehenden Eltern verbessert werden. Eine weitere zentrale Forderung der KAB ist, dass Beschäftigte bereits ab dem ersten verdienten Euro sozialversicherungspflichtig sind.

„Europa hat das Versprechen gemacht, faire Arbeit zu entwickeln“, so Schummer. Es könne also nicht sein, dass bulgarische Arbeitskräfte entlang der niederländisch-niederrheinischen Grenze unter menschenunwürdigen Bedingungen hausen müssten, ihren Lohn vorenthalten bekämen und im Krankheitsfall obdachlos und ohne Rückreisemöglichkeiten bei deutschen Sozialämtern aufschlägen.

Die KAB zieht mit diesen Forderungen an einem Strang mit Gewerkschaften, Sozialverbänden sowie katholischen und evangelischen Gruppen. Schummer sieht dringenden Handlungsbedarf in Berlin: „Anständige Unternehmer wollen anständigen Wettbewerb. Wenn einer die Regeln bricht, brechen alle die Regeln. Und Wettbewerb darf es nur mit Wettbewerbsrecht geben.“