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Junge Kunst aus Krefeld mit multimedialen Frucht-Selfies ist im Kunstverein zu sehen

Ausstellungen in Krefeld : Junge Kunst aus Krefeld im Buschhüterhaus

Beim Kunstverein stellen Finn Wagner und Julius Brauckmann ihre multimedialen Arbeiten zu den Themen Mensch, Natur, Technik und Umwelt aus. Ab 9. Oktober ist die Ausstellung zu sehen.

Unter der Oberfläche: Fake oder Fakt? Die Ausstellung „Connec“ macht sich die Ästhetik der Werbeindustrie zu eigen und stellt sie gleichzeitig in Frage. Sehgewohnheiten werden gestört und Selfies durch herabfallendes Obst ausgelöst. Ab Freitag, 9. Oktober, ist „Junge Kunst aus Krefeld“ beim Krefelder Kunstverein im Buschhüterhaus, Westwall 124, zu sehen.

Mit der Signatur bezeugt ein Künstler die Echtheit seines Werkes, vorausgesetzt er arbeitet analog. Bei Pablo Picasso – Vorbild und Inbegriff der Modernen Kunst – sind Werk und Signatur fast untrennbar miteinander verbunden. Picasso selbst etablierte sich als Weltmarke, er strich seine Initialen und signierte nur noch mit „Picasso“. Um 1900 hat kaum ein anderer Künstler mit dem Namen gezeichnet. Rund 100 Jahre später kauft der französische Automobilhersteller Citroën für viel Geld die Signatur des spanischen Künstlers und markiert eine Serie von Autos mit der prägnanten „Picasso“-Signatur am Bug.

Solche Signaturen werten die Autos auf, verleihen ihnen etwas ansteckend Fröhlich-Exklusives“, das  – was sonst – zum Kauf anreizen soll.

Diese Werbebotschaft macht sich Julius Brauckmann, 1986 in Krefeld geboren, zu eigen und hinterfragt sie. Seine Arbeit „C3 Picasso“ ist eine großflächige Fototapete, auf der Brauckmann den Schriftzug mit seiner Reflexion abfotografiert und sich in jedem der sieben Buchstaben spiegelt. Auf humorvolle Art spielt der Künstler mit der Verbindung von Kunst und Werbung, sowie mit dem Sujet des Künstlerselbstporträts.

Ganz anders geht Finn Wagner (geb. 1992) vor. Ausgangspunkte sind ebenfalls die Automobilindustrie und die manipulative Wirkung von Werbung. Wagner arbeitet ähnlich wie Brauckmann multimedial. „Trapped in a glaze like in fossilised amber“ zeigt eine Mischung aus inszenierten Objekten in der Wüste von Los Angeles und 3D-animierten Bildern. Der Betrachter rätselt, was ist hier echt und was ist animiert? Neben einem Flachbildschirm befinden sich zwei Glasscheiben, die an einzelnen Stellen Reliefs tragen, sie sind gesandstrahlt – ein aufwendiges Verfahren, mit dem Wagner eine wunderbare und kunstvolle Tiefe herstellt, die im krassen Kontrast zu der auf Hochglanz polierten Oberfläche steht, mit der die Automobilindustrie wirbt. Wagner gelingt ein faszinierendes Wechselspiel aus analogen und digitalen Bildern, die eine Sogwirkung entfalten und sich kunsthistorisch auf die im Los Angeles der 1960er Jahre entstandene Ästhetik des Finish Fetish beziehen – ein Kunststil, der mit dem LA-Look, der Pop-Art, dem Minimalismus sowie mit dem Licht und dem Raum in Südkalifornien in den 1960er Jahren verwandt ist.

In der von Wilko Austermann behutsam kuratierten Ausstellung werden Sehgewohnheiten irritiert und die Betrachter zu bewusstem Hinschauen aufgefordert. Im Obergeschoss des Kunstvereins stellt Austermann formalere und konzeptuelle Arbeiten der jungen Künstler vor. In perfekter Reinheit zeigt das Foto TRI (2017) von Brauckmann einen Pinsel, der einen Schatten auf grünen Grund wirft. Schatten und Pinsel bilden ein Dreieck, doch bei genauem Hinsehen wird deutlich, dass der Schatten gemalt ist.

Brauckmann ist Perfektionist und spielt dennoch mit seinen hohen Ansprüchen an seine Kunst. In der Fotoserie „Fruit Selfie“ drückt er nicht selbst auf den Auslöser. Im temporären Fotostudio mit Selbstauslöser entscheidet die herunterfallende Frucht, wann das Bild entsteht. Humorvoll widmet sich Brauckmann dem Phänomen „Selfie“. Beide Künstler finden eigene Bildsprachen zu den Themen Mensch und Maschine, Natur und Technik und verweisen subtil auf die Folgen für die Umwelt und die Zerstörung natürlichen Lebensraums.