Junge aus Krefeld malt Bildergeschichte über seinen Kampf gegen Blutkrebs

Krefeld: Ein Malbuch über den Kampf gegen Krebs

Der Krefelder Justin Kröll litt an Leukämie. Eine Knochenmarkspende rettete sein Leben. Für den Spender malte er in der Transplantationsklinik eine Bildergeschichte, um sich für die Rettung zu bedanken. Heute haben sie engen Kontakt.

Mit seinen zwölf Jahren hat Justin Kröll aus Linn bereits mehr gesundheitliche Probleme erlebt, als andere Menschen im ganzen Leben. Mit sieben Jahren bekam das fröhliche, sportliche Kind die Diagnose Leukämie. Die Behandlung schien erfolgreich, doch im Alter von neun kam die Leukämie zurück. Jetzt konnte nur noch die Radikalbehandlung helfen: Justin brauchte eine Knochenmarkspende. Das Besondere an dem Jungen. Er hat seinen Kampf gegen den Krebs malend verarbeitet. Entstanden ist ein Bilderbuch, das die Krankheit erklärt, den Schrecken der Menschen zeigt und Mut macht, weil der Kampf zu gewinnen ist. Das Buch war für den Menschen bestimmt, der Justin die lebensrettende Knochenmarkspende gab.

Über die DKMS, die Deutsche Knochenmarkspenderdatei, wurde ein passender Spender gefunden. Die DKMS vermittelt hier als Spender registrierte Personen und ist mit ähnlichen Organisationen in aller Welt vernetzt. „Je mehr Menschen sich typisieren lassen, desto größer sind unsere Chancen, einem Erkrankten zu helfen. Je größer die Übereinstimmung, desto größer die Chance, dass das Immunsystem nach der Spende funktioniert“, sagt Julia Runge von der DKMS.

Dieses Bild zeigt das Blutbild eines an Leukämie Erkrankten: Eine Krebszelle gefährdet die gesunden Blutkörperchen. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Justin Kröll hatte großes Glück. Sein „Genetischer Zwilling“, ein Mann aus der Nähe von Nürnberg, wurde gefunden. Und so bekam der damals Neunjährige die lebensrettende Stammzellspende. In der Transplantationsklinik beschäftigte er sich viel mit Malen. „Justin hat sich nie hängen lassen. Er hat fast jeden Tag die Schulsachen gemacht und die Kunsttherapie durchgezogen“, erzählt Mutter Stefanie. Für den Unterricht kommen in den Kliniken Lehrer zu den Kindern. In eine Schule gehen können sie während der Behandlung, auch wegen Ansteckungsgefahr, nicht. In der Klinik gab es Farben und Papier für eine Kunsttherapie. Der Junge nutzte sie, um für seinen Spender seine Geschichte zu malen. Die Bilderserie beginnt mit einem Torwart beim Fußball. Das war seine Position vor der Krankheit. Der große Fan von Borussia Mönchengladbach hatte damals noch gesundes Blut, wie das nächste Bild mit lachenden Blutkörperchen zeigt. Es folgt die Diagnose, bei der er und seine Eltern in Gegenwart des Arztes weinen, und dann die Behandlung. Krankes Blut mit Krebszellen und Chemotherapie. Die Bilder für die Chemotherapie und die Blutzellen übernahm er aus dem Buch „Chemokasper“, mit dem die Kinder im Helios-Klinikum über die Krankheit und ihre Behandlung informiert werden.

Der Moment der Diagnose: Eltern und der Junge weinen; auch der Arzt ist betroffen. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

In vielen eindrücklichen Bildern schildert das Kind die schwere Zeit. Wie die Haare ausfallen, wie er zur Bestrahlung muss, dann die Knochenmarkspende und schließlich das gesunde Blut und die Entlassung. Das letzte Bild der Reihe ist einfach das Wort „DANKE“. In Großbuchstaben und bunt. Zunächst musste die Familie anonym über die Klinik mit dem Spender kommunizieren. Justin schickte sofort sein Bilderbuch an den noch unbekannten Mann.

Die schwere Zeit der Chemotherapie: Begleiterscheinungen sind Haarausfall und Erbrechen. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Über die Zeit schrieben sie viel, und zwei Jahre nach der Spende erlaubte die DKMS den Austausch der Daten. Das ist der normale Vorgang, damit alle Beteiligten nach der aufregenden Zeit zur Ruhe kommen können. Schnell entstand ein enger Austausch zwischen Spender und Empfänger der Stammzellen. Im Mai dann trafen sie sich. Der Spender kam nach Krefeld „Er war den ganzen Nachmittag bei uns, kam am Mittag und fuhr erst am Abend wieder. Er wollte alles wissen. Wie es war, was ich gedacht und gefühlt habe und so. Das war schon toll. Ich war wirklich aufgeregt, meinen Lebensretter zu treffen“, berichtet der lebensfrohe Junge. Heute liegt die Episode seiner Krankheit hinter ihm. Justin ist ein guter Schüler. Wegen einer Schwerhörigkeit besucht er eine Förderschule und strebt dort den Realschulabschluss an. Die Krankheit liegt aber immer noch bedrohlich auf seinem Leben.

Die Chemotherapie, mit Kinderaugen gesehen: Chemokasper fressen die Krebszellen. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

„Immer, wenn er schlapp ist oder etwas weh tut, dann bekommt er große Angst“, berichtet Mutter Stefanie. Zweieinhalb Jahre ist die Spende jetzt her, und bisher ist alles gut. Nach fünf Jahren gilt ein Patient als endgültig geheilt. Die Aussichten für Justin sind hervorragend. Die Angst wird aber noch lange bleiben. Viele Menschen haben daran mitgearbeitet, sein Leben zu retten. Vom Helios-Klinikum über die Transplantationsklinik in Essen und die DKMS bis hin zu seinem Spender. Nicht nur, weil Justin nun praktisch dessen Blut in den Adern hat, ist eine enge Verbindung zwischen beiden entstanden.

Ein Gegenbesuch in den Sommerferien ist fest geplant. Seinen Dank zeigt der Junge nicht nur dadurch. Er steckt in dem kleinen Bilderbuch und ist in jedem einzelnen Bild zu spüren.