Jugendclub des Theaters zeigt Frühlings Erwachen nach Frank Wedekind

Theater-Jugendclub: Frühlings Erwachen auf der Schaukel

Nach Frank Wedekinds Kindertragödie hat der Jugendclub des Theaters ein Stück über die Pubertät gemacht. Es zeigt die Ängste und Sehnsüchte von Jugendlichen. Am Samstag, 7. Juli, ist Premiere in der Fabrik Heeder.

Als pubertätserfahrener Vater weiß Matthias Stutte, wo sich Jugendliche treffen, wenn sie etwas zu bereden haben, was auf der Seele drückt: „Auf dem Spielplatz im Stadtwald“, sagt er. Deshalb hat der Theaterfotograf die Bühne für „Frühlings Erwachen“ auch in einen vagen Raum verwandelt, der an eine Spielplatzkulisse erinnert. „Wir zeigen das Stück nach Frank Wedekind, mit eigenem Konzept“, sagt Maren Gambusch. Die Theaterpädagogin hat mit dem Jugendclub des Theaters aus der 1901 uraufgeführten Kindertragödie ein Pubertätsstück entwickelt. „Wir haben den Originaltext übernommen, das Stück aber konzeptionell verändert“, sagt Gambusch. Die Premiere am Samstag, 7. Juli, 20 Uhr, in der Fabrik Heeder ist bereits ausverkauft.

An die Sprache haben sich die 15- bis 19-jährigen Theaterspieler erst gewöhnen müssen. Schließlich ist Wedekind seit 100 Jahren tot. Doch mit der Zeit hätten sie sich die ungewohnten Worte und den Rhythmus zu eigen gemacht. Bei einem Testlauf einiger Szenen, die beim Theatertreffen gezeigt wurden, hätten sie auch erlebt, dass die Sprache funktioniert. Und wenn Wedekinds Stück um ungewollte Schwangerschaft und Selbstmord von Jugendlichen heute keinen Skandal mehr provozieren kann wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts, „sind die Themen Verlogenheit, Inhaltslosigkeit, Einsamkeit noch aktuell“, sagt Stutte.

Deshalb war die Idee, die Geschichte zeitlos zu erzählen und in einem surreal anmutenden Raum. Es gibt eine schiefe Ebene, die mit zehn Zentimeter dickem Schaumstoff gepolstert ist (dank finanzieller Unterstützung der Theaterfreunde). „Darauf hat man einen unsicheren Gang, der beschreibt, wie sich junge Leute in der Pubertät hin und hergerissen fühlen“, erläutert Stutte. Hauptspielort sind zwei Schaukeln. „Wir erzählen das Stück als Rückblick von Moritz, der überlegt, was passiert ist und wie es dazu kommen konnte“, erzählt die Regisseurin. Die Schaukeln seien der perfekte Platz für Träume, Gedanken, Reflexionen. Wichtig war Gambusch, dass es ein Stück bleiben sollte, das von der Welt junger Menschen erzählt, die zwischen Kindheit und Erwachsenwerden ihren Weg suchen, Erfahrungen machen, Ängste haben. „Deshalb wollten wir keine Erwachsenenrolle mit Jugendlichen besetzen“, sagt sie. Dazu kommt, dass in dieser Spielzeit nur ein Junge und fünf Mädchen sich für den Jugendclub gemeldet hatten. Für die meisten wird es die erste Bühnenerfahrung sein. „Aber wir spielen mit allen Theater, die mitmachen wollen“, betont Stutte. Dann ist eben die Kreativität des Inszenierungsteams gefragt.

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Die Besetzungsfrage ist pfiffig gelöst: Arne Hommes spielt den Melchior. Judith Kulms, Marta Otten, Mascha Reichenheim, Erika Schelenberg, Isabel Schüten und Nele Rembold sind jeweils für eine Szene die Wendla („ wir folgen da der Entwicklung der Figur“, so Gambusch). Moritz’ Freund Melchior übernehmen die Mädchen als Chor, ebenso die Erwachsenenfiguren, die zwingend für die Geschichte sind. „Sie sprechen als Masse von der oberen Etage der Fabrik Heeder hinunter auf die Jugendlichen“, erzählt Gambusch. Viele Figuren aus Wedekinds Großaufgebot seien aber gestrichen.

Wer mindestens 15 Jahre alt ist und im nächsten Jahr selbst mit dem Jugendclub auf der Theaterbühne stehen will, kann sich ab sofort anmelden per E-Mail an maren.gambusch@theater-kr-mg.de, am 8. und 9. September 2018 gibt es ein Schnupperwochenende. Das neue Projekt ist Shakespeares „Wie es euch gefällt“.

Premiere: Samstag, 7. Juli, 20 Uhr, Fabrik Heeder, Virchowstraße 130 (ausverkauft), weitere Vorstellungen 8., 10. und 11. Juli, Kartentelefon 02151 805125.

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