Jugendamt Krefeld bringt drei verwahrloste Kinder bei Verwandten unter

Razzia im Problemhaus : Jugendamt bringt drei verwahrloste Kinder bei Verwandten unter

Die Zahl der unterstützenden Hilfen bei der Erziehung von Kindern steigt in Krefeld seit Jahren stetig an. Bislang gingen 580 Meldung zu möglicher Kindswohlgefährdung ein.

Vor einer Woche hat das Jugendamt drei verwahrloste Kinder im Alter zwischen drei und elf Jahren aus einem Mehrfamilienhaus an der Philadelphiastraße geholt. Die Aktion erfolgte im Zuge einer Gemeinschaftsaktion von Polizei, Zoll und Vertretern der Stadt, die seit geraumer Zeit in unregelmäßigen Abständen so genannte Problemhäuser kontrolliert. Auch diesmal entdeckten die Beamten vielfältige Verstöße gegen Bauordnung und Ausländerrecht sowie Verdachtsmomente für Straftaten.

Was ist mit den Kindern passiert, wo halten sie sich auf, wie ist ihre Perspektive? Auf detaillierte Fragen hinsichtlich der Verwahrlosung gibt das Jugendamt mit Hinweis auf den Datenschutz keine Auskunft. Die Kinder sind offenbar bei Verwandten untergebracht. Wörtlich erklärte die Stadtverwaltung, „im Rahmen einer häuslichen Überprüfung wurde festgestellt, dass ein Verbleib der Kinder in der Wohnung zunächst nicht möglich war. Die Unterbringung erfolgte im familiären Umfeld. Die Familie wird durch das Jugendamt weiter betreut, damit schnellstmöglich Lösungswege für die bestehenden Problemlagen gefunden werden können“.

Hinweise, worin sich Vernachlässigung beziehungsweise Verwahrlosung bemerkbar machen, gibt die Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugenschutz. Demnach beginnt Vernachlässigung im körperlichen Bereich mit der unzureichenden Ernährung, fehlender Hygiene und mangelnder gesundheitlicher Versorgung oder im psychischen Bereich mit dem Mangel an emotionaler Zuwendung und nachlässiger Aufsicht und Sorge hinsichtlich der Entwicklung des jungen Menschen. In besonders schweren Fällen, wenn unterstützende Hilfen nicht mehr wirkten, müsse das Jugendamt eingreifen und gerichtlich klären lassen, ob den Eltern das Sorgerecht entzogen werden könne, heißt es in einem Glossar der Bundesarbeitsgemeinschaft.

Die Frage, wieso eine Verwahrlosung bei einem Kind oder zwei Kindern, die zur Schule gehen, von Pädagogen und anderen unbemerkt geblieben sind, beantwortete das Jugendamt nicht. Zuständig ist in der Stadt der Fachdienst Team Kindeswohl Krefeld, in dem alle Meldungen zu möglichen Kindeswohlgefährdungen bearbeitet werden. Das habe sich in der Praxis als ein erfolgreiches und zielführendes Organisationsmodell bewährt, betonte die Stadtverwaltung.

Im laufenden Jahr seien bislang rund 580 Meldungen zu möglichen Kindeswohlgefährdungen beim Jugendamt eingegangen und wurden überprüft. Sofern Handlungsbedarfe oder -notwendigkeiten erkannt werden, veranlassen die Fachkräfte alle erforderlichen Schritte zum Schutz der Kinder und Jugendlichen.

Die Unterbringung in einer stationären Jugendhilfeeinrichtung richte sich nach dem pädagogischen Bedarf der Kinder und Jugendlichen und variiere demzufolge sehr stark. In der Regel liegen die Kosten bei mindestens 5000 Euro monatlich.

Die Bedarfe an unterstützenden Hilfen zur Erziehung stiegen seit Jahren stetig an, erklärte eine Sprecherin auf Anfrage unserer Redaktion. Dies sei jedoch kein spezifisches Krefeld-Problem, sondern eine bundesweite Entwicklung.