Jubiläum: Schwimm-Vereinigung Krefeld wird 125 Jahre alt

Schwimmverein : Die Schwimmvereinigung Krefeld wird 125

Einer der ältesten und größten Sportvereine in Krefeld feiert am Sonntag Geburtstag: Auf den Tag genau, am 22. Juli 1893 wurde der Krefelder Schwimm-Verein 1893 gegründet. 1972 wurde er in Schwimmvereinigung Krefeld umbenannt, nachdem der Krefelder Schwimm-Klub 1909 dem Stammverein beigetreten war. Seinen Sitz hat der Club an der Palmstraße. Dort steigt auch am Sonntag die große Jubiläumsfeier.

Die Schwimm-Vereinigung Krefeld 1972 feiert am kommenden Sonntag, 22. Juli, ihr 125-jähriges Bestehen. Zum Festakt auf der Schwimmanlage an der Palmstraße wird Bürgermeisterin Gisela Klaer erwartet, die in Vertretung von OB Frank Meyer zugesagt hat, den Festvortrag zu halten. Der langjährige Vorsitzende Werner Gottschalk freut sich auf einen abwechslungsreichen Tag, der zunächst mit geladenen Gästen beginnt, dann jedoch in einen lockeren Mittag mit Live-Musik auf der Terrasse und Kindertheater weitergeht und schließlich in einen Kabarettabend mit Bademeister Schaluppke mündet.

Das ist möglich, da der am 22.7.1893 gegründete  „Krefelder Schwimm-Verein 1893 e.V“ (KSV93) im Jahr 1972 seinen Namen in Schwimm-Vereinigung Krefeld 1972 e.V. geändert hat. Dieses war abgesprochen worden, nachdem zuvor der nur wenige Jahre jüngere „Krefelder Schwimm-Klub 1909 e.V“ (KSK09) dem KSV beigetreten war.  Somit ist also die 1972 „neugegründete“  SVK 72 ein 125 Jahre alter Verein.

Sinn und Zweck des Zusammenschlusses von KSV und KSK war seinerzeit der Bau einer Grundwasser-unabhängigen, modernen Schwimmanlage an der Palmstraße, die nötig geworden war, nachdem das Grundwasser im Bereich Kliedbruch seit Beginn der 60er Jahre um zwei Meter gefallen war und das ursprüngliche Naturbecken, die „Kull“ neben der Hubert-Houben Kampfbahn, die damals noch Sportplatz Blumenthal hieß,  verschlammte.

Beide Vereine hatten sich kurz nach der Eröffnung des ersten Krefelder Hallenbades, des „Stadtbads Neußer Straße“, einer für etwa eine Million Reichsmark gebauten,  extrem großzügigen Anlage mit Herren- und Damenschwimmhalle, römisch-irischem Bad, Heißluft-, Wannen- und Brausebädern,   gegründet. Der KSV 93 von einer Gruppe wohlsituierter Herren mit dem Ziel „das Schwimmen, als Mittel zur Kräftigung des Körpers und des Geistes zu pflegen, zu üben und volkstümlich zu machen“. Schwimmen konnten zu diesem Zeitpunkt nur wenige Menschen in der Stadt. Im Zuge dessen wurden nicht nur regelmäßige Übungsabende und große Schwimmveranstaltungen mit gemischtem (also sportlichem sowie künstlerischem) Programm durchgeführt, sondern auch jugendlichen Schülern weniger betuchter Bevölkerungsschichten Badekostüme angeschafft und Schwimmkurse ermöglicht. Die im besten Sinne als gesellschaftliche Veranstaltungen zu sehenden Schwimmfeste erfreuten sich großen Zuschauerandrangs und wurden nicht nur Stadtintern sondern auch von Seiten des Deutschen Schwimmverbandes als sehr niveauvoll gelobt.

Der Schwerpunkt des KSK 09 lag vielleicht etwas stärker auf der rein sportlichen Seite, aus seinen Reihen ist Martha (Engfeld-)Genenger, die 1936 bei den Olympischen Spielen die Silbermedaille in 200m Brust hervorgegangen,  Wiltrud Urselmann(-Haferkamp), die 1960 in Rom die olympische Silbermedaille in derselben Disziplin erreichte, hat in beiden Vereinen trainiert.

Beide Vereine überstanden den ersten Weltkrieg und die damit verbunden Schließung des Stadtbades auch indem sie an „Lunkebeins“ und „Holthausens“ Kull, dem Strandbad Westpark Sommerbadeanstalten pflegten.

Die KSVler pachteten  1948 von der Stadt das in den 20er Jahren ursprünglich vom KTV (heute KTSV Preussen) gebaute und von diesem nach dem Krieg nicht weiter bewirtschaftete Naturbad an der Palmstraße, dessen größere Nähe zur Stadt sie schätzten. Der KSK blieb zunächst an der wesentlich größeren Holthausens Kull, an der sie auch Umkleiden und Vereinsheim errichteten, jedoch fiel  deren Nutzung Ende der sechziger Jahre ebenfalls dem sinkenden Grundwasserspiegel zum Opfer.

Nach dem Zusammenschluss 1972 begannen gemeinsame Planung und  Bau, schon 1975 konnte das beheizte, grundwasserunabhängige Freibad an der Palmstraße mit einem 50 Meter Schwimmer- und einem Nichtschwimmerbecken eröffnet werden. Wenige Jahre später kamen ein Babybecken und Gebäude für Technik, Verwaltung und Gastronomie hinzu. Seitdem wächst und gedeiht die „SVK 72“. Sie ist inzwischen auf 5000 Mitglieder angewachsen, und man musste im vergangenen Jahr bereits Aufnahmestopp und Warteliste einrichten.

Beide Vereine sind glücklich zusammengewachsen. Geselliges Miteinander bei Sommer-, Stiftungs- und  Oktoberfesten wird sowohl in Nordbahnhof, Krefelder Hof oder Stadtwaldhaus als auch – so wie das Jubiläum – in der Vereinseigenen  Gastronomie „Zur Kull“  gefeiert. Große Schwimmveranstaltungen, wie der „Samt und Seiden Cup“ bei dem alljährlich fast 1000 Schwimmstarts stattfinden oder Wasserballturniere – zuletzt die U14-NRW-Endrunde, die die SVK-Jungs gewannen – können die geübten Logistiker an der Palmstraße nicht schrecken, nur im Winter weicht man dann gerne ins Bockumer Badezentrum aus. Vor der dortigen Kulisse  sind NRW Schwimmmeisterschaften,  deutsche Wasserballendrunden oder  auch Weltligaspiele – diese in guter Tradition zusammen mit anderen Krefelder Vereinen - ausgerichtet worden. Auch die sportlichen Erfolge lassen nicht zu wünschen übrig: Auf den starken Traditionen aufbauend konnte im Jahr 2013 die erste Deutsche Meisterschaft in der U17-Bundesliga erreicht werden, zwei Jahre später dann mit fast demselben Team auch die Deutsche Meisterschaft in der U19. 

Die Erste Herrenmannschaft  spielt seit 2006 in der höchsten Spielklasse, der Bundesliga. Olympiateilnehmer  (Oliver Dahler, 1996) und auch Bronzemedaillengewinner (Thomas Huber, 1984)  sind im Verein ebenso zu finden wie Masters Weltmeister Thomas Packenius, der mit zahlreichen anderen deutschen Masters-Meistern in den Vierten Herren spielt.

Die lagebedingt kurzen Wege sind eines der Pfunde mit denen der Verein wuchern kann: die günstige Lage westlich des Stadtwaldes führt dazu, dass 85 Prozent der Mitglieder in einem Umkreis von 2,5 Kilometer wohnen und so die meisten Gäste also  mit dem Fahrrad – oder überhaupt  zu Fuß im Bademantel - zum Schwimmen kommen.

Die gepflegte Anlage, die frisch renovierten Duschen, die zuverlässige Wasserqualität, abgerundet von einer freundlichen Gastronomie mit einer Terrasse – all das führt zu einem geselligen Vereinsleben bei der SV Krefeld 72.