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Krefeld: Jubel für Kult-Musical "Black Rider"

Krefeld : Jubel für Kult-Musical "Black Rider"

Seit der Uraufführung in Hamburg 1990 gehört das Stück zu den meistgespielten auf den deutschen Theaterbühnen. Das Premierenpublikum feierte die Inszenierung, das Ensemble und die Songs von Musiklegende Tom Waits.

Der Teufel hat einen lasziven Hüftschwung und eine Stimme die nach zu viel Single Malt und filterlosen Zigaretten in schäbigen Bars klingt. Mit Rosen führt er die armen Menschlein in Versuchung und züchtigt sie erbarmungslos mit der Peitsche: Adrian Linke ist der Black Rider — nach Frank'N'Furter aus der Rocky Horror Show wieder eine verruchte Kultfigur, mit der er die Zuschauer für sich einnimmt. Bei der Premiere von "The Black Rider" wurde nicht nur der Teufel wie ein Star gefeiert. Fürs Ensemble, die Inszenierung (von Rocky-Horror-Regisseur Frank Matthus) und die "Kill Young Devil Band" gab es langen Beifall. Mindestens drei Generationen hatten im ausverkauften Theater zwei Stunden lang höllischen Spaß.

 Der Teufel (Adrian Linke) vergibt die letzte Rose.
Der Teufel (Adrian Linke) vergibt die letzte Rose. Foto: Matthias Stutte

Teufel, waren das Zeiten, als ein Theaterchef eine Fünf-Millionen-D-Mark-Produktion auf die Bühne stellen konnte. Das gelang Jürgen Flimm vor einem Vierteljahrhundert am Hamburger Thalia Theater mit "The Black Rider": William S. Burroughs, Kult-Autor der Beat-Generation, schrieb das Buch nach der Vorlage für den "Freischütz", Musiklegende Tom Waits komponierte die Musik und verfasste die Songtexte, und Starregisseur Robert Wilson inszenierte. Seitdem wird das schräge Musical ständig auf irgendeiner Bühne gegeben. Oft als mehr oder minder schwacher Abglanz der fulminanten Uraufführung.

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Fürs Krefelder Haus hatte Matthus weder einen stattlichen Bruchteil des himmlischen Budgets noch den Wunsch, sich sklavisch an die Urfassung zu halten. Statt eines Abklatsches liefert er ein Bühnenspektakel, das das Zeug zum Kassengold hat.

Der Sessel-Intellektuelle Wilhelm bekommt Förstertochter Katharina erst, wenn er schusssicher ist. Denker sind im Wald nicht gefragt. Die Sache scheint aussichtslos — bis Wilhelm einen Pakt mit dem Teufel eingeht: Der verspricht ihm sechs magische Kugeln, die ihr Ziel niemals verfehlen. Die letzte Kugel aber lenkt Luzifer. Damit ist das fatale Finale programmiert. Matthus bringt die Geschichte mit einem akustischen Crash ins Rollen. Es darf spekuliert werden, ob das Publikum nun Zeuge eines Traums, eines Alptraums, eines Fieberwahns oder Drogenrausches wird. Es geht mitten hinein in ein bildüberflutetes Zwischenreich, in dem Ängste und Sehnsüchte brodeln.

Johanna Maria Burkharts Bühne ist ein Rummelplatz für Glückssucher. Hier ist ständig etwas los: Nebel, Lichtshow und Videobilder mischen sich zu einem Kaleidoskop aus Jahrmarkt und Zeittunnel. Die Akteure sind Puppen. Sie sind kalkweiß geschminkt mit riesigen Augen, wie das Personal einer Geisterbahn, das man seit Urzeiten kennt und deshalb nicht mehr fürchtet. Selbst die zu glubschäugigen Totenköpfen stilisierten Teufelskugeln haben mit ihrem schiefen Grinsen das Zeug zum Merchandise-Artikel wie die Stofftiere, die in aberwitzigen Situationen auftauchen. Es ist alles Unterhaltung: die wenigen in deutschen und englischen Versen gesprochenen Texte, die flirrenden Bilder und die von Lebenshunger und Nachteinsamkeit süffige Musik, die man nicht wieder los wird. Waits-Fans schwören auf die dreckige Ehrlichkeit, die darin schwingt. Das gesamte Ensemble ist stimmlich in bester Form und sorgt mit strahlkräftigen Stimmen in den schönsten Momenten für Gänsehaut. Henrike Hahn ist großartig als Femmchen fatal mit Bundy-Girl-Stimme. Ihr Duett als Kätchen mit Paul Steinbach als Wilhelm hat so viel Romantik, wie bei Waits nur geht. Esther Keil zeigt mit "Time" wie viel Poesie in den schrillen Höllenfahrten möglich ist. Und Jochen Kilians Band hat Konzertqualität.

Es ist ein Abend wie ein Rausch. Pop-Theater, von dem zwar kaum mehr in Erinnerung bleibt als das Vergnügen, sich amüsiert zu haben. Das allerdings gut.

(RP)