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John Baldessari verlegte Haus Lange in Krefeld an den Ozean

Kunst in Krefeld : John Baldessari: Der Mann, der Haus Lange ans Meer verlegt hat

Der Tod des amerikanischen Konzeptkünstlers bewegt auch in Krefeld die Kunstfreunde. Seine Ausstellung im Jahr 2009 ist noch in lebhafter Erinnerung.

Es war einer der spektakulärsten Beiträge zum Bauhaus-Jahr 2009. Der damalige Krefelder Museumschef Martin Hentschel nannte die Ausstellung radikal. Sie erregte überregional immenses Aufsehen und galt als „eine der beiden besten Inszenierungen des Jahres in NRW“ –   nach Einschätzung der „Welt am Sonntag“. Für viele Krefelder war sie vor allem ein überraschendes Erlebnis: John Baldessari hatte die Architektur von Haus Lange auf den Kopf gestellt. Alle Fenster hatte er von außen in Backsteinoptik verschlossen und drinnen entstand die Illusion einer kalifornischen Landschaft.

John Baldessari, der jetzt im Alter von 88 Jahren gestorben ist, hat in Krefeld Spuren hinterlassen. „Backsteingeb., gr. Fenster m. exzel. Aussicht, teilw. möbliert, bekannter Architekt“ war der ins Deutsche übersetzte Titel der Ausstellung, für die der amerikanische Konzeptkünstler sich mit der Bauhaus-Architektur der Museumsvilla intensiv auseinander gesetzt hat. „Er hat einen Anti-Mies kreiert“, sagte Museumsleiter Hentschel damals und nannte das Projekt einen Meilenstein in der Geschichte der beiden Villen. Es steckte ungeheurer Aufwand dahinter: Denn alle Fenster von Haus Lange wurden verschlossen – mit ausgetüftelten Konstruktionen, denn das denkmalgeschützte Haus durfte ja nicht angerührt werden. In die Fensteröffnungen wurden Holzplatten eingesetzt, die mit einer eigens hergestellten Fototapete überklebt wurden. Von außen fiel der Blick auf eine durchgehende Backsteinfassade. Auch die Innenwände bekamen diese Optik, die exakt auf die Farbe der Originalklinker abgestimmt war. In Fenstern entstanden Landschaften: Baldessari hatte sie in seiner Heimat Santa Monica fotografiert. Ein Fenster gab vermeintlich den Blick auf den Ozean frei, durch ein anderes war Wüste zu sehen. Der Besucher war in eine hermetisch abgeschlossene Welt eingeschlossen, das gewohnte Mies-Konzept von Außen- und Innenwirkung war vollends ausgehebelt. „Hier könnten die Guantanamo-Entlassenen residieren, sie hätten die klaustrophobischen Bedingungen, aber eine schönere Aussicht“, hatte Baldessari damals mit seiner tiefen Stimme gesagt. Seine Augen haben seinen Humor gespiegelt. Die Ausstellung war ein Publikumserfolg und wurde um Monate verlängert.