Krefeld: "Jetzt um Lehrstelle kümmern"

Krefeld: "Jetzt um Lehrstelle kümmern"

Durch die Wirtschaftskrise hat sich das Verhalten Jugendlicher bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz geändert: Sie nehmen mehr Unterstützung an. Die Agentur für Arbeit rät, sich nicht vorschnell auf einen Wunschberuf festzulegen.

Mit einem eindringlichen Appell an junge Leute, bei der Suche nach einer Lehrstelle nicht noch drei, vier Monate zu warten, hat Peter Ewert, Leiter der Krefelder Agentur für Arbeit, seine Halbjahresbilanz auf dem Ausbildungsmarkt vorgestellt. Die Zahl der Ausbildungsplätze im Bezirk Krefeld-Viersen sei im Vergleich zum Vorjahr um 6,8 Prozent auf 2114 Lehrstellen gestiegen; dem stehen etwa 2800 Bewerber gegenüber. Das Verhalten der Jugendlichen bei der Suche nach einer Lehrstelle hat sich nach Ewerts Beobachtungen geändert: Die Wirtschaftskrise hat das Bewusstsein gestärkt, in der Krise nach professioneller Unterstützung der Bundesagentur zu suchen.

Deutliches Anzeichen dafür: In Krefeld-Viersen ist die Zahl der Bewerber um 13,6 Prozent gestiegen. Problematisch aus der Sicht Ewerts: Ein Großteil – 60 Prozent der weiblichen und 45 Prozent der männlichen Bewerber – möchte eine Laufbahn aus der "Top-Ten-Liste" der beliebtesten Berufe wie Bürokaufmann, Verkäufer oder Industriemechaniker einschlagen. Ewert dazu: "Oft bieten weniger bekannte Berufe bessere Perspektiven. Jugendliche, die noch keine Ausbildungsstelle sicher haben, sollten sich unbedingt auch über Alternativen zu ihrem Wunschberuf informieren." Gesucht werden zurzeit vor allem Leute für den Chemie- und Kunststoffbereich sowie Elektriker.

Erste Informationen über Berufe für angehende Azubis gibt es im Berufsinformationszentrum (BIZ) der Arbeitsagentur (Philadelphiastraße); hilfreich ist laut Ewert ein Termin bei einem Berufsberater für vertiefende Gespräche. "Auch die vielen Angebote zur Berufswahl in den Schulen müssen genutzt werden", sagt Ewert.

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Für die Wirtschaft hatte Ewert Lob: Die Betriebe handelten vorausschauend, indem sie wieder mehr Ausbildungsplätze anbieten. In Krefeld und im Kreis Viersen fanden von Oktober 2009 bis Ende März 338 Personen mehr einen Ausbildungsplatz als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres.

Insgesamt aber fehlen weiter Stellen. Die Relation zwischen Bewerbern und Ausbildungsplätzenliege bei 1:75, das heißt, auf 100 Bewerber kommen 75 Stellen (2009: 79 Stellen). In Krefeld und Willich gab es im Vergleich zu den Regionen Nettetal und Kempen einen deutlich geringeren Zuwachs – nur 18 Ausbildungsstellen mehr im Vergleich zum Vorjahr. "Viele Betriebe leiden schon unter dem Mangel an Fachkräften. Ohne Ausbildungsangebote wird sich die Situation mittelfristig deutlich zuspitzen", sagt Ewert. Dennoch rechnet er damit, dass sich die Lage in den nächsten Monaten verbessert und viele Betriebe sich noch entschließen auszubilden.

(RP)