JC Gruppe aus Krefeld: Insolvenz und Verdacht des Anlagbetrugs

Staatsanwaltschaft liegt Anzeige vor : JC Gruppe: Insolvenz und Betrugsverdacht

Bei der Staatsanwaltschaft liegt eine Anzeige wegen Anlagebetrugs in Millionenhöhe gegen den Inhaber und einige seiner Mitarbeiter der Krefelder JC Gruppe vor. Das Unternehmen habe Vorratsgesellschaften gegründet, sei geschäftlich aber nie tätig geworden, sagt der Berliner Anwalt Rolf Siburg, der rund zwei Dutzend Mandanten vertritt.

Das Amtsgericht Krefeld hat im Eröffnungsverfahren zur Insolvenz der Krefelder JC Projektgesellschaft mit Sitz am Kreuzweg den Düsseldorfer Anwalt Claus-Peter Kruth zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Auf den Juristen aus  der Landeshauptstadt wartet offenbar eine komplizierte und umfangreiche Aufgabe. Den Unternehmensverantwortlichen wird nämlich Anlagebetrug in Millionenhöhe und möglicherweise andere strafrechtlich relevante Dinge vorgeworfen. Axel Stahl, Sprecher der Staatsanwaltschaft  Krefeld, bestätigte am Montag auf Anfrage unserer Redaktion den Eingang einer entsprechenden Strafanzeige. „Wir werden prüfen, ob wir Ermittlungen einleiten“, sagt er. Das Verfahren steht damit noch ganz am Anfang.

Dass die Staatsanwaltschaft ermitteln werde, daran hat der Berliner Rechtsanwalt Rolf Siburg keinen Zweifel. Der Jurist vertritt rund zwei Dutzend Mandanten – überwiegend älteren Semesters – aus der gesamten Bundesrepublik. Sie hätten festverzinsliche Anleihen der JC Gruppe gezeichnet und auf deren Seriosität und deren Geschäftsmodell vertraut. Nun sei das Geld weg, die Konten leer und seine Mandanten die Geschädigten.

Die JC Gruppe bestehe aus mehreren Gesellschaften, die gegenseitig Dienstleistungen und Personal zur Verfügung stellen sollten. Dabei handele es sich um so genannte Vorratsgesellschaften, die niemals geschäftlich in Aktion getreten seien. Die JC Gruppe sei angeblich im Besitz eines Patents gewesen, um eine Nutzung von zurückgebauten Kernkraftwerken zu ermöglichen. Nach Recherchen des Berliner Anwalts sei das Patent im Besitz eines Professors und nicht bei der JC Gruppe.

Der Inhaber und Geschäftsführer ist laut Amtsgericht Krefeld in Unterfranken in Bayern im Ort Kirchheim ansässig. Gegen ihn und seine Vertriebsmitarbeiter richte sich die Strafanzeige. Die Unternehmensgruppe sei 2016 gegründet worden. Die Anleihen ab 1000 Euro über eine Laufzeit von drei Jahren hätten Zinsen von vier bis zu sieben Prozent versprochen. In diesem Jahr wären die Auszahlungen fällig. Stattdessen hätten Vertriebsmitarbeiter versucht, die Laufzeiten zu besseren Konditionen zu verlängern. „Noch im August und September wurden Anleger zur hohen Investition oder zur Wiederanlage fälliger Anleihen durch Vertriebsmitarbeiter bewogen, obwohl die Gesellschaft praktisch zahlungsunfähig war. Die versprochenen Zinsen sind, allem Anschein nach, aus den Geldern der Neuanleger gezahlt worden. Die Rückzahlungsversprechen auf die Anleihen waren mehr als fraglich. Die Gelder sind wohl „verbrannt“, ohne dass irgendwelche Projekte in die Umsetzungsphase gekommen wären“, berichtete der Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht.

Das System stieß an seine Grenzen. Der Berliner Anwalt schätzt den Schaden auf eine Gesamtsumme in zweistelliger Millionenhöhe. Siburg steht nach eigenen Angaben im Kontakt mit dem Insolvenzverwalter und hat einen Gläubigerausschuss beim Insolvenzgericht beantragt.

Die JC Gruppe hatte damit geworben, dass ihr zu 20 Mitarbeitern zusätzlich 130 Ingenieure und Fachleute unter anderem aus den Bereichen Kerntechnik und Elektrotechnik in einem Netzwerk und als freie Mitarbeiter zur Verfügung stünden. Hinter ihrer Idee steckte angeblich ein enormes Einsparpotential. Gemäß dem Entsorgungsfondgesetz mussten die Anlagenbetreiber für das Stilllegen der Kernkaftwerke im Durchschnitt je Anlage etwa 920 Millionen Euro Rücklagen bilden. Die Einsparungen mit dem Konzept der JC-Gruppe sollten bei 185 bis 230 Millionen Euro liegen, die an die Anlagenbetreiber zurückfließen könnten. Von den 17 in Deutschland gebauten Kernkraftwerken kämen dabei zwölf Standorte in Frage, warb das insolvente Unternehmen noch vor wenigen Monaten.

Der Beschuldigte oder ein Unternehmenssprecher waren gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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