Krefeld: Jazzklub verpasst sich Verjüngungskur

Krefeld: Jazzklub verpasst sich Verjüngungskur

Der Verein hat einen neuen Vorstand gewählt. Sein oberstes Ziel: Jazz soll raus aus der Nische und für ein breiteres Publikum interessant werden - mit vielen hochkarätigen Konzerten. Wie zum Unesco-Welt-Jazztag am 30. April auf Burg Linn.

Musik besteht nicht nur aus Pop. Das war Florian Funke schon mit 16, 17 Jahren klar. Anders als viele Altersgenossen hat er sich für einen Musikstil interessiert, der als sperrig galt: Jazz. "Es gibt die Vorstellung: Jazzer sind elitäre, verschrobene Leute. Zum Teil mag das stimmen. Aber wir wollen das Klischee aufbrechen und mehr Menschen, auch jungen Leuten, zeigen, dass die Jazzszene sehr interessant ist", sagt er. Der 47-jährige Grafik-Designer ist jetzt zum neuen Vorsitzenden des Jazzklubs Krefeld gewählt worden. Gemeinsam mit Kassenwart Christoph Kuntze (62) will er die Tradition hochkarätiger Jazzkonzerte in Krefeld fortsetzen, aber auch die musikalischen Schnittstellen in den Blick nehmen, um neue Fans zu gewinnen.

Ein frischerer Auftritt online und mit neuen Flyern ist ein Schritt auf diesem Weg. "Unsere Reihe der Schülerkonzerte mit Hilfe von Cargill, ist ein weiterer", sagt Kuntze. Dabei gehen junge Musiker in die Schulen und spielen dort kleine Konzerte oder Sessions, bei denen auch die Schüler einbezogen werden. "Sie erleben, dass die Musik auch etwas mit ihrem eigenen Musikverständnis zu tun hat", sagt er. "Ich habe den Jazzklub viele Jahre als Konsument ausgenutzt: sprich als Genießer toller Konzerte. Jetzt will ich mit meinem Einsatz etwas zurückgeben", sagt Kuntze. Seit der Diplom-Ingenieur Privatier ist, habe er die Zeit dazu. Er freut sich vor allem auf die Begegnungen mit Musikern. "Die werden hier wie in einer Familie aufgenommen. Vom Booking bis zum Catering machen die Mitglieder ja alles selber." Nicht zuletzt deshalb genießt der Jazzklub einen guten Ruf - und viele Weltklassemusiker kommen gerne immer wieder.

380 Mitglieder zählt der Jazzklub zurzeit, Tendenz "zart zunehmend", sagt Kuntze. Die Arbeit konzentriert sich auf das Festival "Jazz an einem Sommerabend" und den Krefelder Jazzherbst, auf zwölf bis 15 Top-Konzerte pro Jahr und auf die Sessions. Zur Jazzattack kommen 20 Mal pro Jahr Profimusiker im Jazzkeller zusammen. Es gibt aber auch Sessions für Amateure und für junge Musiker und Anfänger. Dass die Konzerte nicht nur im Jazzkeller an der Lohstraße ihre Bühne haben, erschließe seit geraumer Zeit auch immer ein neues Publikum - im Glasfoyer des Theaters, in der Synagoge, auf Burg Linn würden neue Fans für den Jazz begeistert. Im vergangenen Jahr hat der Klub 5000 Besucher gezählt. "In den vergangenen drei Jahren hatten wir einen Besucherzuwachs um gut 25 Prozent", berichtet Kuntze.

Wenn die Welt am Montag, 30. April, beim 7. Unesco International Jazz Day die Musikrichtung der unbegrenzten Möglichkeiten feiert, wird es im Linner Rittersaal ein Doppelkonzert geben mit Three Fall & John-Dennis Renken und dem Shannon Barnett Quartett. Beginn: 20 Uhr. Karten für 21 Euro (ermäßigt 15) gibt es ab sofort im Vorverkauf.

Und weil der Jazzkeller in diesem Jahr sein 60-jähriges Bestehen feiert, und der Jazzklub dort seine Anfänge nahm, gibt es - wie berichtet - bis zum Sommer sechs Festkonzerte. Das dritte bestreitet Triebwerk Hornung mit Ludwig Hornung (Fender Rhodes), Wanja Slavin (Saxofon) und John Schröder (Schlagzeug) am Montag, 19. März, 20.30 Uhr, Lohstraße 92. Im Vorverkauf kosten die Karten 12 Euro, ermäßigt 8 Euro. In der zweiten Jahreshälfte konzentriert der Verein sich auf 2019 - dann steht das eigene Jubiläum an: 40 Jahre Jazzklub Krefeld sollen gefeiert werden.

(RP)