Burg linn : Jazz an einem Sommerabend

Gut 650 Zuhörer genossen die 34. Auflage von Jazz an einem Sommerabend vor der mittelalterlichen Kulisse der Burg Linn. Das Horst Hansen Trio, das Makiko Hirabashi Trio und das polnische Trio Kinga Glyk spielten.

Die 34. Auflage von Jazz an einem Sommerabend vor mittelalterlicher Kulisse bestand aus drei Sets von sehr verschiedenen Musikern. Den Auftakt machte das Krefelder Horst Hansen Trio, das mit der Drei im Namen kokettiert. Es sind fünf junge, dynamische Männer, die ihre Fans mit kraftvollem „Überjazz“ begeistern. Ihr Auftritt vor der Zehntscheune des Museums Burg Linn war Abschluss der vierwöchigen Tournee „Heavy Jazz  And Dirty Roads“. Sie haben unterwegs auch Straßenmusik gemacht und von der Trinkfestigkeit und der Tanzfreude der Tschechen geschwärmt.

Ihre Stücke sind kraftvoll, energiegeladen und haben meist einen gesellschaftsrelevanten Bezug. So haben sie „Drohnen“, mit einem Anklang an Trauermärsche komponiert und das Stück „Politische Schönheit“ mitgebracht, in dem sie die Vielfalt ein Europa mit zuerst ruhigen Tönen, dann starken rhythmischen Veränderungen und Einflüssen aus der arabischen Musik verbinden.

Eine liebenswürdige Verbeugung vor unserem verstorbenen Kollegen war das Stück „Mr. Mendiola“, das sie ihm gewidmet haben. Das melancholische Saxofon sang über die Schritte am Schlagzeug hinweg, mit denen sich der geschätzte Musiker und Künstler in eine andere Welt zu verabschieden schien.

Nach diesem Set unter blauem Himmel und Sonnenschein traten mit der Dämmerung die drei Musiker vom Makiko Hirabashi Trio auf. Die Namen-gebende Pianistin spielt seit 2001 mit dem Bass Klavs Homann und der Schlagzeugerin Marilyn Mazur zusammen. Auf dem Flügel, mit dem althergebrachten Bass und einem beeindrucken Schlagzeug mit enormer Klangfülle haben sie musikalische Geschichten erzählt. Ihre Musik mischt Töne wie von Debussy oder aus Japan mit Improvisationen nach klassischer Manier. Beeindruckend: Die virtuose Marilyn Mazur und das kongeniale Zusammenspiel der drei Musiker. Der große Beifall des Publikums, das sich dicht an die Bühne gestellt hatte, brachte eine schwungvolle Zugabe im 3/4-Takt.

Kontrastreicher Abschluss des Abends, nun schon bei Sternenhimmel in der Dunkelheit, war der Auftritt des polnischen Kinga Glyk Trio. Mit sehr viel Energie und starken rockigen Anteilen hat die junge Kinga Glyk aufgespielt. In einer Ballade setzt sie sich mit ihre Beziehung zu Gott auseinander „Day by day“ – weit weg von aller sakralen Tradition. Ein eher ruhiges Stück war ihr Lied über einen Traum: Die junge Frau wünscht sich, dass sie in ihrem Leben keine Entscheidung zu bereuen haben wird. Auch für diese sehr junge Auffassung von Jazz gab es begeisterten Applaus.

Mehr von RP ONLINE