Jannis Niewöhner aus Krefeld ist „der Überläufer“

Romanverfilmung : Jannis Niewöhner ist „der Überläufer“

Die nächste Hauptrolle für den Krefelder Schauspieler Jannis Niewöhner: Der 27-jährige aus Hüls spielt in der Verfilmung des Romans „Der Überläufer“ von Siegfried Lenz den jungen Wehrmachtssoldaten Walter Proska. Regie führt der Oscar-Preisträger Florian Gallenberger, der unter anderem für den Film „Colonia Dignidad“ verantwortlich zeichnet.

Maximilian Schell spielte 1955 in dem Film „Kinder, Mutter und ein General“ einen Soldaten, der nicht mehr mitmacht. Es folgten unzählige Filme mehr. In vielen Rollen trug der spätere Weltstar Uniform. Damit ist er gleichsam Vorbild und Omen für den Krefelder Schauspieler Jannis Niewöhner und dessen Karriere. Im Wehrmachtsrock verkörpert der Hülser den Protagonisten Walter Proska in der Verfilmung des Romans „Der Überläufer“ von Siegfried Lenz für den Norddeutschen Rundfunk. Die Dreharbeiten in Polen und Bayern haben gerade begonnen. Schon zuvor im „Fall Colini“ verkörperte der vielfach preisgekrönte 27-jährige Darsteller seine Figur des jungen Hans Meyer als Sturmbannführer in einer SS-Uniform.

Diesmal übernimmt Niewöhner die Rolle eines reflektierenden statt eines verdrängenden Charakters. Im letzten Kriegssommer 1944 kehrt der junge Wehrmachtssoldat Walter Proska vom elterlichen Hof zurück an die Ostfront – und strandet im Niemandsland der polnischen Wälder bei einem Haufen versprengter deutscher Soldaten, nachdem der Zug zu seiner Kompanie von Partisanen in die Luft gejagt wurde. Längst von den eigenen Truppen aufgegeben, sind seine neuen Kameraden in einer verzweifelten Lage. Umzingelt von Partisanen, abgeschnitten von der Front, erwartet sie der sichere Tod. Die Befehle des kommandierenden Unteroffiziers Willi Stehauf (Rainer Bock) werden immer sinnloser und menschenverachtender.

Proskas Begegnung mit der jungen polnischen Partisanin Wanda (Malgorzata Mikolajczak) und seine Freundschaft zu seinem Kameraden Kürschner (Sebastian Urzendowsky) lassen ihn immer stärker an der Richtigkeit seines Fahneneides und an den Machthabern zweifeln. Als die Rote Armee näher rückt, gerät Proska in Kriegsgefangenschaft und kann sich nur noch retten, indem er zum Feind überläuft. Ein gemeinsamer Fluchtversuch mit seiner großen Liebe Wanda misslingt. Als Soldat der Roten Armee wird Proska mitverantwortlich für den Tod seines Schwagers, des Ehemannes seiner Schwester.

Nach der Kapitulation Deutschlands machen die ehemaligen Soldaten Proska und Kürschner in der sowjetischen Besatzungszone in Berlin Karriere: Im Glauben an eine bessere Welt setzen sie die Ideen der russischen Besatzer für ein neues Deutschland um. Doch Proska muss miterleben, dass das Land im Aufbruch nicht einfach die Last der Vergangenheit abstreifen kann, und gerät darüber erneut in einen schweren Gewissenskonflikt. Eine „Stunde Null“ gibt es nicht. Erneut steht Walter Proska vor einer folgenschweren Entscheidung …

Siegfried Lenz, der selbst in den letzten Kriegstagen desertiert war, schrieb den Roman 1951 im Alter von 25 Jahren. Das insgesamt zweite Werk des Autors, der zu den bedeutendsten und meistgelesenen Schriftstellern der deutschen Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur zählt, wurde jedoch erst nach seinem Tod 2016 veröffentlicht. Aufgrund zensierender Eingriffe seines Lektors wegen „handgreiflicher Treulosigkeit gegen die Heimat“ hatte Lenz den Roman in den Fünfzigern zurückgezogen und ihn lebenslang unter Verschluss gehalten. 65 Jahre nach seinem Entstehen wurde der Bestseller als „Sensation“ und „Schatz“ gefeiert.

Die Dreharbeiten für den Zweiteiler haben begonnen. Sie sollen Ende August abgeschlossen sein. Gedreht wird zunächst in Krakau, Breslau und Warschau in Polen, anschließend in Bayern. Das Drehbuch ist von Bernd Lange und Florian Gallenberger. Zu den Darstellern gehören neben Niewöhner auch Malgorzata Mikolajczak, Sebastian Urzendowsky, Rainer Bock, Bjarne Mädel, Florian Lukas, Leonie Benesch und Ulrich Tukur. Das Erste zeigt den Zweiteiler im Frühjahr 2020 zum 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges.

Regisseur Florian Gallenberger freute sich auf die Zusammenarbeit mit „unserem großartigen Cast und darauf, dieser epischen Geschichte um Liebe und Schuld in Zeiten des Krieges Leben einzuhauchen“ und sie so einem großen Fernsehpublikum zugänglich zu machen. „Es sind stürmische Zeiten, obwohl wir die Generation sind, die alles hat – Frieden, Freiheit und Prosperität. Wir wollen eine berührende Verfilmung schaffen, die uns zeigt, wie wichtig es ist, um diese Errungenschaften zu kämpfen“, sagte Produzent Stefan Raiser.

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