Krefeld: Jagenberg verstärkt das Retrofit-Geschäft

Krefeld: Jagenberg verstärkt das Retrofit-Geschäft

Viele Firmen berufen sich auf das Erbe des Krefelder Unternehmers Eduard Küsters und seines genialen Erfinders Valentin Appenzeller. Dessen Patent für eine schwimmende Walze hat die Textilveredlung und die Kalandertechnik revolutioniert. Das ist 60 Jahre her. Das Prinzip ist bis heute im Einsatz und erlebt eine Renaissance.

Valentin Appenzeller hatte keine besondere Schulbildung, aber einen Förderer, der sein Talent erkannte - den Krefelder Eduard Küsters. Der Tüftler hinterließ mehr als 40 Patente und eine Zusammenarbeit mit dem berühmten Raketenforscher und NASA-Planungschef Wernher von Braun.

Als im Jahre 1956 die Firma Küsters das Patent für die so genannte schwimmende Walze anmeldete, konnte man die Tragweite dieser Erfindung noch nicht abschätzen. In den Folgejahren dann sprach die Industrie von einer Jahrhundert-Erfindung.

Als Eduard Küsters 1949 seine Firma in Krefeld gründete, hatte er mit Valentin Appenzeller einen genialen Konstrukteur zur Seite, der nicht nur Vater der schwimmenden Walze ist, sondern auch die rasante Entwicklung der Firma Küsters maßgeblich geprägt hat.

Dem Textilveredler ist und war das Problem bekannt, bei Abquetschvorgängen am Foulard einen gleichmäßigen Walzendruck über die gesamte Warenbreite zu erzielen. Mit der schwimmenden Walze gelingt dies perfekt. Die Erfindung beruht darauf, dass über ein halbseitiges Ölpolster im Walzeninneren die Durchbiegung der Walze kompensiert wird. Diese Walzenkonstruktion wurde und wird nicht nur unzählige Male in Textilmaschinen eingesetzt, auch bei Papiermaschinen von bis zu zwölf Metern Breite lässt sich, basierend auf dem gleichen Prinzip, ein gleichmäßiger Abquetschdruck erzielen. Auch heute noch - 60 Jahre nach der Patentanmeldung - wird die Technologie der schwimmenden Walze in vielfältiger Form eingesetzt. So führen die Firma Benninger (jüngst von der Firma Jakob Müller AG übernommen) und die auf dem Kleinwefers-Areal ansässige Krefelder Firma Jagenberg Textile GmbH als direkter Nachfolger der Küsters Textilmaschinenfabrik in Krefeld diese intelligente Technologie fort. Auch Andritz Küsters setzt auf die bewährte Technik bei ihren Verfahren und Anlagen zur Papierveredlung und Vliesstoffproduktion.

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Die Renaissance der schwimmenden Walze und der entsprechenden Maschinen ist in dem Begriff Retrofit-Geschäft zusammengefasst. Die Krefelder Jagenberg AG mit ihren Gesellschaften Textile und Paper Systems ist dort seit knapp einem Jahr in Krefeld stark unterwegs (wir berichteten). Und sie baut das Retrofit-Geschäft aus. Um auf die Anforderungen der Kunden noch besser eingehen zu können, haben die Jagenberg Paper Systems GmbH und die Voess-Ing GmbH aus Wendlingen am Neckar eine Vereinbarung getroffen, zukünftig im Bereich der Querschneider für die Papierindustrie zusammenzuarbeiten. Die wesentlichen Bereiche dieser Kooperation beinhalten Service, Technologie, Umbauten und Automation bestehender Anlagen.

Die Vertragspartner waren bisher unabhängig voneinander in diesem Markt tätig, wobei sich die Jagenberg Paper Systems GmbH auf den Service und Umbauten sowie die Modernisierung und Erneuerung von Steuerungen und Antrieben konzentriert hat. Die Voess-Ing GmbH war auf die Beratung in den Bereichen Technologie, Optimierung und Engineering von Querschneidern fokussiert.

Die Zusammenarbeit dieser beiden Unternehmen ermöglicht es nach eigenen Angaben nun, den Betreibern von Querschneidern auf eine ganzheitliche Betreuung des bestehenden Maschinenparks in Bezug auf Leistungsfähigkeit durch Service und Optimierung zurückzugreifen. Zusätzlich werden zugeschnittene Konzepte angeboten, die es ermöglichen, bestehende Maschinen langfristig auf einem hohen und modernen Produktionsniveau zu halten.

(sti)
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