1. NRW
  2. Städte
  3. Krefeld

Krefeld: Investor verteidigt Abriss von Juwelierhaus

Krefeld : Investor verteidigt Abriss von Juwelierhaus

Auf breiter Front formiert sich Widerstand gegen den Abriss des Hauses Hochstraße 88 in der Fußgängerzone. Es ist mehr als der Streit um ein altes Haus – dahinter steht die Frage, ob man eine City-Investition aus ästhetischen Gründen bremsen sollte.

Auf breiter Front formiert sich Widerstand gegen den Abriss des Hauses Hochstraße 88 in der Fußgängerzone. Es ist mehr als der Streit um ein altes Haus — dahinter steht die Frage, ob man eine City-Investition aus ästhetischen Gründen bremsen sollte.

Die Proteste gegen den Abriss des Hauses Hochstraße 88 erreichen eine neue Dimension. Der Gestaltungsbeirat der Stadt Krefeld, in dem Architekten sitzen, hat sich laut Grünen-Ratsfrau Heidi Matthias einstimmig für den Erhalt mindestens der Fassade ausgesprochen, um das in der Nachkriegszeit wieder aufgebaute Haus zum Teil zu erhalten. Die Sitzung des Gestaltungsbeirats am Mittwoch, in dem die beauftragte Architektin das Projekt im Beisein von Politikern vorstellte, war nicht-öffentlich — erst der Vorstoß des UWG-Politikers Andreas Drabben für den Erhalt des Hauses (unsere Zeitung berichtete exklusiv), zeigt jetzt den Protest auf breiter Front.

Heidi Matthias kündigte gestern an, "die Zerstörung dieses identitätsstiftenden Gebäudes" im kommenden Denkmalausschuss zum Thema machen zu wollen. Der mit dem Neubau beauftragte Projektentwickler Christoph Roehr von RMA Management aus Düsseldorf sagte gestern: "Ich habe Verständnis für den Protest. Das Haus hat eine hübsche Fassade, leider lässt es sich mit einem vertretbaren Aufwand nicht zu einer modernen Handelsfläche umbauen. Die beteiligten Fachingenieure rieten uns daher zum Abriss und Neubau." Auch der Erhalt nur einer Fassade sei illusorisch, sagte Roehr.

  • Krefeld : Juwelierhaus Kammen vor dem Abriss
  • Christoph Becker in der frisch geräumten
    Ein besonderes Krefelder Gebäude : Eine Kathedrale für Pumpen und Strom
  • Im Hinspiel gegen den TuS kam
    3. Handball-Bundesliga : HSG Krefeld ist bereit für das erste „Endspiel“

Das Haus an der Hochstraße 88 war ehemals Sitz des Juweliers Kammen, der Ende 2013 schloss. Es ist eines der wenigen Häuser in der Krefelder Fußgängerzone, das noch nicht durch einen modernen Bau mit Glasfassade ersetzt wurde —gleichwohl steht es nicht unter Denkmalschutz. Die ehemalige Eigentümerin hat das Haus inzwischen an einen Düsseldorfer Investor verkauft. Der lässt es derzeit entkernen. Eine große Wanne mit Schutt steht in der Fußgängerzone. Wer die verwinkelten Räumlichkeiten des entkernten Hauses betritt, der sieht, dass sie nicht die Raummöglichkeiten eines modernen Zweckbaus mit viel Licht bieten. Christoph Roehr sagt: "Da Einzelhandelsunternehmen unter harten Wettbewerbsbedingungen insbesondere in Bezug zum Online-Handel agieren, werden nur noch solche Flächen mit Mietverträge belegt, die den Anforderungen zu 100 Prozent entsprechen. Abweichungen von den Anforderungen werden nur in seltenen Fällen akzeptiert. Alternativflächen in Shopping-Centern entsprechen in der Regel den Anforderungen, so dass nicht mehr zeitgemäße Geschäfte in den Fußgängerzonen oft das Nachsehen haben — mit den bekannt Folgen für viele Innenstädte." Wesentliche Merkmale moderner Handelsimmobilien seien breite Fensterfront, rechteckiger Ladengrundriss, ebenerdiger stufenfreier Zugang sowie eine Geschosshöhe von 4,50 Metern.

An die Stelle des Kammen-Hauses soll ein Glasbau rücken, der den Schuhladen Tamaris beherbergen wird. Die Tamaris-Filiale Königstraße soll mit anderem Konzept erhalten bleiben.

Unsere Zeitung fragte gestern auch beim städtischen Denkmalamt an. Monika Risse-Richter, Abteilungsleiterin Denkmalschutz in der Stadtverwaltung, misst dem Bau architektonischen Wert bei: "Es ist ein sehr schönes Haus, der Abriss ist sehr schade. Aber vielleicht tut sich ja noch was." Heidi Matthias hofft ebenso, dass der Eigentümer Einsicht zeigt: "Wir haben sehr ausführlich deutlich gemacht, dass wir dieses Gebäude als ein unverzichtbares Stück der Krefelder Historie betrachten, mit dem nicht zuletzt eine emotionale Verbundenheit aller Krefelder einhergeht." Der Versuch, die Anmutung des Hauses zu erhalten, werde den Zuspruch bei der Bevölkerung finden. "Überdies würde sich der Bauherr im gesichtslosen Einheitsbrei von Glasfassaden mit großen Werbeflächen ein architektonisches Alleinstellungsmerkmal zunutze machen."

(RP)