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In Krefeld stellt Gerhard Hahn Keramik und 3D-Objekte unter dem Titel "Soma und Psyche" aus

Kunst in Krefeld : Künstler sucht die Seele mit 3D-Drucker

Professor Gerhard Hahn zeigt Exponate in archaischer Keramik-Technik und in modernstem Hightech-Verfahren rund um die ewigen Themen Seele und Körper. Die Ausstellung ist ein technisches und künstlerisches Abenteuer.

Die Themen sind so alt wie die Philosophie und die Kunst: Körper und Seele. Oder „Soma & Psyche“ wie die Ausstellung heißt, die heute Abend in der Galerie Meta Weber eröffnet wird. Und sie spannt auch den Bogen von der Steinzeit bis in eine Zukunft, die bislang nur in modernster Hochtechnologie schon Gegenwartsstatus hat – von der archaischen Schwarzbrandtechnik bis zum neuesten 3D-Druck. „Es war ein Abenteuer, sowohl technisch als auch künstlerisch“, sagt Gerhard Hahn. Und das hat er für die Ausstellung sowohl als Künstler, der eine Professur für Keramik-, Porzellan- und Glasdesign an der Hochschule Niederrhein hat, als auch für den Techniktüftler, der er als Ingenieur ebenfalls ist, weidlich ausgenutzt.

Mit Keramik- und Druckobjekten hat er eine kleine, aber beredte Ausstellung zusammengebracht, die mit zahllosen Verweisen der Exponate untereinander und noch mehr Assoziationen beim Anschauenden die existenziellen Fragen aufwirft: Was ist die Seele? Wo sitzt sie? Wie hängt sie mit dem Körper zusammen? „In einer Zeit, die von Logik und Ratio geprägt ist, sind das Körperliche und das Emotionale unterbewertet. Körper und Seele denken auch“, meint der Künstler.

Ja, sagt Hahn, natürlich hat ihn als Ingenieur fasziniert, eine technische Innovation bis an die Grenzen aller Möglichkeiten auszureizen: Die Schunk Ingenieurkeramik GmbH aus Willich hat 2015 den weltweit ersten großformatigen 3D-Pulverbett-Drucker für hochwertige Produkte aus Siliciumcarbid entwickelt. Über ein Hochschulprojekt hatte Hahn Kontakt zur Firma, seine Klasse hat Präsentationsobjekte entworfen. „Das Material ist fast so hart wie Diamant und bis  1500 Grad hitzebeständig“, sagt Hahn. Im 150 mal 70 mal 70 Zentimeter großen Drucker, laut Hahn weltweit der größte, ist ein dreidimensionales Objekt entstanden, das auf den ersten Blick an labyrinthische Strukturen eines Gehirns erinnert oder an einen Fingerabdruck.  In einer früheren, ebenfalls ausgestellten Keramikarbeit von Hahn findet der Betrachter die Analogie, die hier aber eher an einen Embryo erinnert. Die  High-Tech-Objekte muss der Betrachter sich erarbeiten, sie von allen Seiten anschauen, in die Zwischenräume lauern. Dann wirkt die porenfreie leicht glitzernde Oberfläche nicht wie ein vom Rechner ausgespucktes Erzeugnis: Hahn hat Unebenheiten, Ungleichgewichte, Tiefen und Strukturen errechnet. 100 Arbeitsstunden hat er für das 40 Kilo schwere Objekt, das so leicht wirkt, am Computer verbracht.

Ein anderes 3D-Werk sieht aus wie ein alter, klobiger Monitor. Wer die Perspektive ändert, entdeckt Lichtfelder und Durchsichten. Und schon nimmt die Fantasie Fahrt auf – beflügelt durch den Titel „Lord of the Lies“, der auf den Roman „Lord of the Flies“ (Herr der Fliegen) anspielt, in dem William Golding die Verrohung der Gesellschaft thematisiert. Hahn schickt die Betrachter auf die Suche nach der Seele. Und man entdeckt vieles: einen Kopf in einem Silicium-Dschungel, einen Traum, der auf einem Keramikbild aus einem assoziierten Haupt aufsteigt. Fantasien beflügeln die Bilder von menschlichen Gestalten. Hahn hat Silhouetten von Körpern und Körperteilen gezeichnet und mit Schwarzbrand verewigt. Bei dieser Technik wird Holz verbrannt, das sich bis zu zwei Millmeter tief in die Keramikoberfläche einfrisst. Es ist ein Spiel von Absicht und Zufall. Die Schleier um die Konturen lassen den Körpern, die nackt wirken, ein letztes Geheimnis. Vielleicht ist es ihre Seele.