In Krefeld nimmt die Impfmüdigkeit bei Kindern zu

Die AOK legt für Krefeld den Gesundheitsreport 2018 vor.: Impfmüdigkeit bei Kindern nimmt zu

Die AOK Rheinland/Hamburg stellte in Krefeld einen 130 Seiten umfassenden Gesundheitsreport 2018 vor. Die Zahl der Diabetiker in der Seidenstadt steigt ebenfalls kontinuierlich an.

Die AOK schlägt Alarm: In Krefeld nimmt die Impfmüdigkeit bei Kindern zu. Das ist ein Ergebnis des 130 Seiten umfassenden Gesundheitsreports 2018, den die Krankenkasse jetzt vorlegte. „Kinder werden häufig später geimpft als von der Ständigen Impfkommission empfohlen wird“, so AOK-Regionaldirektorin Marion Schröder. Bei den Vierjährigen erreicht rheinlandweit nur Mülheim an der Ruhr das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO), einer abgeschlossenen Masern-Grundimmunisierung von 95 Prozent der Kinder. „Krefeld liegt mit einer Durchimpfungsrate von 88 Prozent deutlich unterhalb dieses Zielwerts“, so die Expertin. Ein Problem: Gerade den zweiten Masern-Impftermin nehmen die Eltern für ihre Kinder nicht wahr. Schröder: „Damit ist die erste Impfung eigentlich auch überflüssig. Der Schutz tritt erst mit der zweiten Impfung ein.“

68.985 Versicherte betreut die Kasse in der Seidenstadt. „Krefeld gehört zu den drei sportlichsten Kreisen im Rheinland“, sagt Schröder. Von 1000 Bürgern sind 286 Mitglied in einem Sportverein. „Kinder und Jugendliche für Bewegung und Sport zu begeistern, ist eine wichtige Weichenstellung für ein gesundes Aufwachsen und Leben.“ Mit Blick aufs Alter werden die Zahlen kritischer. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache in Deutschland: Im Jahr 2015 waren sie für 38,5 Prozent aller Sterbefälle verantwortlich. Mit 41,8 Prozent verstarben Frauen deutlich häufiger als Männer (35,1 Prozent) an einer Erkrankung des Kreislauf-Systems. Verglichen mit allen anderen Krankheitsbildern ist der Verlust an gesunden Lebensjahren durch Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems am höchsten. „34,6 Prozent der Versicherten der AOK Rheinland/Hamburg waren im Jahr 2016 aufgrund einer Herz-Kreislauf-Erkrankung in ärztlicher Behandlung“, erklärt Schröder. „Ähnlich hoch ist dieser Wert in Krefeld mit 34,2 Prozent.“ Die soziale Lage hat einen erheblichen Einfluss auf das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Menschen, die Arbeitslosengeld II beziehen, erkranken deutlich häufiger an Koronarer Herzkrankheit, Herzinsuffizienz oder Vorhofflimmern als Arbeitnehmer. „Auch Akutereignisse wie ein Schlaganfall oder Herzinfarkt treten wesentlich häufiger auf“, so die Regionaldirektorin.

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Die Zahl der Diabetiker steigt ebenfalls kontinuierlich an. Inzwischen wurde die Erkrankung bei 11,5 Prozent der Versicherten der AOK Rheinland/Hamburg diagnostiziert. „Mit einer Diabetesprävalenz von 12,1 Prozent liegt Krefeld über dem Durchschnittswert“, beschreibt Schröder die Situation vor Ort. „Menschen mit Diabetes leiden deutlich häufiger als Menschen ohne Diabetes an Erkrankungen wie chronischen Wunden, Herzkrankheiten oder Nierenleiden. Im Jahr 2016 musste bei 2,4 Prozent der Patienten mit Diabetischem Fußsyndrom eine Amputation der unteren Extremitäten vorgenommen werden.

Übrigens: Knapp 38 Prozent der Kinder in Krefeld kamen 2015 per Kaiserschnitt zur Welt – überdurchschnittlich viele. „Diese Quote wird im Versorgungsgebiet der AOK nur von der Stadt Essen um 0,2 Prozentpunkte überschritten“, weiß Marion Schröder. Und die Regionaldirektorin ergänzt: „Nur bei wenigen Indikationen ist ein Kaiserschnitt medizinisch erforderlich. Kaiserschnittentbindungen sind immer mit Risiken für Mutter und Kind verbunden.“

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