Mario Barth im Interview: "In Krefeld ist es eine große Party"

Mario Barth im Interview : "In Krefeld ist es eine große Party"

Mario Barth gehört zu den wichtigsten Comedians Deutschlands, mit seinen Live-Shows füllt er ganze Stadien. In einem Interview mit der Redaktion spricht er über seine kommenden Auftritte in Krefeld und warum die Rolling Stones lieber nicht Panflöte spielen sollten.

Herr Barth, freuen Sie sich auf die Besuche in Krefeld im Juni? Oder anders gefragt: Waren die Krefelder bei Ihren vergangenen Auftritten witzig?

Mario Barth Also, wenn das Publikum witziger ist, als ich, dann habe ich ein Problem. (lacht) Aber ganz ehrlich: Es gibt Hallen, die für solche Auftritte nicht so toll sind. Da gibt es Probleme mit der Akustik und so weiter. In Krefeld ist es aber einfach super.

Kann man denn sagen "andere Stadt, anderer Humor"?

Barth Diese ganzen Klischees, Berliner lachen am meisten und Hamburger gar nicht, sind totaler Quatsch. Es gibt einfach verschiedene Publikumstypen. Die Stuttgarter hören immer gut zu — wenn ich anfange zu reden, dann herrscht Stille. In Krefeld ist es wiederum eine große Party. In Hamburg auch.

Hatten sie am Anfang Ihrer Karriere damit Probleme?

Barth Ja und dazu gibt es auch eine witzige Geschichte. Vor 13 Jahren bin ich in Hamburg im "Kleinen Theater" aufgetreten. Da waren 30 Zuschauer, nach der ersten Hälfte meines Auftritts hat keiner ein einziges Mal gelacht! In der Pause habe ich zu meinem Bruder, der mich begleitete, gesagt: 'Das macht keinen Sinn, wir zahlen die aus und beenden das Desaster.' Mein Bruder, Mathematiker übrigens, wollte das nicht. Ich also raus und drei gequälte Lacher in der zweiten Hälfte bekommen. Und was passierte nach der Show? Da kamen Zuschauer auf mich zu und gratulierten mir zu einem Super-Auftritt.

Die Erklärung?

Barth Die Hamburger wussten nicht wer ich bin und wollten mich erst mal kennenlernen. Wegen solcher Erfahrungen sage ich auch immer, dass man nach den Auftritten nachfragen muss, wie es den Leuten gefallen hat. Mittlerweile machen übrigens die Shows dort total viel Spaß.

War das Ihr schlimmstes Erlebnis als Comedian?

Barth Ja, absolut. Als Zuschauer bemerkt man das, wenn der Comedian auf der Bühne schneller oder lauter wird. Entweder will man schnell da runter oder man hat das Gefühl die Zuschauer hören einen nicht.

Anders als in Berlin werden in Krefeld keine 70.000 Zuschauer auf Sie warten. Ist größer immer besser?

Barth Ohne einem Kollegen etwas Böses zu wollen: Wenn man sagt, dass man wieder auf Klubtour geht, dann bekommt man wahrscheinlich die Hallen einfach nicht voll. Das ist aber nicht schlimm! Das ist ähnlich wie bei den Einschaltquoten im Fernsehen. Wenn ein Tatort gut ist, dann interessieren mich als Zuschauer die Einschaltquoten doch auch nicht. Ich persönlich mag es aber eher in großen Hallen zu spielen.

Im Sommer 2014 soll ein neuer Weltrekordversuch gestartet werden...

Barth Ja, aber nicht für mich. Wir wollen, dass alle Zuschauer, die vor Ort sind, eine Urkunde bekommen. Seien wir doch mal ehrlich: Ich steh ja nur auf der Bühne. Die Zuschauer sind wichtig für den Rekord. Und wer ist nicht gerne Weltrekordler? Wenn wir die 100.000 Zuschauer in den 24 Stunden zusammenbekommen, dann bekommt jede Person, die das möglich gemacht hat, eine Urkunde. Keine Ahnung, wie man das organisatorisch schaffen kann, aber das müssen wir einfach hinkriegen.

Nach Krefeld kommen Sie mit dem Programm "Männer sind schuld, sagen die Frauen". Auf den ersten Blick stehen die Probleme der beiden Geschlechter wieder im Vordergrund.

Barth Häufig wird so was gesagt wie 'der Barth macht wieder was mit Mann und Frau'. Wer ACDC mag wird auch nicht sagen, dass die immer nur laute Musik machen. Welche Musik mögen Sie?

Fast alles. Die Stones höre ich mir gerne an...

Barth Tja, und wenn bei den Stones jetzt bei einem Live-Konzert fast nur eine Panflöte zu hören wäre — das wäre ja auch nix. Man muss seiner Linie treu bleiben. Aber: In meinem neuen Programm spreche ich zum Beispiel auch über antiautoritäre Erziehung. Böse Kritiker übersehen so etwas.

Mittlerweile haben Sie ja schon diverse andere Formate kennengelernt: Unter anderem haben Sie eine eigene Fernsehshow moderiert. Was macht am meisten Spaß?

Barth Ich kann vieles nicht so gut wie Comedy. Da bin ich auch ganz ehrlich. Singen kann ich nicht wirklich gut, obwohl ich ein paar Lieder veröffentlicht habe. Und ich bin jetzt als Moderator auch kein zweiter Günther Jauch. Obwohl die Menschen meine Sendungen anscheinend mögen. Stand-up-Comedy mache ich daher immer noch am liebsten.

Haben Sie denn Vorbilder?

Barth Also, der Auslöser warum ich überhaupt Comedian geworden bin, war Michael Mittermeier. Ich saß zu Hause bei meiner Mutter vor dem Fernseher und habe den 'Quatsch Comedy Club' geschaut. Da hat er dann den Witz über die Yogurette-Werbung gemacht. Das war echt komisch und ich dachte mir: das kann ich doch vielleicht auch?

Nun, einige Jahre später, sind Sie einer der bekanntesten deutschen Comedian aller Zeiten. Denkt man da auch schon an die Rente nach?

Barth Ich bin gerade mal 40. Wenn es gut läuft, dann habe ich gerade mal die Hälfte meines Lebens um. Fakt ist, dass ich 2014 erst mal in Berlin auftreten werde. Was danach kommt, weiß ich nicht. Ich kann mir momentan aber nicht vorstellen, dass ich wie Johannes Heesters noch mit 105 Jahren auf der Bühne stehe.

Das Interview führte Christoffer Kleindienst.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das sind die Veranstaltungs-Highlights in Krefeld 2013

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