In Krefeld ist das größte Arboretum der Region eröffnet worden

Baumkunde : Größtes Arboretum der Region eröffnet

Im Uerdinger Stadtpark ist ein Rundweg mit 63 Bäumen eröffnet worden – die größte Baumsammlung im Umkreis bis Wuppertal.

Schön war der Uerdinger Stadtpark schon immer. Speziell seit der damalige Förderverein in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts über 200 neue Bäume aus 64 Arten gepflanzt hat, sucht der Park in der näheren Umgebung durchaus seinesgleichen. Davon sind nicht nur die Mitglieder des inzwischen neu aus der Taufe gehobenen Vereins der Freunde und Förderer überzeugt. Und so entschlossen sie sich, aus dem Park ein Arboretum zu machen. Der Begriff bezeichnet eine Sammlung verschiedenartiger Bäume, die auch zu Lehrzwecken beschildert sind. Dieses Projekt, initiiert vom Förderverein und realisiert mit nicht nur finanzieller Mithilfe von Bürgern, Spendern wie verschiedenen Krefelder Unternehmen und der Politik, wurde am Mittwoch feierlich eingeweiht.

So sehen die Baumschilder aus. Per QR-Code kann man mit dem Smartphone Informationen zu dem Baum abrufen. Foto: Lothar Strücken

„Nun kann zum Beispiel der Großvater mit seinem Enkel in den Park gehen und ihm Fragen zu den Bäumen mit Hilfe unserer Broschüre oder unserer App, die per QR-Code, der auch auf den Schildern an den Bäumen zu finden ist, geladen werden kann, beantworten. Da viele Bäume sehr alt werden, kann vielleicht Jahre oder Jahrzehnte später der Enkel dasselbe Wissen wiederum seinen Enkeln weitergeben“, sagte Claudia Kirberg, die zweite Vorsitzende des Vereins.

63 Baumarten umfasst das Arboretum in Uerdingen: 1 Tulpenbaum – 2 Eschen-Ahorn  – 3 Echter Rotdorn  – 4 Weymouthskiefer– 5 Himalaja-Birke  – 6 Sand-Birke –  7 Amerikanische  Roteiche  – 8 Lärche  – 9 Tulpen-Magnolie – 10 Blutbuche – 11 Schwedische  Mehlbeere  – 12 Gemeine Esche –  13 Feuer-Ahorn – 14 Rotblättrige Sorte des Spitz-Ahorn –  15 Morgenländischer  Amberbaum    16 Rosskastanie   17 Vogel-Kirsche  18 Berg-Ahorn –  19 Österreichische Schwarz-Kiefer  – 20 Vielblütiger Apfel –   21 Kulturapfel  – 22 Blumen-Esche –   23 Weißer Maulbeerbaum  24 Mahagoni-Kirsche  – 25 Kobushi-Magnolie  – 26 Rot-Ahorn – 27 Rotblättriger Berg-Ahorn – 28 Judasblatt – 29 Götterbaum – 30 Gleditschie –   31 Hainbuche – 32 Rotbuche – 33 Blasenesche – 34 Spitz-Ahorn – 35 Baum-Hasel –  36 Schwarz-Kiefer –  37 Birne – 38 Stern-Magnolie – 39 Ginkgobaum – 40 Berg-Ahorn –  41 Judasbaum  – 42 Papier-Birke –  43 Eberesche – 44 Trauben-Eiche – 45 Holz-Apfel – 46 Geschlitzter Silber-Ahorn –  47 Rote Rosskastanie – 48 Amerikanischer Amberbaum   49 Gemeine Robinie – 50 Esskastanie  –  51 Gewöhnliche Platane – 52 Winter-Linde – 53 Holz-Birne – 54 Purpur-Magnolie – 55 Eibe – 56 Urweltmammutbaum –  57 Schnurbaum – 58 Mandelbaum – 59 Japanische Blütenkirsche – 60 Ungarische Eiche – 61 Kaukasische Flügelnuss – 62 Stiel-Eiche – 63 Gewöhnlicher Trompetenbaum –  64 Feld-Ahorn. Foto: Nicolette berns

Und so könnte beispielsweise besagter Großvater, der vom Eingang Auf der Rheinaue, Ecke Bruchweg, den Park betritt, seinem Enkel erzählen, dass die dort stehende Trauben-Eiche bis zu 800 Jahre alt und 40 Meter hoch werden kann. Wenige Meter weiter findet er die gemeine Eberesche und weiß zu erzählen, dass diese mit zehn Metern nur rund ein Viertel so hoch wird wie die Eiche, rote Beeren bekommt und bis zu zwei Meter tief reichende Wurzeln besitzt. Über die dieser unmittelbar gegenüberstehende Papier-Birke könnte er berichten, dass diese bis zu 25 Meter hoch wird und flach wurzelt. Dass sie hitzeempfindlich ist und die amerikanischen Ureinwohner ihre helle Rinde als Papierersatz nutzten.

Blätter des Amberbaums. Foto: Nicolette Berns

Solches Wissen können Interessierte nun über die ganze Fläche des Parks verteilt erwerben und die Bäume in natura sehen. Dabei bestaunen sie etwas, das in dieser Form in Krefeld, ja dem gesamten Umland einzigartig ist. „Etwas Vergleichbares gibt es in der unmittelbaren Umgebung nicht. Das nächste ähnliche Arboretum befindet sich in Wuppertal“, erzählte Marie Louise Fasse. Die ehemalige CDU-Landtagsabgeordnete ist heute bei der Stiftung Umwelt und Entwicklung aktiv und war in dieser Funktion auch bei der Förderung des Baumlehrpfades beteiligt. In ihrer Rede zur Eröffnung betonte sie die Wichtigkeit von Wäldern und Bäumen in der heutigen Zeit.

Rotahorn. Foto: Nicolette Berns

„Wälder waren schon immer besondere Landschaften und bedecken rund ein Drittel Deutschlands. Sie sind Quelle von Mythen und Legenden, heute aber vor allem Kulturlandschaften. Das zeigt, welche Verantwortung wir für sie haben. Immerhin wissen wir, dass sie für Artenvielfalt, aber auch für Klima, Wasser und Boden extrem wichtig sind“, sagte sie. Dafür seien auch Lehrpfade, in denen besonders Kinder und Jugendliche mehr über Bäume erfahren könnten, besonders wichtig.

Stieleiche. Foto: Nicolette Berns

Auch Uerdingens Bezirksvorsteher Jürgen Hengst lobte alle Initiatoren des Projekts und stellte die Wichtigkeit heraus. Er regte an, dass es denkbar sei, den Beteiligten eine gesonderte Auszeichnung zukommen zu lassen. „Allerdings sind die Bäume, der Park in seiner Schönheit und die Plaketten für sich genommen schon eine Auszeichnung für jeden, der daran beteiligt war“, sagte der SPD-Politiker.

Tulpenbaum. Foto: Nicolette Berns

Untermalt wurde die Eröffnung vom Orchester des Gymnasiums am Stadtpark, das die zahlreichen Besucher in vielen schön vorgetragenen musikalischen Darbietungen unterhielt. Danach machte sich eine größere Gruppe gemeinsam mit Marc Grotendorst auf den Weg, den neuen Lehrpfad zu erkunden. Der Beisitzer des Fördervereines ist einer der Initiatoren des Projekts und prägte auch die Gestaltung der Broschüre und der App mit seinem Wissen. Den Besuchern erklärte er auch die Konzeption.

Wildbirne. Foto: Nicolette Berns
Amber. Foto: Nicolette Berns
Tulpenbaum. Foto: Nicolette Berns
Rotahorn. Foto: Nicolette Berns

„Uns war vor allem wichtig, dass sich die Beschilderung harmonisch in den Park einfügt. Darum sind die Schilder bewusst klein gehalten und an den Bäumen selbst befestigt. Jede Art ist nur einmal, jeweils am dem Weg am nächsten stehenden Baum, beschildert“, erläuterte er. Die Schilder seien dabei hochwertig gestaltet, mit einer blendarmen und schmutzabweisenden Schicht versehen und enthielten sowohl den deutschen als auch den botanischen Namen. „Das hat einen klaren Grund: Der botanische Name ist eindeutig, während es für viele Bäume in verschiedenen Regionen unterschiedliche Namen gibt“, erläuterte er. Auch dieses Wissen könnten Großväter künftig weitergeben und ihre Enkel für Bäume und deren Schutz begeistern.