Krefeld: Immer mehr Prozesse vor dem Arbeitsgericht

Krefeld: Immer mehr Prozesse vor dem Arbeitsgericht

Wer seine Arbeit verliert, ist gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise von massiven Existenzängsten geprägt. Christian Treu, der als Rechtssekretär des Deutschen Gewerkschaftsbunds das Büro der DGB-Rechtsschutz GmbH in Krefeld leitet, weiß, wie wichtig den Betroffenen finanzielle Abfindungen in der Vergangenheit gewesen sind und wie sich die Haltung von Arbeitnehmern in dieser Krise auch verändert:.

Der DGB Krefeld verwies gestern im Pressegespräch auf die nackten Zahlen bei Arbeitsgerichtsprozessen: Allein im Bereich Arbeitsrecht in Krefeld kamen in den ersten beiden Monaten 2010 zu den noch anhängigen Fällen aus dem letzten Jahr bereits wieder 100 neue hinzu. Von einem weiteren stetigen Anstieg wird ausgegangen.

Zunahme um 23 Prozent

Treu zog für sein Büro die Jahresbilanz: Zu den 380 Arbeitsgerichtsfällen aus 2008 hatte man schon in 2009 insgesamt 470 Fälle zu bearbeiten. "Wir haben in Krefeld in der Arbeitsgerichtsbarkeit über 23 Prozent mehr Fälle zu verzeichnen gehabt als noch ein Jahr zuvor", sagt Krefelds DGB-Kreisvorsitzender Ralf Köpke.

Ebenso wie in den Vorjahren, nun aber mit einer deutlich verstärkter Tendenz, sei es nach Angaben von Treu und Köpke mit der Zahlungsmoral mancher Arbeitgeber nicht zum Besten bestellt: "Hier fällt uns ganz deutlich auf, dass die Zahl der Leistungsklagen neben den Kündigungsschutzklagen auch zugenommen hat. Denn von den 470 neuen Arbeitsrechtsfällen entfielen etwa ein Drittel auf Leistungsklagen, mit denen Lohn- und Sonderzahlungsansprüche gerichtlich durchgesetzt werden mussten."

Arbeitsplatzerhalt vor Abfindung

"In wirtschaftlich guten Zeiten sind die Arbeitnehmer eher bereit gewesen mit Abfindungen aus den Betrieben zu gehen; heute ist man eher bereit, aus Angst vor Arbeitslosigkeit und Hartz IV bis in die letzte Instanz um den Erhalt seines Arbeitsplatzes zu kämpfen," sagte DGB-Chef Köpke. Bei den restlichen Verfahren ging es um Streitigkeiten aus der betrieblichen Altersversorgung, um Zeugnis- und Eingruppierungsklagen, Arbeitnehmerhaftung, Entfernung von Abmahnungen aus Personalakten sowie um Auseinandersetzungen zwischen Arbeitgebern und Betriebsräten.

(RP)