Wolfgang Bosbach: "Im Karneval gibt es keine Fraktionsgrenze"

Wolfgang Bosbach : "Im Karneval gibt es keine Fraktionsgrenze"

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach wird Ritter des Närrischen Steckenpferdes, des Ehrenpreises der Krefelder Prinzengarde. Im Interview spricht er über seine erste Freundin, Hannelore Kraft und Claudia Roth.

Herr Bosbach, beim Närrischen Steckenpferd ist es in Krefeld Tradition, dass der Geehrte des Vorjahres die Laudatio auf den Nachfolger hält. Sind Sie eigentlich froh, dass somit Hannelore Kraft und nicht Ronald Pofalla über Sie redet? Schließlich ist von Pofalla über Bosbach der legendäre Satz "Ich kann Deine Fresse nicht mehr sehen" überliefert.

Wolfgang Bosbach Über eine Laudatio von Ronald Pofalla hätte ich mich genauso gefreut. Ich nehme es, wie es kommt, und fühle mich geehrt, dass eine SPD-Ministerpräsidentin die Auszeichnung begründet und den Preisträger würdigt. Es ist doch gut zu wissen, dass jedenfalls im Karneval Parteigrenzen keine Rolle spielen.

Keine Angst vor kleinen politischen Gemeinheiten in der Laudatio?

Bosbach Ich lasse mich einfach überraschen. Hannelore Kraft wird schon die richtigen Worte finden, und wenn der Gag gut ist — warum nicht? Ich bin ja noch nach ihr dran... Außerdem gibt es wohl zumindest in puncto Karneval so eine Art Große Koalition, denn ich halte in wenigen Tagen die Laudatio auf den SPD-Europapolitiker Martin Schulz, der den "Lachenden Amtsschimmel" des Deutschen Beamtenbundes erhält.

Wir haben mal in den Regularien nachgeschaut: Der Steckenpferd-Träger wird für seine Fähigkeit geehrt, ein erfolgreiches Leben mit einer gehörigen Portion Humor zu unterlegen und den Widrigkeiten des Alltages mit einem fröhlichen Lächeln zu begegnen. Bei Ihnen ist es eine besondere Widrigkeit: Mit Ihrer Prostatakrebserkrankung gehen Sie offen um. Fällt das Lachen schwerer, wenn man unheilbar krank ist?

Bosbach Nein, denn ich habe schon immer von Herzen gerne gelacht. So ernst die Diagnose auch ist: Mein Gesundheitszustand würde sich ja nicht bessern, wenn ich betrübt durchs Leben ginge. Aus schwierigen Situationen will ich das Beste machen — nach dem Motto: Jetzt erst recht.

Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung — als Freund des Kölner Karnevals, der Sie sind, muss doch eine Krefelder Ehrung wie eine Auszeichnung aus der närrischen Provinz sein?

Bosbach Keinesfalls. Sie ist Ehre und Freude zugleich, zumal sie wohl nicht in erster Linie dem Politiker, sondern dem Menschen Bosbach gilt.

Sie sind CDU-Bundestagsabgeordneter, Fan des 1. FC Köln und Mitglied im ZDF-Verwaltungsrat — reicht diese Ganzjahresnarretei nicht? Warum dann noch der echte Karneval?

Bosbach Karnevalistisch aktiv bin ich schon seit knapp 50 Jahren. Die Politik ist erst zehn Jahre später dazugekommen. 22 Jahre war ich Präsident meiner Karnevalsgesellschaft und habe gut 100 Sitzungen geleitet. Natürlich habe ich auch außerhalb der Session genug Trubel und Remmidemmi um die Ohren, aber zwischen Karneval und Politik trenne ich rigoros. Gute Politik ist harte Arbeit, Karneval ist Freizeit und Vergnügen pur. Wer versucht, im oder mit Karneval Politik zu machen, wird garantiert scheitern.

Haben Sie schon überlegt, was Sie auf der Bühne in Krefeld sagen werden?

Bosbach Nein. Ich mache mir vorher noch nicht mal Stichworte und werde ganz bestimmt ohne Manuskript antreten. Ich höre gespannt zu, was andere sagen — und werde dann spontan reagieren. Aber ein Wort kommt garantiert vor: Danke!

Kennen Sie Krefeld, was fällt Ihnen ein, wenn Sie an unsere Stadt denken?'

Bosbach Ich kenne die Stadt ganz gut, denn von dort kam meine erste Freundin. Wir haben gemeinsam an einem Kölner Abendgymnasium unser Abitur nachgeholt. Ich war also des Öfteren in Krefeld.

Und wie haben Sie Krefeld wahrgenommen?

Bosbach Als eine gelungene Mischung aus Großstadt und Gemütlichkeit. Bei den Krefeldern entdecke ich immer wieder eine sympathische Mischung aus rheinischer Fröhlichkeit und niederrheinischer Bodenständigkeit.

In Krefeld ist es guter Brauch, dass der Vorjahresträger des Närrischen Steckenpferdes eine Laudatio auf den Nachfolger hält. Wen wünschen Sie sich als Nachfolger und was sagen Sie als Laudator? Wie wäre es mit Herrn Pofalla?

Bosbach Ich glaube zwar nicht, dass die Prinzengarde direkt nacheinander zwei CDU-Politiker auszeichnet, aber wenn die Wahl auf Ronald Pofalla fällt, bin ich sofort am Start. Eine Laudatio auf Claudia Roth würde mich reizen. Politisch trennt uns viel, aber privat hat sie wirklich den Schalk im Nacken, ist witzig und lacht gerne. Außerdem hat sie echt Ahnung von Fußball. Das macht sie sympathisch.

SEBASTIAN PETERS FÜHRTE DAS INTERVIEW.

(RP)
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